Chronik | Welt
11.03.2013

Angeklagter beging in Zelle Selbstmord

Einer der Männer, die eine Inderin so brutal vergewaltigten, dass sie starb, ist tot aufgefunden worden.

Der Hauptangeklagte im Fall der tödlichen Vergewaltigung einer Inderin soll in seiner Gefängniszelle Selbstmord begangen haben. Der 35-Jährige habe sich erhängt, sagte ein Vertreter des Tihar-Gefängnisses in Neu Delhi, Sunil Gupta, am Montag.

Der Anwalt bestätigte den Tod seines Mandanten und erhob schwere Vorwürfe gegen die Behörden: "Was soll das heißen, er hat sich umgebracht? Er wurde im Gefängnis getötet". Es handle sich um eine "Mordsache", so der Anwalt. Die Familie der 23-jährigen Frau, die von sechs Tätern vergewaltigt und schwer misshandelt worden war, warf den Behörden nachlässige Sicherheitskontrollen vor.

Der Hauptverdächtige habe sich aus seiner Kleidung einen Strang gedreht, sagten die Behörden. Der Mann hatte in dem Hochsicherheitsgefängnis in einer Einzelzelle gesessen. Es seien Ermittlungen zu dem Selbstmord eingeleitet worden, bei denen auch mögliche Sicherheitslücken geklärt werden sollten.

Kritik

Der Vater der Medizinstudentin, die im Dezember im Beisein ihres Freundes so brutal vergewaltigt worden war, dass sie wenige Tage später starb, kritisierte die Behörden. "Wie konnten sie ihn die Art wählen lassen, auf die er sterben wollte?", sagte er AFP. Die Polizei habe versagt und er frage sich, wie es mit dem Verfahren weitergehen werde. Die Mutter der Toten zeigte sich ebenfalls schockiert. Sie habe Gerechtigkeit für ihre Tochter gewollt, aber nun sei der Hauptangeklagte tot, sagte sie.

Ein ranghoher Polizeibeamter versicherte, dass der Selbstmord keinen Einfluss auf das Gerichtsverfahren haben werde. Dieses werde fortgeführt, sagte er. Ein weiterer Polizeivertreter sagte, die Leiche des Gefangenen sei in ein Krankenhaus gebracht worden. Dort hätten Ärzte noch versucht, den Mann wiederzubeleben, dies sei aber vergeblich gewesen.

Der Hauptangeklagte soll den Bus gefahren haben, in dem das Verbrechen begangen wurde. Wegen des Falls, der weit über Indien hinaus Entsetzen ausgelöst hatte, sind nun noch vier Männer unter anderem wegen Mordes angeklagt, darunter ein Bruder des Toten. Ihnen droht die Todesstrafe. Ein 17-Jähriger steht vor einem Jugendgericht.