Chronik | Wien
28.03.2012

150.000 Euro für ein Semester Büffeln

Millionenshow: Tom Nolz gewann am Montag bei Armin Assinger 150.000 Euro. Der 20-Jährige plante den Auftritt seit dem Gymnasium.

Hätten Sie es gewusst? In welcher Operette von Franz Lehár das Liedchen Ja, das Studium der Weiber ist schwer geträllert wird? In „Paganini"? „Die lustige Witwe"? „Der Zarewitsch"? Oder doch in „Zigeunerliebe"?

Tom Nolz wusste es. Weil er im Dezember „Die lustige Witwe" in der Volksoper gesehen hatte. Ein glücklicher Zufall, der den 20-jährigen Jus-Studenten um 150.000 Euro reicher machte.

Doch das war der einzige Zufall bei seinem Auftritt. „Die Millionenshow war der Lebensmittelpunkt der vergangenen Monate. Ich habe ganz systematisch auf dieses Ziel hingearbeitet", sagt er.

Schon in der Schule versuchte sich der Wiener jede nur mögliche Form von Allgemeinwissen anzueignen – mit dem Hintergedanken: „Das könnte ich einmal in der Millionenshow brauchen." Im Herbst 2011 war es soweit, Nolz meldete sich im Internet für die Sendung an; vier Wochen später bekam er einen Anruf vom ORF. Am Telefon musste er eine erste Casting-Runde bestehen: Wie heißt der längste Fluss Europas (die Wolga)? Wer ist Secretary of States (Hillary Clinton)? Was ist ein Carnivore (Fleischfresser)?

Der 20-jährige Vegetarier wusste auf jede Frage die richtige Antwort. Nach einem weiteren Auswahlverfahren kam die erlösende Nachricht: Tom Nolz, herzlichen Glückwunsch, Sie sind Kandidat bei der Millionenshow. Seine Reaktion? „Das war die logische Folge meiner Bemühungen und Gedankenspiele", sagt er trocken.

Pause für Studium

Nun begann die intensive Vorbereitung. Nolz setzte ein Semester lang sein Jus-Studium aus, stand jeden Tag um 6 Uhr auf und recherchierte stundenlang im Internet. Er setzte sich in die Haupt­bibliothek, um alle großen,deutschsprachigen Zeitungen zu lesen, schaute Filme auf DVD und im Filmmu­seum, löste Kreuzworträtsel und las Enzyklopädien. Als Ausgleich zog er sich täglich ins Meditationshaus im Garten der fünfköpfigen Familie zur inneren Einkehr zurück. „Das hilft mir bei Stress­situationen", sagt er. Seinen Eltern – beide Ärzte – erzählte er nichts von Bewerbung und Vorbereitung. (Sie erfuhren erst aus dem Fernsehen vom Gewinn.)

Eine schwarze Mappe, die „Akte Millionenshow", wurde Nolz` ständiger Begleiter. In dieser notierte er Wissenswertes zu 30 Themengebieten sowie sämtliche Sendungen. Er hielt jede Frage und jede Antwort fest – selbst die Reaktionen von Moderator Armin Assinger. „Ich habe versucht, mich in die Köpfe der Menschen hineinzuversetzen, die sich die Fragen ausdenken. Und ich wollte Assingers Gedanken ,lesen` lernen. "

Der Plan ging auf. Assinger konnte Tom Nolz am Montag zu 150.000 Euro gratulieren.
Und dessen Reaktion? Nur mit Mühe konnte er sich in der Sendung ein Lächeln abringen. „Das entspricht meinem Naturell. Das heißt aber nicht, dass ich aalglatt oder emotionslos bin."

Tierleid stoppen

Vor allem den Tieren gehört sein Empfinden und sein Mitleid. Mit dem gewonnenen Geld auf dem Konto will er jetzt Gleichgesinnte finden, „um Tiere aus den Fängen der Industrie zu befreien.“ Und das Studium? „Das ist vorbei.“