Brisante Verbindungen: Lorenz K. ist nicht nur Fan des Hasspredigers Mirsad O.

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Chronik | Wien
02/02/2017

Terrorverdächtiger Lorenz K. war Gast in Moschee von radikalem Imam

Brisante Wiener Terror-Connection: Lorenz K. (17) besuchte vor seiner Festnahme jenen Imam, der eine Woche später bei einer Großrazzia verhaftet wurde. Auch Bezug zum Dschihadisten Mohamed Mahmoud.

Der (Terror)-Kreis schließt sich in einer Moschee in Wien-Ottakring: Der 17-jährige Wiener Terrorverdächtige Lorenz K., steht offenbar doch im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Netzwerk aus 14 Verdächtigen, das vergangene Woche bei einer Großrazzia in Graz und Wien gesprengt wurde.

Nur wenige Tage nach K.s Festnahme wurden, wie berichtet, in einer konzertierten Aktion zwei Salafisten-Prediger und 12 andere Terrorverdächtige festgenommen, die laut Justizministerium einen "Gottesstaat in Österreich" aufbauen wollten. Unter ihnen befindet sich der ehemalige Kickboxer und gebürtige Wiener Ebu Muhammad alias Nedžad B. Der Bosnier ist kein Unbekannter, er gilt neben dem zu 20 Jahren Haft verurteilten Mirsad O. als einer der radikalsten Prediger des Balkans. Weiter gegeben hat er seine Lehren in besagter Moschee in Ottakring, in der auch Lorenz K. regelmäßig zu Gast war.

Aus ermittlungstaktischen Gründen gibt es dazu aus dem Innenministerium keinerlei Bestätigung. Allerdings liegt dem KURIER das Einvernahmeprotokoll des 17-Jährigen durch das Bundesamt für Verfassungsschutz vor, aus dem die Verbindung zu der Ottakringer Moschee hervorgeht. "Ja, ich kenne diese Moschee, ich war fallweise Freitag zum Gebet dort", so Lorenz K. in seiner Einvernahme. Er habe gewusst, dass der Imam auch auf albanisch predigte. Seinen Angaben nach war er sogar sieben Tage vor seiner Festnahme, also am 13. Jänner, noch in dem Gebetshaus zu Besuch.
Lorenz K. ist damit bereits der dritte mutmaßliche Attentäter beziehungsweise Terrorverdächtige, der sich in Ebu Muhammads Umfeld aufgehalten – und vermutlich weiter radikalisiert haben dürfte. Der erste warder Austro-Terrorist Mohamed Mahmoud. Vor seiner ersten Verurteilung 2007 wegen der Planung eines Anschlages auf die Fußball-Europameisterschaft war Mahmoud jahrelang ständiger Besucher der Sahaba-Moschee nahe der Mariahilferstraße in Wien. In dieser lehrte Ebu Muhammad, er galt selbst unter den dort tätigen radikalen Predigern als der radikalste Imam. Schon damals stand die Moschee im Visier des Verfassungsschutzes undMahmoudsoll dort Kontakte zu "bosnischen Radikalen" gehabt haben.

Anschlag in Sarajewo

Vier Jahre später geriet Ebu Muhammad erneut in die Schlagzeilen als der Terrorist Mevlid J. einen Anschlag auf die amerikanische Botschaft in Sarajevo durchführte. Laut seiner Mutter habe er sich ebenfalls in der Moschee in Wien-Neubau radikalisiert, bei Ebu Muhammad, sagte sie. Wie auch im aktuellen Fall bestritt Nedžad B. aber jeden Zusammenhang. Allerdings sollen bei der jüngsten Razzia Schriften und Datenträger sichergestellt worden sein, die folgenden Verdacht erhärten: Mitgliedschaft in einer Terrororganisation, Gründung einer staatsfeindlichen Verbindung und Rekrutierung von Kämpfern für den Dschihad.

Bei dem zweiten verhafteten Prediger soll es sich laut ORF um Abu Hamzah al-Afghani handeln. Als sein geistiger Vater gilt ein Dschihadist aus Kuwait. Farhad Q., so der bürgerlicher Name von al-Afghani, veröffentlichte rund ein Dutzend religiöser Bücher.Farhad Q., so sein bürgerlicher Name, veröffentlichte rund ein Dutzend religiöser Bücher. Mit seinem Bruder Jamaluddin Q. gilt er laut Experten als Ziehvater des Salafismus in Österreich und Deutschland. Und der Bruder war ebenfalls in der Sahaba-Moschee aktiv – bei Ebu Muhammad.

"Al Maqedoni"

Doch neben dem erst 17-jährigen Lorenz K. dürften sich immer mehr Kinder in den Bann von radikalen Salafisten ziehen lassen. Bestes Beispiel ist der erst 12-jährige "Al Maqedoni" aus Wien. Er hatte sich am 12. Jänner in einem Whats-App-Chat mit Lorenz K. über Terrorpläne, die Besorgung von Kalaschnikow-Sturmgewehren und den IS-Terrorführer Abu Bakr al-Baghdadi unterhalten. "Ja, der Chat ist richtig, ich nehme ihn aber nicht ernst, er spricht immer so einen Blödsinn. Welcher Bursche in diesem Alter hat persönlich Kontakt mit Baghdadi", sagte Lorenz K. darüber aus.

Nun ist der 12-Jährige in der Obsorge des Jugendamtes, den Eltern wurde das Kind zum wiederholten Male abgenommen. Aber wie kann man den 12-Jährigen deradikalisieren? Es sei die Frage ob es sich um einen salafistischen Hintergrund oder kindliche Wichtigmacherei handelt, meint Herta Staffa vom Jugendamt. "Das wird gerade psychologisch abgeklärt. Danach wird man sehen, welchen Therapiebedarf es gibt."