Chronik | Welt
26.04.2017

Zugsunglück in Südtirol fordert zwei Tote

Zwei Tote und drei Schwerstverletzte bei der Entgleisung eines Bauzugs auf der Brennerstrecke bei Brixen. Die Strecke ist für den Verkehr bis mindestens Donnerstag gesperrt.

Ein Zugsunglück auf der Brennerbahnstrecke bei Brixen hat in der Nacht auf Mittwoch zwei Tote und drei Schwerstverletzte gefordert. Ein Bauzug, auf dem sich rund 20 Arbeiter befunden hatten, setzte sich aus bisher ungeklärter Ursache in Bewegung, sagte der Einsatzoffizier der Feuerwehr Bozen. Nachdem er Fahrt aufgenommen hatte, prallte er gegen eine Baumaschine und entgleiste.

Ein eingleisiger Betrieb ist ersten Einschätzungen zufolge erst ab Donnerstag wieder möglich, teilte das Land Südtirol in einer Aussendung mit.

Mehrere Arbeiter wurden dabei eingeklemmt. Für zwei von ihnen kam jede Hilfe zu spät. "Drei wurden mit schwersten Verletzungen geborgen und befinden sich in Lebensgefahr", so der Einsatzoffizier. Zudem trugen zahlreiche Arbeiter leichte Verletzungen davon.

Die Brennerstrecke war nach dem Zugsunglück in der Nacht auf Mittwoch bei Brixen in Südtirol bis auf Weiteres gesperrt. Die Aufräumarbeiten dauerten vorerst an. "Der Bauzug hatte eine Vielzahl von Bahnschwellen und Eisenteilen geladen", schilderte der Einsatzoffizier der Feuerwehr Bozen. Zudem sei auch der Gleiskörper durch den entgleisten Bauzug in Mitleidenschaft gezogen worden.

Bahnverkehr unterbrochen

"Die Unfallstelle sieht verheerend aus", sagte der Feuerwehroffizier. Sowohl der regionale als auch der internationale Bahnverkehr waren vorerst unterbrochen. Die Bergungsarbeiten gestalteten sich aufgrund des unwegsamen Geländes zunächst schwierig, erklärte ein Sprecher der Feuerwehr am Mittwoch. Deshalb sei nun eine provisorische Straße direkt zum Unfallort gebaut worden.

Aufgrund der erheblichen Schäden an der Infrastruktur und der laufenden Bergungs- und Instandsetzungsarbeiten war der Bahnverkehr zwischen Brixen und dem Brenner weiterhin gesperrt. Eines der beiden Gleise sei bei dem Unglück jedoch "nur relativ wenig" beschädigt worden, meinte der Sprecher. Dieses könne möglicherweise am Donnerstag wieder für den Bahnverkehr freigegeben werden. Die gesamten Aufräumarbeiten werden voraussichtlich aber bis Freitagnachmittag andauern, weshalb bis dahin mit Einschränkungen im Zugverkehr zu rechnen sei.

Zu dem Unfall war es gegen 23.45 Uhr gekommen. Warum sich der Bauzug, der mit Arbeiten bei Vahrn beschäftigt war, in Bewegung gesetzt hatte, war vorerst unbekannt. Das müssten die Erhebungen der Bahngesellschaft und der Carabinieri klären.

Steilster Streckenteil

"In diesem Bereich ist die Brennerstrecke am steilsten", erklärte der Einsatzoffizier. Dadurch nahm der Bauzug schnell Fahrt auf. Auf der Höhe des Brixner Krankenhauses prallte das Gefährt schließlich bei einer weiteren Baustelle mit voller Wucht gegen eine kleine Arbeitsmaschine und entgleiste. Dabei kam es auch zu einem Brand.

Der Freiwilligen Feuerwehr Brixen zufolge fanden die Lösch- und Bergungsarbeiten unter "schwierigsten Bedingungen" statt, weil die "Unglücksstelle mit keinem Fahrzeug erreichbar war."

Für zwei Arbeiter kam jede Hilfe zu spät. Die drei Schwerstverletzten wurden laut Angaben der Landesnotrufzentrale in die Krankenhäuser nach Bozen und Brixen eingeliefert. Viele der rund 20 Arbeiter, die sich ebenfalls auf dem Bauzug befunden hatten, erlitten leichte Verletzungen, konnten aber zum Teil an Ort und Stelle behandelt werden. Im Einsatz standen die Feuerwehren von Bozen, Vahrn und Brixen mit rund 50 Mann, das Weiße Kreuz, das Rote Kreuz und die Carabinieri.

Betroffenheit bei Landesregierung

Landeshauptmann Arno Kompatscher, Mobilitätslandesrat Florian Mussner und Zivilschutzlandesrat Arnold Schuler (alle SVP) sprachen den Betroffenen und ihren Angehörigen ihre Anteilnahme aus. "Unsere Gedanken sind bei den Opfern und bei deren Angehörigen, ihnen gilt unser Mitgefühl", so die drei Politiker unisono.

Nachdem die Rettungskräfte ihren Einsatz am Unfallort abgeschlossen haben, werde nun alles daran gesetzt, die Ursachen und den Unfallhergang zu klären. Das Mobilitätsressort sei dazu laufend in Kontakt mit den Bahngesellschaften, hieß es.