Chronik | Wien
02.09.2017

Ab nach Oberlaa: Die U1 fährt in die Verlängerung

Die Linie ist nun um fünf Station länger. Am Montag folgt die nächste Neuerung für Favoriten: das Parkpickerl.

Eigentlich geht es an Samstagvormittagen am Wiener Reumannplatz beschaulich zu. Doch gestern gab es dort ein Gedränge, wie sonst nur bei der U2-Station Stadion nach einem Konzert von Robbie Williams.Aber schließlich werden nicht alle Tage U-Bahn-Verlängerungen eröffnet. Das wollten sich viele Wiener nicht entgehen lassen. Jahrzehntelang hat etwa die Favoritnerin Berta Wenzel darauf gewartet. Sie stand ganz vorne. Nur ein Absperrgitter trennte sie von Bürgermeister Michael Häupl ( SPÖ), der – nachdem er Dutzenden Selfie-Wünschen nachgekommen ist – meinte: "Na also, dann gemma U-Bahnfahren."

Kurz nach 10 Uhr Früh setzte sich zum ersten Mal eine voll besetzte, reguläre Garnitur der U1 in Richtung Oberlaa in Bewegung. Mit an Board: geballte Politprominenz von Öffi-Stadträtin Ulli Sima ( SPÖ) über Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) bis zu Bundeskanzler Christian Kern ( SPÖ), der die Gäste mittels Lautsprecheranlage begrüßte. Fünf zusätzliche Stationen stehen den Wienern ab sofort zur Verfügung. Vom Reumannplatz geht es über die Haltestellen Troststraße, Altes Landgut, Alaudagasse und Neulaa bis nach Oberlaa. Dafür haben Stadt und Bund gemeinsam 600 Millionen Euro in die Hand genommen. Mit 19,2 Kilometern ist die U1 nun die längste Wiener U-Bahnlinie.
Bürgermeister Häupl ist sie ab sofort auch die liebste, wie er mit Augenzwinkern wenig später auf der Festbühne verkündete: "Zumindest ab nächstem Jahr. Wenn unser violettes Stadion (die Generali-Arena, Anm.) fertig ist. Dann kann ich mit der U-Bahn zum Match fahren. Und dass die Oberlaaer Heurigen jetzt mit der U-Bahn erreichbar sind, ist auch super." Herzhafte Lacher von den voll besetzten Heurigenbänken vor der Bühne.

Wiener Linien in Feierlaune

Tausende Menschen sind an dem überraschend sonnigen Samstag nach Oberlaa gepilgert, um dem Eröffnungsfest beizuwohnen – und wurden von einem umfangreichen Unterhaltungsprogramm empfangen: Während die Lieder der U-Bahnstars über die Festwiese hallten, konnten Besucher eine Probefahrt im U-Bahn-Simulator absolvieren, Fan-Artikel der Wiener Linien ersteigern, sich über Angebote der Stadt informieren und sich mit Käsekrainer, Burger und Zuckerwatte stärken.

Zu viel Partystimmung? Der Rechnungshof hatte die Wiener Linien im Vorfeld dafür kritisiert, dass Geld, das eigentlich in den Neubau fließen sollte, für die Eröffnungsfeierlichkeiten gesteckt wurden. Die Neos werden im nächsten Gemeinderat dazu einen Antrag stellen. Öffi-Stadträtin Sima kann die Aufregung nicht nachvollziehen: "Bei einem 600-Millionen-Euro-Projekt wird man einen Tag noch mit den Wienern feiern dürfen."
Nicht nur für Wiener, auch für Pendler aus NÖ und dem Burgenland dürfte die U1-Verlängerung interessant sein. Wie sehr die Auto-Pendler am Montag jedoch in Feierlaune sein werden, wird sich zeigen. Denn mit Schulbeginn startet in Favoriten auch das Parkpickerl. Nicht-Favoritner dürfen den Pkw dann nur mehr in den beiden neuen P-&-R-Anlagen (in Neulaa und Oberlaa) abstellen. Platz ist dort allerdings nur für knapp 300 Autos. Und auch für einige Favoritner wird es wohl noch ein böses Erwachen geben. Denn rund 64.000 Pkw sind in Favoriten gemeldet. Ausgestellt wurden erst rund 29.000 Pickerl.