Archivbild: Aufnahme von Queen Elizabeth II. im Mai 2016.

© APA/AFP/POOL/ALASTAIR GRANT

Großbritannien
01/03/2017

Was passiert, wenn die Queen handlungsunfähig wird?

Politologin: Provisorischer Rat würde kurzfristig Aufgaben übernehmen, Commonwealth könnte sich auflösen.

Der Gesundheitszustand von Queen Elizabeth II. sorgt für internationales Interesse. Wenn die 90-jährige ihre Pflichten aus gesundheitlichen Gründen nicht erfüllen könnte, würde ein provisorischer Rat aus Mitgliedern der Königsfamilie ihre Aufgaben übernehmen, erklärte die Politologin Melanie Sully am Dienstag gegenüber der APA. Trotz Kritik am Königshaus sieht Sully die Monarchie nicht in Gefahr.

Die Bildung eines Rats sei die kurzfristige Lösung, für den Fall, dass die britische Königin später wieder arbeitsfähig wird. Diese Übergangslösung sei kein Abdanken, sondern ein Verzicht auf die Regentschaft. Mitglieder des Rates wären Ehemann Prinz Philip (94) und die vier nächsten Volljährigen in der Thronfolge, Prinz Charles (68), Prinz William (34), Prinz Harry (32) und Prinz Andrew (56).

Rat würde alle Befugnisse der Queen übernehmen

Der Rat könnte mehrheitsfähig Entscheidungen treffen und, mit Ausnahme der Nachfolgefrage und Vergabe von Adelstiteln, alle Befugnisse der Queen übernehmen. Er würde sie in ihrer Funktion als Staatsoberhaupt, als Kopf des Commonwealth, als Oberbefehlshaberin und als Teil der Legislative ablösen.

Als längerfristige Lösung würde ein Reichsverweser (Regent) zum Zug kommen. Im Falle einer Regentschaft wird die nachfolgende geeignete Person in der Thronfolge, in diesem Fall Prinz Charles, automatisch zum Regenten. Solange der Monarch lebt, gebe es aber keine Krönung. Diese Regelung gelte aber nur innerhalb des Vereinigten Königreichs.

Krönung Prinz Williams nicht ausgeschlossen

Sollte die Queen sterben, werde in erster Linie Sohn Prinz Charles die Nachfolge antreten, erklärte Sully. Bis zu seiner Krönung könnten dann Monate bis Jahre vergehen. Die Krönung von Prinz William, die bereits wiederholt in den Medien diskutiert wurde, sei dabei nicht ausgeschlossen, so die Politologin. Für einen König William würden sein junges Alter und Beliebtheit sprechen, gegen ihn, dass er, wie Zeitungen kritisieren, seine Pflichten nicht ernst nimmt und seiner Familie den Vorzug gibt.

Damit William als Nachfolger infrage käme, müssten die Gesetze zur Nachfolge geändert und durch die Parlamente jener Commonwealth-Staaten bestätigt werden, in denen die Queen auch Staatsoberhaupt ist. Auch eine Auflösung des Commonwealth sei denkbar. Sully weist dabei auf republikanische Bestrebungen wie etwa Australiens hin, eines der 16 Länder, in denen der britische Monarch auch an der Staatsspitze steht. Medienberichten zufolge ist die Queen vielerorts der Grund, warum der Staatenbund, der heute nur noch symbolisches Gewicht hat, noch nicht aufgelöst wurde.

"Die Queen steht für Stabilität in dieser Phase, in der das Land durch den Brexit sehr gespalten ist"

"Die Queen steht für Stabilität in dieser Phase, in der das Land durch den Brexit sehr gespalten ist", betonte Sully. Nach Einschätzung der Politologin wird die Monarchie aber auch von vielen infrage gestellt. Kritisiert werden etwa die Renovierungspläne des Buckingham Palace, für die die Steuerzahler zur Kassa gebeten werden. Dennoch sieht Sully die Monarchie nicht in Gefahr. Die Mitglieder des Königshauses seien - so sagt sie - Überlebenskünstler und würden auf kritische Phasen mit Reformen reagieren, um ihr Bestehen zu sichern.

