Dagebüll (Schleswig-Holstein)

© APA/dpa/Carsten Rehder

"Xaver": Sturmflut hat Hamburg erreicht
12/06/2013

"Xaver": Sturmflut hat Hamburg erreicht

Der Jahrhundert-Orkan forderte sechs Tote. Flug- und Schiffsverkehr lahmgelegt – auch Flüge aus Österreich betroffen.

Der gefürchtete OrkanXaver“ erreichte den Norden Deutschlands mit noch größerer Wucht als erwartet. Die Sturmflut, die bis Donnerstag die Küstengebiete überschwemmte, war einen Meter höher als angenommen. Die beliebte Ferieninsel Sylt und andere Inseln waren von der Außenwelt abgeschnitten.

Laut Prognose sollte „Xaver“ etwa eineinhalb Tage lang toben – länger als „Christian“, der im Oktober Chaos angerichtet hatte. „Xaver“ gilt als einer der schwersten Stürme seit Jahrzehnten. Meteorologen rechneten mit Böen mit Spitzengeschwindigkeiten um 140 km/h.

Über weiten Teilen Nordeuropas wütete "Xaver" schon am Donnerstag. Dabei kamen nach ersten Angaben sechs Menschen ums Leben, zwei weitere werden vermisst. Auch in Österreich hat der Stur bereits ein Todesopfer gefordert (siehe unten).

Hamburg unter Wasser

Der Scheitel einer der schwersten Sturmfluten der vergangenen Jahrzehnte hat Hamburg am frühen Freitagmorgen erreicht. "Die Wasserstände fallen bereits wieder", sagte Thomas Butter von der Hamburger Innenbehörde. Die sehr schwere Sturmflut erreichte einen Wasserstand der Elbe von fast vier Metern über dem Mittleren Hochwasser (6,09 Meter über Normal Null).

Der Hamburger Hafen wurde in der Nacht zum Freitag geräumt und gesperrt. "Ab 2.30 Uhr durfte keiner mehr hereinfahren." Der bekannte Fischmarkt am Hafen und einige Straßen entlang der Elbe standen bereits unter Wasser. Einige Menschen, die im Hafen wohnen, verließen ihre Häuser: "Das betrifft aber nur eine Handvoll Leute." Die Hochwasserschutztore wurden geschlossen.

Land unter: Erinnerungen an 1962

People in a rowboat pass the flooded landmark fish

A pedestrian takes a photo of the flooded landmark

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Flüge gestrichen

Betroffen sind am Freitag auch zahlreiche Flüge von und nach Nordeuropa. Den österreichischen Reisenden wird empfohlen, sich auf der Website des Flughafen Wiens im Vorfeld zu informieren. Bereits ausgefallen sind Flüge nach Kopenhagen und Hamburg. Weitere Flüge werden verspätet geführt.

Dass der Himmel über Europa deswegen aber noch lange keine verkehrsberuhigte Zone ist, zeigt das Flugtracking auf flightradar24.com. Dieses erfasst ADS-B-Flugdaten der Flugzeuge in Echtzeit und zeigt deren derzeitige Position an. Durch einen Klick auf den jeweiligen Flieger werden Flugdetails angezeigt.

Bilder von der Küste

A car is driven to the ferry dock during a heavy s…

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Waves batter the North Sea coast in Dagebuell, nor…

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Orkan Xaver

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High winds and the sea batter the Antrim coast roa…

Mit Windstärke 11 fegte „Xaver“ über die Nordseeküste. In Schleswig-Holstein und Hamburg wurden die Schulen geschlossen – die Schüler bekamen sturmfrei. Am Freitag sollten auch in Mecklenburg-Vorpommern die Schulen geschlossen bleiben.

Sämtliche Rettungskräfte waren in Alarmbereitschaft. Große Schiffe durften den Hamburger Hafen nicht mehr anlaufen, denn es bestand die Gefahr, dass der Wind die Frachter ans Ufer oder gegen die Kaimauern drückt.

Welche Auswirkungen "Xaver" auf Schiffe hat, lesen Sie hier.

Nichts geht mehr

Der Fährverkehr zu den Nordseeinseln wurde eingestellt. Zahlreiche Züge fielen aus. Auf dem Flughafen Hamburg wurde der Betrieb eingestellt. Der Sturm wirkte sich auch auf den Betrieb an den Airports Köln/Bonn und Düsseldorf aus.

