Franziskus betrachtet die Schweizer Garde als nicht zeitgemäß.

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Vatikan
12/19/2014

Papst Franziskus stellt Schweizergarde in Frage

Die kleinste Armee der Welt steckt in einer tiefen Krise. Der Pontifex könnte sie abschaffen.

von Susanne Bobek

Als Papst Franziskus kürzlich die Kantine der Schweizergarde besuchte und übermüdete junge Gardisten fragte, ob sie sich nicht setzen und etwas essen und trinken wollten, bekam er zur Antwort, das sei ihnen untersagt.

Franziskus handelte sofort und feuerte den Kommandanten Daniel Anrig. Der Vatikan formulierte es natürlich höflicher und verlautbarte, der Papst habe dem Wunsch des Gardekommandanten Anrig entsprochen und ihn zum Jahresende freigestellt. In seinem "Tagesbefehl zum 2. Dezember 14" informierte der vielgehasste Schweizer seine Truppe: Er "nehme vom Wunsch des Heiligen Vaters Franziskus Kenntnis, dass er eine Erneuerung an der Spitze des Korps wünsche".

Während die 110 Mann starke Garde in ihren malerischen Uniformen alle Zugänge zur Vatikanstadt bewacht, aber intern in regelmäßigen Abständen für Skandale sorgt, hat sich die Gendarmeria Vaticana, also die Papst-Polizei, die Gunst des Papstes gesichert. Die 150 Gendarmen dürfen lachen und scherzen, wenn sie den Verkehr regeln oder die Taschen der Besucher kontrollieren. Dabei sind sie höchst professionell vom FBI ausgebildet worden. Ihr Chef Domenico Giani ist weniger abgehoben als der Schweizer Daniel Anrig, der sich in der Vatikanstadt eine 380-Quadratmeter-Wohnung ausbauen ließ – mit acht Zimmern, vier Bädern und einem herrschaftlichen Salon. Schließlich habe er eine Frau und vier Kinder, erklärte er sich. Worauf Franziskus vorgeschlagen haben soll, dass dieses Privileg der Ehe auch den einfachen Gardisten zugestanden werden sollte. Anrig soll erwidert haben, dafür gebe es zu wenig Wohnraum.

Franziskus will angeblich eine völlig neue Garde, die zu seinem Bild der Kirche passt: menschlich, freundlich, verzeihend statt strafend.

Castell Gandolfo öffnen

Franziskus will auch mit einer anderen päpstlichen Tradition brechen und die Sommerresidenz der Päpste, Castel Gandolfo und seine Gärten Besuchern zugänglich machen. Als erster Papst verzichtet er auf die Nutzung der Villa, sie soll auch ein Museum bekommen.

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