Briten über erkältete Queen besorgt

Ist die Queen krank, zittert das Vereinigte Königreich: Elizabeth II. herrscht schon so lange über die Briten, dass sie sich ein Leben ohne sie kaum vorstellen können. Vielleicht auch deshalb wollen viele den Gedanken an eine ernste Erkrankung gar nicht erst aufkommen lassen.

Die Nachricht kam per Eilmeldung: Elizabeth II. kommt aus gesundheitlichen Gründen nicht zum Neujahrsgottesdienst. Die Queen habe eine schwere Erkältung und sei "noch dabei, sich zu erholen", teilte der Buckingham Palast mit. Es war der zweite wichtige Kirchgang, den die Königin um den Jahreswechsel absagte. Bereits am ersten Weihnachtsfeiertag hatten die Royals den Gottesdienst in der St. Mary Magdalene-Kirche auf dem Landsitz Sandringham ohne die Queen besucht.

Neben dem Terroranschlag in Istanbul bestimmte die Erkältung der Queen die Schlagzeilen in Großbritannien in den ersten Tagen des neuen Jahres. Kein Wunder, schließlich ist die britische Königin inzwischen 90 Jahre alt und hat seit fast 30 Jahren keinen Gottesdienst zu Weihnachten oder Neujahr mehr verpasst. Ohne triftigen Grund wäre sie nicht Zuhause geblieben, glauben Experten. Die Queen ist Oberhaupt der anglikanischen Kirche in England und gilt als sehr gläubig.

Doch bei aller Aufregung scheinen sich die Briten gleichzeitig nicht allzu viele Sorgen zu machen. Denn die Queen gilt auch als zäh und allein der Gedanke, sie könne ernsthaft krank sein, gleicht einem Sakrileg. Hört man sich in der britischen Hauptstadt um, ist vor allem Optimismus zu spüren. "Es sieht so aus, als würde sie das wegstecken", sagt etwa der 81-jährige Earnest Kirk, der zum Vögelfüttern in den St. James's Park nahe des Buckingham Palasts gekommen ist. Der bekennende Royalist ist "besorgt, aber nicht beunruhigt", wie er sagt. "Wir haben doch alle einmal eine Erkältung, und die Queen hat die besten Ärzte um sich."

Auch die 68-jährige Joy Puritz, die mit Freundinnen nahe der königlichen Residenz spazieren geht, glaubt, dass die Queen bald schon wieder gesund sein wird. "Das ist ein hartnäckiger Virus, der gerade die Runde macht", sagt sie. Aber die Königin sei doch schon wieder auf den Beinen. "Ich glaube, sie war nur nicht in der Kirche, weil es nicht besonders majestätisch wirkt, wenn man dort die ganze Zeit husten muss." Natürlich wolle man den Gedanken, die Queen könne ernsthaft krank sein, nicht gerne an sich heranlassen, schaltet sich eine Freundin ein. Gerade in unsicheren Zeiten des Brexit sehne man sich nach dem Gefühl von Stabilität. "Ich will, dass sie so lange bei uns bleibt wie möglich", sagt sie.

Der Palast bemühte sich, die Sorgen um den Gesundheitszustand der Queen zu zerstreuen. Die Königin lese schon wieder Regierungsdokumente, sagte eine Sprecherin. "Es geht ihr gut." Die Tochter der Queen, Prinzessin Anne, ließ wissen, ihre Mutter sei auf dem Weg der Besserung. Und der 95-jährige Prinz Philip strahlte demonstrativ in die Kameras, als er im strömenden Regen zur Kirche unterwegs war.

Den rüstigen Prinzgemahl hatte es auch kurzfristig erwischt, er hat sich aber schnell wieder erholt. Das Paar hatte deshalb seinen Aufenthalt auf dem Landsitz Sandringham erst mit einem Tag Verspätung angetreten und reiste statt mit dem Zug im Hubschrauber in die knapp 200 Kilometer von London entfernte Grafschaft Norfolk.

Insgesamt war die Queen der BBC zufolge seit knapp zwei Wochen nicht mehr in der Öffentlichkeit zu sehen. Die Spekulationen werden wohl erst ein Ende haben, wenn sie sich wieder zeigt. Gelegenheit dazu gibt es genug: Obwohl der Palast vor kurzem ankündigte, die Queen wolle etwas kürzertreten, ist sie weiterhin Schirmherrin von rund 600 Organisationen.

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