© APA/dpa/Oliver Berg

Welt-Tabak-Bericht
07/07/2015

WHO: Hohe Tabak-Steuern eines der effektivsten Mittel gegen Rauchen

Ein Prozent Preiserhöhung über Inflation soll halbes Prozent weniger Zigarettenkonsum bringen.

Ohne Maßnahmen gegen den Tabakkonsum werden im Jahr 2030 bereits acht Millionen Menschen an den Folgen des Rauchens sterben. Davor hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Dienstag in ihrem neuen Welt-Tabak-Bericht gewarnt. Derzeit sterben jedes Jahr sechs Millionen Menschen durch Tabakkonsum, berichtete die WHO. Das sind mehr Tote als durch HIV/Aids, Malaria und Tuberkulose zusammen.

Steuern steuern

Obwohl in vielen Ländern weniger geraucht wird, steigt die Zahl der Raucher weltweit durch das Bevölkerungswachstum. Hohe Steuern auf Tabak könnten nach WHO-Angaben Menschenleben retten. Viel zu wenige Länder nutzten diese effektive Maßnahme, um das Rauchen einzudämmen. Weltweit erheben den Angaben zufolge nur 33 der 194 WHO-Länder so hohe Steuern auf Rauchwaren, dass das drei Viertel des Verkaufspreises ausmacht. Das ist die Höhe, welche die WHO für angemessen hält. "Die Steuern auf Tabakprodukte zu erhöhen, ist eine der wirkungsvollsten und wirtschaftlichsten Methoden, den Konsum von tödlichen Produkten einzudämmen und deutlich höhere Steuereinkünfte zu erzielen", teilte WHO-Direktorin Margaret Chan mit.

Die WHO zählt Rauchen zu den Risikofaktoren für weitverbreitete nicht ansteckende Krankheiten, darunter Krebserkrankungen, Herz- und Lungenleiden sowie Diabetes. Daran sterben nach WHO-Angaben 16 Millionen Menschen vorzeitig, das heißt, vor ihrem 70. Lebensjahr. 80 Prozent der weltweit rund eine Milliarde Raucher leben nach WHO-Angaben in Ländern mit niedrigen oder mittleren Einkommen, hieß es bei der Vorstellung des Berichtes in der philippinischen Hauptstadt Manila.

Rund 70 Prozent Steuern in Österreich

Im Grunde sind die Aussagen der WHO zu den Tabak- bzw. Zigarettenpreisen die Bestätigung alter wissenschaftlicher Daten aus Österreich. Der Wiener Sozialmediziner Michael Kunze hat bereits vor vielen Jahren den Zusammenhang zwischen Steuern auf Tabakprodukte und Zigarettenkonsum wissenschaftliche nachgewiesen. "Wir haben das bereits im Jahr 1984 belegen können", sagte der Experte am Dienstag gegenüber der APA. In Österreich beträgt der Anteil der Steuern am Preis von Zigaretten rund 70 Prozent.

"Das einzige, was junge Leute wirklich beeindruckt, ist der Preis. Preiserhöhungen für Zigaretten beschäftigen die Jugendlichen, weil sie beschränkte finanzielle Mittel haben. Es gilt weiterhin, dass eine Anhebung der Zigarettenpreise um ein Prozent über der Inflationsrate den Zigarettenkonsum generell um ein halbes Prozent senkt." Bei Jugendlichen sei der Effekt noch größer, betonte der Experte.

Rauchverbote in der Gastronomie

Regelmäßige Raucher in Österreich

Der lange Weg zum Rauchverbot in Österreichs Lokalen

Es wird ernst mit dem Nichtraucherschutz in Österreich in Lokalen. Am Mittwoch wird der Nationalrat das zukünftige Rauchverbot in der Gastronomie beschließen, das ab Mai 2018 dann endgültig Realität werden soll. In jüngster Vergangenheit ist in Österreich der Anteil der Raucher gesunken. Jährlich gibt es aber trotzdem rund 14.000 Todesopfer durch den Tabakkonsum.

Der Nichtraucherschutz in Österreichs Lokalen hat jahrelang für Debatten zwischen Politikern, Gastronomen und Ärzten gesorgt. Initiativen forderten immer wieder das generelle Rauchverbot: Mit der Einigung der Regierung wird dieses vermutlich im Mai 2018 endgültig Realität. Begonnen hat alles mit dem Beschluss der freiwilligen Selbstverpflichtung zur Errichtung von Nichtraucherzonen im Jahr 2004.

6. September 1992: Gesundheitsminister Michael Ausserwinkler (SPÖ) präsentiert in der ORF-"Pressestunde" mehrere Vorhaben gegen das Rauchen. In der Gastronomie sollen demnach Nichtraucherzonen geschaffen werden. Ausserwinkler stellt sich vor, dass zumindest ein Großteil der Betriebe in etwa fünf Jahren die Hälfte der Plätze Nichtrauchern zur Verfügung stellt.

