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Chronik Wien
02/18/2021

50.000 Euro Prämie kassiert: Pensionistenwohnhäuser-Chefin entlassen

Gabriele Graumann war bereits im Herbst wegen einer Anzeige freigestellt worden. Nach einer Prüfung werden nun weitere leitende Angestellte suspendiert.

von Stefanie Rachbauer

Die im Herbst vom Dienst freigestellte Geschäftsführerin des Kuratoriums der Wiener Pensionisten-Wohnhäuser (KWP), Gabriele Graumann, wird entlassen. Das geht aus einem Schreiben an Graumann hervor, das dem KURIER vorliegt. 

Anlass für den Schritt ist eine externe Prüfung nach einer Anzeige bei der Staatsanwaltschaft: Der Stadtrechnungshof hatte nach einer Gebarungsprüfung im Jänner 2020 eine Sachverhaltsdarstellung wegen des Verdachts der Untreue eingebracht. 

Geschäftsführerin Graumann wurde daraufhin suspendiert. Und Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) kündigte eine ausführliche Prüfung der Causa an.

Das Ergebnis dieser Prüfung ist nun da. Am Donnerstag wurde es in einer Sondersitzung des KWP-Vorstands behandelt

Prämien für den Lebensgefährten

Die Prüfung habe "negativ überraschende Fakten" zu Tage gebracht, heißt es in dem Schreiben an Graumann. Ihr wird darin unter anderem vorgeworfen, überhöhte Prämien von in Summe rund 50.000 Euro bezogen zu haben - und zwar am KWP-Vorstand vorbei.

Weiters soll Graumann ihrem Lebensgefährten, der als Führungskraft im KWP arbeitet, regelmäßig Prämien gewährt haben. Allerdings ohne zu dokumentieren, warum. Die Lebensgemeinschaft habe sie entgegen der Vorschriften über Jahre nicht gemeldet. 

Angelastet werden ihr auch eine "aufklärungsbedürftige Führung" der ihr zugeordneten Handkasse, eine "aufklärungsbedürftige Visa-Kartengebarung" in ihrem Wirkungsbereich und eine "hochproblematische Reisetätigkeit". 

Und nicht zuletzt soll Graumann einen Vorteil angenommen haben, indem sie ihre Privatwohnung von einem Geschäftspartner des KWP ausmalen ließ.

"Massiver" Vertrauensverlust 

All diese Vorwürfe und der "damit einhergehende Vertrauensverlust" sind laut Schreiben derart "massiv", dass Graumann endgültig als Geschäftsleiterin abberufen und der Dienstvertrag mit ihr aufgelöst wird. Der KWP-Vorstand hat diesem Schritt einstimmig zugestimmt. 

Die externe Prüfung habe die Verdachtsmomente aus dem Vorjahr erhärtet, teilte Gesundheitsstadtrat Peter Hacker am Nachmittag in einer Stellungnahme mit. Zudem seien neue Vorwürfe hinzugekommen, zu denen Sachverhaltsdarstellungen an die Staatsanwaltschaft erfolgen werden. 

Weitere Suspendierungen

Neben Graumanns Entlassung habe der Vorstand Suspendierungen gegenüber weiteren leitenden KWP-Angestellten aus den Bereichen Bau sowie Compliance/Recht ausgesprochen. Laut einem Sprecher von Hacker ist auch Graumanns Lebensgefährte darunter. 

Vorerst wird Christian Hennefeind, bisher Personalchef des Fonds Soziales Wien, Graumanns Agenden übernehmen. In der Folge solle das KWP neu strukturiert werden. 

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