Die Behörden warnten die Menschen davor, sich im Freien aufzuhalten. In vielen Städten und Orten von Schleswig-Holstein bis Nordrhein-Westfalen wurden Weihnachtsmärkte vorsorglich abgesagt. Am Donnerstagnachmittag erreichte „XaverBerlin. Der Sturm richtete Schäden an Dächern an und entwurzelte Bäume. Auch in Berlin wurde die Schulpflicht aufgehoben.

Zunächst hatte „Xaver“ in Großbritannien für katastrophale Zustände gesorgt. Etwa 100.000 Haushalte in Schottland waren ohne Strom. Straßen und Brücken waren unpassierbar, der komplette Zugverkehr in Schottland wurde eingestellt. Ein Lkw-Fahrer starb, als der Sturm sein Fahrzeug erfasste und umwarf. In Mittelengland wurde ein Mann von einem Baum erschlagen. In Wales wurden weite Teileder Küste überflutet. Besonders betroffen war die Gemeinde Rhyl, wo Helfer viele Bewohner mit Schlauchbooten aus ihren überfluteten Häusern retten mussten. Im Nordosten Englands wurden Hunderte Häuser evakuiert.

InBelgienlockte der Sturm zahlreiche Surfer an die Küste. In Blankenberge waren Polizisten im Dauereinsatz, um Surfer und Orkan-Schaulustige von den Stränden zu verscheuchen. Auch in Belgien gab es Evakuierungen.

Wegen „Xaver“ wurde der Zugverkehr in Dänemark im ganzen Land eingestellt, eine 72-Jährige kam ums Leben. Auch in den Niederlanden fielen Züge aus. In Schweden stellten Fährunternehmen den Betrieb ein, Zugverbindungen waren ebenfalls betroffen. SturmXaver“ sorgt auch auf der Strecke des Hochgeschwindigkeitszuges zwischen Paris und Amsterdam für Verspätungen.

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Die Beaufort-Skala

Orkan "Xaver": Ein Toter nach Busunfall in Salzburg

Die Ausläufer des Orkans Xaver haben in der Nacht auf Freitag auch in Teilen Österreichs heftig gewütet. Bei einem schweren Verkehrsunfall in Maishofen im Salzburger Pinzgau ist Freitag früh ein Lkw-Lenker ums Leben gekommen. Laut einer Sprecherin der Polizei dürfte kurz vor 8.00 Uhr ein Reisebus von einer starken Windböe von Ausläufern des Orkans auf die Gegenfahrbahn gedrückt worden sein. Das Fahrzeug stieß dort frontal mit einem entgegenkommenden Lastwagen zusammen.

Ein zweiter Lkw konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und fuhr auf den ersten Lastwagen auf. Der bis auf den Lenker unbesetzte Reisebus kam vor der Straße ab, ein Lkw kippe über die Böschung und kam auf der Seite zu liegen. Bei dem Unfall zog sich ein Lkw-Lenker tödliche Verletzungen zu, ein Mann wurde schwer, einer leicht verletzt. Die Bundesstraße B311 musste für die Bergung der Fahrzeuge gesperrt werden.

Sturmschäden

Abseits davon sind im Landesfeuerwehrkommando Salzburg von Donnerstag auf Freitag gerade einmal fünf Einsätze verzeichnet worden, vier davon betrafen Bäume, die über Straßen gefallen waren. Auf den Bergen wurden Sturmböen mit bis zu 152 km/h verzeichnet.

Die heftigsten Sturmböen wurden in der Nacht mit genannten 152 Stundenkilometern auf dem Sonnblick gemessen. In den Niederungen betrug die höchste Spitze 81 km/h, registriert in Mattsee im Flachgau, schilderte Josef Haslhofer von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) Salzburg.

Der Flachgau war auch der Bezirk, aus dem hauptsächlich die Schadensmeldungen kamen. In Obertrum, St. Georgen, Nußdorf und Oberalm (Tennengau) waren Bäume auf die Fahrbahn gestürzt, in Nußdorf musste die Feuerwehr außerdem ein Fahrzeug bergen, sagte ein Sprecher des Landesfeuerwehrkommandos. Und in Hallwang war der Mast einer Stromleitung geknickt.

