Chronik | Weltchronik
14.04.2018

Zehntausende Südafrikaner nahmen Abschied von Winnie Mandela

© Bild: APA/AFP/GULSHAN KHAN

Anti-Apartheid-Kämpferin wurde mit einem Staatsbegräbnis in Soweto geehrt.

In Südafrika haben am Samstag zehntausende Menschen von der Anti-Apartheid-Ikone Winnie Mandela Abschied genommen. Hunderte Südafrikaner säumten die Straßen, als ein schwarzer Leichenwagen die sterblichen Überreste der "Mutter der Nation" von ihrem Wohnhaus zum Fußballstadion in Soweto nahe Johannesburg brachte.

Dort wurde der mit der südafrikanischen Flagge geschmückte Sarg von rund 20.000 Trauergästen in Empfang genommen. Bis zu der Trauerzeremonie unter Vorsitz von Staatschef Cyril Ramaphosa galt in Südafrika eine zehntägige Staatstrauer. Die Ex-Frau des ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas, Nelson Mandela, war am 2. April im Alter von 81 Jahren gestorben. Am Freitag nahmen bereits tausende Menschen Abschied von Winnie Mandela.

 

© Bild: APA/AFP/GIANLUIGI GUERCIA

Winnie Mandela war eine der schillerndsten, aber auch umstrittensten Persönlichkeiten im Jahrzehnte währenden Kampf gegen die Rassentrennung in Südafrika. Die als Nomzamo Winifred Zanyiwe Madikizela geborene Sozialarbeiterin war 38 Jahre lang mit dem späteren Friedensnobelpreisträger verheiratet. Nelson Mandela verbrachte davon 27 Jahre im Gefängnis, bis er 1990 vor den Augen der Weltöffentlichkeit Hand in Hand mit Winnie in die Freiheit ging. Das Paar hatte sich jedoch während der Gefängniszeit entfremdet und trennte sich 1992.

Winnie Mandela hatte die zwei gemeinsamen Töchter während der Abwesenheit ihres Mannes allein großgezogen und den Kampf für ein Ende der Apartheid fortgeführt. Sie musste auch selbst immer wieder ins Gefängnis. Sie wurde gefoltert, durfte die Schwarzen vorbehaltene Siedlung Soweto nicht verlassen und wurde schließlich ins abgelegene Brandfort verbannt. Dennoch war ihre Stimme nie verstummt. Während des Soweto-Aufstands 1976 rief sie die Studenten auf, "bis zum bitteren Ende zu kämpfen."

 

© Bild: AFP/WIKUS DE WET

In den 80er-Jahren aber wurde Winnie Mandela wegen ihrer Radikalität zur Belastung für ihren Mann und die Anti-Apartheid-Bewegung. Sie umgab sich mit wegen ihrer Brutalität berüchtigten Leibwächtern, die mutmaßlichen Verrätern mit Benzin getränkte Reifen umlegten und anzündeten - zynisch als "Halsketten" bezeichnet.

1989 töteten ihre Leibwächter einen 14-Jährigen, den sie als Informanten verdächtigten. Winnie Mandela wurde 1991 im Zusammenhang mit dem Tod des Jungen wegen Entführung und Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt. Vor der vom früheren Erzbischof Desmond Tutu geleiteten Wahrheits- und Versöhnungskommission bestritt sie jedwede Mordbeteiligung.

Dennoch verbrachte sie 2013 die letzten Monate vor Nelson Mandelas Tod an seinem Sterbebett. In den vergangenen Jahren rückte sie zudem zunehmend in die Rolle einer Landesmutter und wurde zum Symbol des Kampfes gegen die einst alles Leben bestimmende Rassentrennung am Kap.

Seit Anfang des Jahres war Winnie Mandela wegen eines Nierenleidens immer wieder in einem Johannesburger Krankenhaus in Behandlung und starb dort am 2. April im Kreis ihrer Angehörigen.