Chronik | Welt
26.07.2017

Verurteilung wegen Polygamie

Zwei mormonische Ex-Bischöfe hatten zusammen 29 Frauen und rund 145 Kinder.

"Ich bin schuldig, meine Religion auszuleben." Dsa war alles, was Winston Blackmore nach seiner Verurteilung wegen Polygamie durch ein kanadisches Gericht vor anwesenden Reportern sagen wollte. Der 60-Jährige, ein ehemaliger Anführer einer radikal-mormonischen Glaubensgemeinschaft, soll mit 24 Frauen gleichzeitig verheiratet gewesen sein. Er ist Vater von mindestens 145 Kindern. Mit ihm verurteilt wurde sein Nachfolger, der 53-jährige James Oler. Dieser soll fünf Ehen parallel führen, wie viele Kinder er gezeugt hat, ist unklar. Winston habe nur getan, was Gott ihm aufgetragen hätte, sagte eine von Blackmores Ex-Frauen vor dem kanadischen Gericht.

27 Jahre Prozess

Die beiden Verurteilten sind ehemalige Bischöfe der Fundamentalistischen Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (FLDS). Die Glaubensgemeinschaft, angesiedelt in Bountiful in British Columbia, hatte sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von der größten Mormonenkirche abgespalten – und steht seither öffentlich für Polygamie ein. Die Kirche hält es für notwendig, dass Frauen sich den Männern unterordnen.

Nur so könnten sie selbst zu Göttern werden – je mehr Frauen sie haben, desto größer ihre Chancen.

Bereits in den 1990er-Jahren begannen die Behörden wegen Vielehe und Missbrauchsvorwürfen gegen die Sekte zu ermitteln. Letztlich hatten Unklarheiten im Polygamie-Gesetz stets dazu geführt, dass alle Anklagen gegen Blackmore ins Leere liefen. Die Vielehe ist in Kanada zwar gesetzlich verboten, es gab jedoch Bedenken, ob das Gesetz die verfassungsrechtlich verankerte Religionsfreiheit verletzen würde. 2011 entschied das British Columbia Supreme Court, dass die potenziellen Schäden durch Polygamie – sie ist oft verbunden mit Missbrauch und Kinderehen – eine Einschränkung der Religionsfreiheit rechtfertigen.

Blackmore und Oler drohen bis zu fünf Jahre Haft, ein endgültiges Strafmaß hat die Richterin noch nicht ausgesprochen.

Auch für Blackmores Anwalt, Blair Suffredine, ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Ehe für alle

Laut der kanadischen Zeitung Toronto Star hat Suffredine angekündigt, eine Verfassungsklage gegen das Polygamie-Gesetz einzureichen – ganz im Sinne von Blackmore. "Vor 27 Jahren, als unser Prozess begann, war die gleichgeschlechtliche Ehe kriminell", sagt Blackmore. All diese Menschen hätten erfolgreich Verfassungsklagen eingebracht, und er hoffe, dass auch seine Klage eine Änderung für polygam Lebende bedeuten wird.

Die Verurteilung ist nicht die erste in der rund 1500 Personen umfassenden Kommune. Warren Jeffs, der als Prophet der FLDS gilt, wurde 2011 wegen Vergewaltigung Minderjähriger zu lebenslanger Haft verurteilt. Jeffs war mit 71 Frauen verheiratet, jede dritte war bei der Hochzeit jünger als 17 Jahre. Aktuell leitet sein Bruder Lyle die Sekte.