Chronik | Wien
23.07.2015

Abbruch-Verfahren für den Turm am Hauptbahnhof

Neuer Besitzer hat immer noch keinen Käufer gefunden. Jetzt schreiten die Behörden ein.

350.000 Besucher genossen von seiner Plattform den Panoramablick über Österreichs größte Baustelle, mittlerweile ragt er seit Monaten verlassen in den Himmel und verzögert die Nachnutzung des Grundstücks: Der 66 Meter hohe "Bahnorama"-Holzturm am Hauptbahnhof. Errichtet von der Stadt Wien und den ÖBB, diente er bis Ende 2014 als Baustellen-Infozentrum und beliebte Aussichtsplattform.

Nach Eröffnung des neuen Bahnhofs wurde er zu Jahresende an die eigens gegründete Firma "Vienna Tower Transfer" mit Sitz in Prag verkauft. Diese verpflichtete sich, den Turm abzubauen und an Interessenten für eine Nachnutzung weiterzuverkaufen. Doch daraus wurde bis dato nichts: "Leider hat sich herausgestellt, dass der Investor weder den Abtrag noch die Wiederverwertung erfolgreich durchführen kann", sagt ein ÖBB-Sprecher.

Inzwischen sind die Errichter des Turms mit ihrer Geduld am Ende: " Das Behördenverfahren für den Abbruchbescheid ist bereits eingeleitet worden", sagt der Sprecher. Die dazu nötige Bauverhandlung werde demnächst stattfinden, bestätigt man bei der Baupolizei. Dem jetzigen Eigentümer wird dann wohl eine mehrmonatige Frist für den Abriss gesetzt.

Denn de facto ist das "Bahnorama" mittlerweile ein Schwarzbau: "Die Baubewilligung war mit dem 31. Dezember 2014 befristet", heißt es bei der Baupolizei.

Bei Vienna Tower Transfer, hinter der ein deutscher Investor steht, will man sich dazu noch nicht detailliert äußern. Nur so viel: "Wir sind mit potenziellen Käufern in Deutschland im Gespräch." Auf der Firmen-Website wird der Turm unter anderem als Austragungsort für Ausstellungen oder als Bungeejumping-Location beworben.

Wohnbau

Dass der Turm lieber heute als morgen abgerissen wird, wünscht man sich auch bei Wiener Wohnen, dem Eigentümer des Grundstücks. Schließlich will man das Areal für andere Zwecke nutzen. "Es ist klar, dass es langfristig für Wohnbau verwendet wird", sagt ein Sprecher. Nachdem der Turm abgebaut ist, will man das Grundstück zunächst einer noch nicht näher bestimmten temporären Nutzung zuführen. "Sie soll jedenfalls einen Mehrwert für den öffentlichen Raum bringen."