Chronik | Welt
03.08.2017

Wachsender Widerstand gegen Touristen in Spanien

Proteste.Touristiker fürchten Gästerückgang.

Sie kommen in Heerscharen, urinieren und kopulieren in der Öffentlichkeit, prügeln sich im Alkoholrausch und leben zu spottbilligen Preisen in Mehrfamilienhäusern. Einige der Touristen in Spanien sorgen immer mehr für Unmut in der Bevölkerung, der Protest gegen sie wird immer gewalttätiger.

Vor einer Woche stoppten vermummte Mitglieder der linken Organisation Arran einen Touristenbus in Barcelona, stachen dessen Reifen auf und sprühten "Der Tourismus tötet die Stadtviertel" auf die Windschutzscheibe. Doch nicht nur aus der linken Szene wird der Widerstand gegen den Massen- und Sauftourismus stärker, auch bürgerliche Initiativen haben diese Art des Tourismus satt. Vergangenen Samstag sperrte die Bürgerbewegung "Die Stadt für die Bewohner" symbolisch das Tourismusministerium auf Mallorca, indem sie einen Zettel mit der Aufschrift "geschlossen" auf die Eingangstüre klebte.

Hauptgrund für die Proteste ist die Vermietung von Mehrfamilienhäusern durch Unternehmen wie Airbnb. Dadurch steigen die Immobilienpreise in den Tourismusregionen rasant an, für Einheimische gebe es dadurch zu wenige, aber dafür teure Mietwohnungen.

"Der Abschaum, der uns geschickt wird, ist nicht angenehm", empörte sich der Bürgermeister von Palma de Mallorca, Antoni Noguera, bevor er sich zu einem Krisengespräch mit der deutschen Konsulin traf.

Wirtschaftsfaktor

Der große Touristenandrang bringt freilich auch Vorteile für das Land: Im ersten Halbjahr 2017 kamen 36,3 Millionen Gäste nach Spanien – so viele wie nie zuvor. Die Touristenunterkünfte sind beinahe ausgebucht, dadurch entstehen neue Jobs. Im krisengebeutelten Spanien ist die Arbeitslosenquote auf den niedrigsten Stand seit neun Jahren gefallen. Und das hauptsächlich durch den Tourismusboom.

In den spanischen Medien wird das Thema derzeit heiß diskutiert. Die Proteste sorgen bei Tourismusbüros für Unmut, da sie Urlauber von einem Spanienbesuch abhalten könnten. Barcelonas Bürgermeisterin verkündete gar schon einen Baustopp für Hotels in der Stadt.