Mehr als 1,5 Millionen Mal wurde das Video auf Facebook geklickt

© KURIER/Bernhard Ichner

Prügelvideo
01/12/2017

22 Schläge, sechs Angeklagte: Der "Kieferbrecher" war genervt

Angebliche Haupttäterin soll drei weitere Mädchen geschlagen haben.

von Michaela Reibenwein

Sechs Jugendliche müssen sich nach dem Prügelvideo, das mehr als 1,5 Millionen Mal auf Facebook angeklickt wurde, vor dem Richter verantworten. Die mutmaßliche Haupttäterin, die 15-Jährige Leonie, muss sich laut Anklageschrift außerdem für drei weitere Übergriffe verantworten.

Kieferbruch

Zumindest 22 Schläge gegen Kopf und Gesicht – so oft wurde auf das 15-jährige Opfer Patricia vor dem Wiener Donauzentrum am 9. November des Vorjahres eingeprügelt. Patricia erlitt einen zweifachen Bruch des Unterkiefers. Sechs mutmaßlichen Tätern im Alter von 15 bis 21 Jahren (drei Mädchen, drei Burschen, Anm.) wird demnächst deshalb der Prozess gemacht. Einen fixen Termin gibt es noch nicht.

Patricia und Leonie lernten sich in einem Krisenzentrum kennen. Beide Mädchen stammen aus schwierigen Familienverhältnissen, Leonie war seit ihrem dritten Lebensjahr in diversen Einrichtungen untergebracht, lebte von kleine Geldbeträgen, die sie von Freunden bekam. Patricia ließ sie sogar in der Wohnung ihres Stiefvaters schlafen.

Doch die Freundschaft ging in die Brüche, Patricia soll die Angeklagte aufgefordert haben "sich nicht so aufzuführen". Am Tag darauf traf man sich zufällig im Donauzentrum. Leonie und einige Freunde sollen Patricia dann umzingelt und abwechselnd geschlagen haben – "Für all das, was sie getan hat."

Auf dem Video ist auch der 16-jährige Tschetschene Abu zu sehen. Auf Facebook bezeichnet er sich selbst als "Kieferbrecher", auf einem Bild zeigt er den gestreckten Mittelfinger und pöbelt gegen Richter. Erst im September verurteilte ihn einer zu sechs Monaten bedingter Haft wegen Raubes – die könnte sich bei einer neuerlichen Verurteilung zu einer Haftstrafe umwandeln.

Bei den Aussagen zu dem Prügelvideo gibt er sich aber betont zahm. Er habe versucht, Leonie zurückzuhalten und hätte sich den Vorfall gar nicht ansehen können. Deshalb sei er auch weggegangen. Nach fünf Minuten allerdings soll auch er zugeschlagen haben. "Weil mich die anderen genervt haben."

Leonie und Abu sollen auch am Folgetag auf ein Mädchen eingeprügelt haben. Da traf es die 14-Jährige Marina H. Zu viert sollen die Jugendlichen auf Marina losgegangen sein. Als es dem Opfer gelang, den Schlägen auszuweichen, sollen zwei Burschen die 14-Jährige festgehalten haben. Mit Anlauf, so die Anklage, soll Leonie dann der Jugendlichen einen Fußtritt versetzt haben. Ein Tritt traf auch ins Gesicht.

Zudem werden der 15-jährigen Leonie noch Übergriffe auf ein Mädchen in einem Jugendzentrum im Bezirk Tulln angelastet und eine Discoschlägerei. Im Juni soll sie einer jungen Frau die Faust in den Bauch geschlagen haben.

Falsche Aussagen

Zwei der beschuldigten Mädchen aus dem Prügelvideo stellten sich übrigens freiwillig der Polizei. Zuvor dürften sie sich allerdings abgesprochen haben. Sie wollten anscheinend die Alleinschuld auf Leonie schieben. Bei der Polizei gaben sie an, von der 15-Jährigen mit einem Butterfly-Messer bedroht worden zu sein, sollten sie nicht auch zuschlagen. Die jungen Damen müssen sich daher auch wegen Verleumdung verantworten.

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