Der 16-jährige Raphael kletterte auf einen Güterwagon, ein 15.000-Volt-Stromschlag verletzte ihn lebensgefährlich.

© KURIER/Michaela Reibenwein

Wien
10/06/2014

15.000-Volt-Stromschlag auf Waggon

Gefährliche Kletterpartie eines 16-Jährigen in Wien - ÖBB warnen in Kampagne.

von Michaela Reibenwein

Ein Schrei, ein Funkenflug. Plötzlich brannte es: Ein fürchterlicher Unfall ereignete sich Sonntagabend auf dem ÖBB-Gelände beim Handelskai in Wien. Zwei Burschen schlichen sich auf das Gelände. Der 16-jährige Raphael aus Leopoldsdorf im Marchfeld, NÖ, hat eine fatale Idee: Er will auf das Dach eines abgestellten Güterwagons klettern. "Mach mit dem Handy Fotos von mir", fordert er seinen 17-jährigen Freund auf. "Sein Freund hat ihm mehrfach davon abgeraten. Aber der Bursch hat sich nicht davon abbringen lassen", schildert ein Polizeisprecher. Als Raphael das Dach des Waggons erreicht, fährt ein 15.000-Volt-Stromschlag durch seinen Körper. Der junge Mann erleidet schwerste Verbrennungen.

Mit Händen gelöscht

"Der Kollege hat nur gesehen, dass es brennt", schildert Betriebsmanager Manfred Znorovsky. Als Bahnmitarbeiter Erwin P. zu den Gleisen läuft, sieht er, wie Raphaels Freund verzweifelt mit bloßen Händen versucht, die brennende Kleidung des 16-Jährigen zu löschen. Raphael war sofort nach Betreten des Waggons in die Oberleitung geraten. Die Wucht schleuderte den jungen Mann zu Boden. "Der Bursche war die ganze Zeit bei Bewusstsein. Der Kollege hat versucht, ihn ruhig zu halten. Die ganze Kleidung war weg. Alles verbrannt", schildert Znorovsky. Dann eilt der Eisenbahner, der früher auch Sanitäter war, zurück um eine Jacke für den Verunfallten zu holen. "Das war der erste derartige Unfall hier. Trotzdem. So etwas nimmt einen schon mit."

Das Opfer erlitt bei dem Unfall Verbrennungen dritten Grades. Es schwebte in Lebensgefahr. Am Montag gibt es vonseiten des Krankenhauses eine vorsichtige Entwarnung: Raphael liegt auf der Intensivstation, sein Zustand ist stabil. Die Lebensgefahr ist gebannt.

Der tragische Unfall ist kein Einzelfall. Im vergangenen Jahr kletterte ein 24-jähriger Steirer am Gelände des Bahnhofs Puntigam in Graz auf einen Waggon und wurde dabei lebensgefährlich verletzt. Der Schlosser musste reanimiert werden.

Kampagne

Auch die ÖBB selbst kennen das Problem – und sie haben es zum Thema ihrer aktuellen Sicherheitskampagne gemacht: Es ist eine sternenlose Nacht.Auf den Gleisen steht ein abgestellter Güterwaggon."Klar trau ich mich auf den Waggon raufklettern" steht groß auf dem Plakat-Sujet. Und rechts unten das Bild eines Buben. Kevin. Geboren am 6. Jänner 1998, gestorben am 8. April 2013. Anderes Sujet: Simone lächelt vom Passbild. Laut der angegebenen Daten wurde sie nur zwölf Jahre alt. "Ich geh über die Gleise. Das ist kürzer", sagt sie. Die aktuelle Sicherheitskampagne polarisiert. Speziell deshalb, weil dem Betrachter vorgegaukelt wird, als wären die Kinder auf den Bildern tatsächlich bei Unfällen mit dem Zug oder durch Starkstrom gestorben.

"Die Reaktionen sind ausgewogen", sagt ÖBB-Sprecher Michael Braun. "Die einen finden’s gut, die anderen fragen, ob das wirklich notwendig ist." Die Antwort darauf gibt er im nächsten Atemzug: "Ja, finden wir. Das Thema ist wichtig. Und die Leute sollen es wahrnehmen." Der jüngste Unfall gibt ihm Recht.

2013 sind laut ÖBB 21 Menschen in Österreich bei den Gleisanlagen verletzt worden. Weil sie über die Gleise gingen, die Sicherheitslinie überschritten hatten oder auf Waggons kletterten. Vier davon waren jünger als 21 Jahre.

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