12. August 2004: Die damalige Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP) und der Obmann der Gastronomiesparte in der Wirtschaftskammer, Helmut Hinterleitner, geben bekannt, dass eine freiwillige Selbstverpflichtung eingeführt wird. 30 Prozent der heimischen Speiselokale sollen bis Ende 2004 "rauchfreie Zonen" einrichten, bis Ende 2006 soll der Anteil auf 90 Prozent gesteigert werden.

18. April 2007: Das Gesundheitsministerium unter Ressortleiterin Andrea Kdolsky (ÖVP) kündigt an, dass es nach der Evaluierung der freiwilligen Selbstverpflichtung für die räumliche Trennung zwischen Rauchern und Nichtrauchern eine gesetzliche Regelung geben wird.

31. Oktober 2007: Das Vorhaben, mit 1. Jänner 2008 das Tabakgesetz zu verschärfen, scheitert. Es gibt keine Einigung zwischen ÖVP und SPÖ, Kdolsky verzichtet vorläufig auf ein Gesetz. Eine sechsmonatige Nachdenkpause wird vereinbart.

30. April 2008: Die Koalition unter Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) präsentiert im Ministerrat ihre Bestimmungen zum Nichtraucherschutz. Demnach soll ab 2009 ein grundsätzliches Rauchverbot in der Gastronomie gelten, unter bestimmten Voraussetzungen ist das Rauchen in abgeschlossenen Zimmern aber gestattet.

1. Jänner 2009: Mit dem Tabakgesetz tritt ein "grundsätzliches" Rauchverbot in Lokalen in Kraft. Ausnahmen gibt es allerdings für abgetrennte Raucherzimmer, kleine Gaststätten und Betriebe, die wegen der neuen Regelung einen Umbau durchführen. Wird das Verbot nicht eingehalten, drohen Wirten Pönalen, die bei mehreren Verstößen bis zu 10.000 Euro betragen können.

30. Jänner 2009: EU-Gesundheitskommissarin Androula Vassiliou kritisiert die österreichischen Nichtraucherschutzbestimmungen in der Gastronomie scharf als "nicht zufriedenstellend". Die Erfahrung zeige, dass Rauchergesetze mit vielen Ausnahmeregelungen nicht funktionieren würden.

30. Juni 2010: Die Übergangsfrist für Umbauarbeiten und Sondergenehmigungen ist zu Ende. Somit dürfen Gastronomen Tabakkonsum nur mehr dann erlauben, wenn sie über abgetrennte Raucherzimmer verfügen oder die gesamte Verabreichungsfläche nicht größer als 50 Quadratmeter ist.

13. Jänner 2015: SPÖ und ÖVP einigen sich im Ministerrat: Für ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie soll es vor dem Sommer einen Parlamentsbeschluss geben. Man werde nun "Step by Step" ein Gesetz entwickeln, erklärt Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ), die eine Realisierung bis spätestens 2018 anpeilte. Die Debatte um ein Rauchverbot wird durch den Tod des Journalisten Kurt Kuch infolge einer Lungenkrebserkrankung Anfang Jänner neu entfacht.

10. April 2015: Die Regierung einigt sich auf ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie ab Mai 2018. Gesundheitsministerin Oberhauser und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) präsentieren den entsprechenden Gesetzesentwurf, der noch am selben Tag in Begutachtung geht. Betriebe, die freiwillig bereits bis zum Juli 2016 auf rauchfrei umstellen, können als besonderen Anreiz eine "Prämie" in Höhe des Restbuchwerts erhalten.

Die Österreicher greifen an sich immer seltener zum Glimmstängel. In den vergangenen drei Jahren ist der Tabakkonsum um sieben Prozentpunkte zurückgegangen, weiterhin raucht jedoch ein gutes Viertel (26 Prozent) der Bevölkerung, wie aus einer vor kurzem veröffentlichten Befragung des EU-Statistikamts hervorging.

Österreich liegt damit im exakt im europäischen Durchschnitt von ebenfalls 26 Prozent Raucheranteil. Die Unterschiede zwischen den Staaten sind beträchtlich: So ist der Griff zum Glimmstängel in Griechenland (38 Prozent) und Bulgarien (35 Prozent) weiterhin überdurchschnittlich hoch, während die Schweden (11 Prozent) und Finnen (19 Prozent) dem blauen Dunst zunehmend den Rücken kehren. Mit dem Qualmen aufzuhören, ist ein Schritt, an dem bereits fast die Hälfte (46 Prozent) der österreichischen Raucher bereits einmal gescheitert sind, davon zehn Prozent in den vergangenen zwölf Monaten.

Laut wissenschaftlichen Studien wirkt sich ein Rauchverbot am schnellsten in der Gastronomie bei den akuten Herzkreislauf-Erkrankungen, zum Beispiel beim Herzinfarkt, aus. Bei der tödlichsten Raucherkrankheit, dem Lungenkarzinom, ist ein Effekt erst auf längere Sicht zu erwarten.

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