Laut Haslhofer ist die heftigste Phase des Sturms bereits vorbei. Im Flachgau seien aber auch bis in die kommende Nacht hinein Sturmspitzen mit bis zu 80 km/h möglich, morgen noch bis 70 Stundenkilometer, auf den Bergen sollten sie auch nicht mehr über 90 km/h erreichen.

Lawinengefahr in OÖ

Rund 600 Feuerwehrleute waren wegen "Xaver" auch in Oberösterreich im Einsatz. Sie hatten vor allem mit umgestürzten Bäumen und Plakatwänden zu tun. Hauptbetroffen waren die Bezirke Wels-Land, Linz-Land, Ried im Innkreis und Vöcklabruck. Es sei alles "im Rahmen geblieben", so das Landesfeuerwehrkommando. Verletzte gab es nach ersten Informationen nicht.

Für Freitag wurden stürmischer Wind aus West bis Nordwest mit Böen von bis zu 110 km/h sowie Schnee- und Graupelschauer prognostiziert. Die Lawinengefahr stufte der Warndienst des Landes Oberösterreich als erheblich ein. Es hätten sich frische störanfällige Triebschneeablagerungen gebildet, die im Tagesverlauf an Größe und Umfang zunehmen würden, so die Experten. Eine Auslösung von Schneebrettlawinen sei bereits bei geringer Zusatzbelastung möglich. Auch die Gefahr von Selbstauslösungen nehme zu.

Straßensperren in NÖ

Zu zahlreichen Einsätzen mussten auch die Feuerwehren in Niederösterreich ausrücken. Schäden wurden hingegen keine gemeldet. Jedoch seien Bäume umgestürzt und hätten Straßen blockiert, sagte Franz Resperger, Sprecher des Landeskommandos. Die Alarmbereitschaft bleibe aufrecht. Vor allem im nördlichen Waldviertel seien Böen mit 80 bis 90 km/h über das Land gezogen, so Resperger. Etwa 30 Bäume seien umgestürzt. Straßen seien vorübergehend gesperrt gewesen.

In Absdorf oder auch am Riederberg im Wienerwald (beides Bezirk Tulln) mussten die Einsatzkräfte abgebrochene Äste oder Bäume von den Straßen entfernen. Auch im Verkehr kam es zu Behinderungen: So mussten etwa die B5 bei Waidhofen an der Thaya sowie die B34 in Zitternberg (Bezirk Horn) vorübergehend gesperrt werden. Probleme meldet auch die ÖBB, etwa auf der Franz-Josefs-Bahn oder zwischen Amstetten und Ulmerfeld-Hausmening. Ursache waren meist Äste, die auf die Oberleitung fielen. Auch zwischen St. Valentin und Reifling sind momentan keine Fahrten möglich. Aktuelle ÖBB-Streckeninformation

In Wien fiel durch den starken Wind eine Scheibe des Einkaufszentrums La Stafa auf eine Haltestelle. Die Folge waren lang anhaltende Verkehrsbehinderungen. Mehr dazu unter Fensterscheibe fällt auf der "Mahü" herunter

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Wind mit zerstörerischer Kraft

Von einem Orkan sprechen Meteorologen, wenn der Wind mindestens zehn Minuten lang mit einer Geschwindigkeit von 118 Kilometern pro Stunde oder mehr weht. Auf der von dem britischen Admiral Sir Francis Beaufort (1774-1857) entwickelten Skala erreicht er die höchste Windstärke Zwölf.

Bei einem Orkan drohen schwere Verwüstungen. An Küsten wirbelt der Wind enorme Wassermassen auf, die in Brechern einen Druck von mehreren Tonnen pro Quadratmeter verursachen. Der zerstörerische Wind kann Dächer abdecken sowie Bäume und Strommasten knicken. Die meisten Verletzten und Todesopfer sind bei einem Orkan durch herabfallende Trümmer oder umherfliegende Gegenstände zu beklagen.

Im Herbst und Winter können Orkane über dem Nordatlantik entstehen und mit dem Westwind nach Europa ziehen. Wegen des noch warmen Wassers im Ozean steht der polaren Kaltluft nur wenig weiter südlich milde Meeresluft entgegen. Durch den Gegensatz der Temperaturen entstehen in der oberen Atmosphäre extrem starke Winde, die die Entstehung von Orkanen begünstigen.

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