Papst Franziskus: Beliebt bei den Gläubigen

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Vatikan
03/13/2014

Ein Jahr Papst Franziskus

Jorge Maria Bergoglio wälzt Kirche und Kurie um - und macht sich durch Bescheidenheit und Bodenständigkeit beliebt.

Als Papst Benedikt XVI. 2013 überraschend seinen Rücktritt als Kirchenoberhaupt erklärt, war das eine Sensation. Sein Nachfolger Papst Franziskus aber ist mindestens ebenso imposant: Seine Amtszeit als Pontifex könnte in der Zukunft als Zeitenwende in der katholischen Kirche angesehen werden.

Am 13. März jährt sich sein Amtsantritt zum ersten Mal. An den ersten Lateinamerikaner auf dem Stuhl Petri knüpfen sich viele Reformhoffnungen. Vor allem Initiativen für mehr Transparenz in Kurie prägten das erste Amtsjahr. Die Ernennung eines Kardinalsdirektoriums, das ihn seit Oktober nicht nur bei der Regierung der Weltkirche unterstützen, sondern auch bei einem Plan zur Reform der "Pastor Bonus", der Verfassung der römischen Kurie, mitwirken soll, gilt im Vatikan als Signal eines tiefen Erneuerungswillens. Acht Kardinäle aus fünf Kontinenten hat Franziskus dazu berufen, Reformvorschläge für die Kurie auszuarbeiten und ihn bei der Leitung der Weltkirche zu beraten. Koordinator der Kommission ("C-8") ist der Lateinamerikaner Oscar Andres Rodriguez Maradiaga.

Jorge Mario Bergoglio hat sich in diesen Monaten auch stark für Reformen in der verrufenen Vatikanbank IOR eingesetzt. Das Geldhaus mit einem Vermögen von sechs Milliarden Euro hat im vergangenen Jahr erstmals im Internet seine Bilanzen veröffentlicht - eine wahre Revolution für die wegen ihrer Verschwiegenheit legendäre Bank. US-Experten haben zudem alle 18.900 Kundenbeziehungen der Bank durchleuchtet.

Trotz der epochalen Änderungen, die sich seit dem Einsatz des neuen Präsidenten Ernst von Freyberg vor einem Jahr beim IOR vollzogen haben, hat die Revolution in der Vatikanbank gerade erst begonnen. Eine von Papst Franziskus beauftragte Sonderkommission soll auch Vorschläge zur Reform des Geldhauses vorlegen. Zur Aufsicht über die Vatikanbank, über deren Zukunft derzeit im Vatikan intensiv beraten wird, wurde der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn Mitte Jänner vom Papst in die fünfköpfige Kardinalskommission berufen.

Größere Einbindung aller

In seiner einjährigen Amtszeit hat der Papst auch wichtigePersonalentscheidungen getroffen. So ersetzte er den seit 2006 amtierenden vatikanischen Staatssekretär, Kardinal Tarcisio Bertone, der nach mehreren Skandalen unter Beschuss geraten war, durch Erzbischof Pietro Parolin (58), dessen Ernennung aufgrund seines jugendlichen Alters etwas überraschend kam. Der Italiener zählt zu den profiliertesten Diplomaten des Heiligen Stuhls. Als Vizeaußenminister hatte er zwischen 2002 und 2009 maßgeblich die Politik des Heiligen Stuhls mitgeprägt.

Außerdem hat sich Franziskus im Vatikan um eine stärkere Vertretung von Kardinälen bemüht, die wie er selber vom "Ende der Welt" kommen. Die 19 neuen Kardinäle, die der Pontifex bei dem Konsistorium am 22. Februar kreiert hat, stammen aus 15 verschiedenen Ländern, von Haiti bis Nicaragua, von den Philippinen bis zur Cote d'Ivoire (Elfenbeinküste). Das Gewicht der Kirche verschiebt sich mit Franziskus immer mehr in Richtung Süden der Welt. Franziskus' Kirche wird immer weniger europazentriert sein. Die Botschaft des Papstes ist eindeutig: Schluss mit Theologen, Bürokraten und Karrieristen. Franziskus bevorzugt Hirten, Geistliche, die nicht auf Form, sondern auf Substanz achten.

Familien-Realität

Dass die Seelsorge für ihn absolute Priorität hat, zeigte Franziskus auch mit dem im vergangenen Jahr verschickten "Familien-Fragebogen", in dem sich die Gläubigen weltweit zum Umgang mit strittigen Familienthemen (wiederverheiratete Geschiedene, homosexuelle Paare) äußern sollten. In Österreich gingen bis Jänner 30.000 Antworten ein. Auch gegenüber der Einbindung Homosexueller schlägt der Papst neue Töne an: Wer sei er, diese zu verurteilen - fragte Franziskus einen Journalisten. Auch will das Kirchenoberhaupt mehr Aufgaben für Laien, Frauen und junge Menschen.

Positiv kam der Papst mit seinen beiden ersten Bischofsernennungen in Österreich an - Benno Elbs wurde neuer Bischof der Diözese Feldkirch, der bisherige Grazer Weihbischof Franz Lackner zum Salzburger Erzbischof. Sorgen bereitete dem neuen Papst ein deutscher Bischof, und zwar jener von Limburg. Nach Enthüllungen über den millionenschweren Ausbau seiner Bischofsresidenz verordnete Franziskus dem Oberhirten von Limburg, Franz-Peter Tebartz-van Elst, im Oktober eine Auszeit, und setzte sich damit gegen dessen konservative Fürsprecher im Vatikan durch.

20 Fakten über Papst Franziskus:

VATICAN NEW POPE ELECTED

In this undated photo courtesy of Sergio Rubin, Ma…

Cristina Fernandez, Jorge Bergoglio

Pope Francis speaks from the central balcony of St…

Jorge Bergoglio

Handout photo of Argentine Cardinal Jorge Bergogli

A handout photo of the membership card of Argentin

File photo shows Argentine Cardinal Jorge Mario Be

Jorge Mario Bergoglio

Jorge Mario Bergoglio

Pope Francis blesses the crowd from the central ba…

Jorge Mario Bergoglio, Pope Francis

Newly elected Pope Francis I, Cardinal Jorge Mario

VATICAN NEW POPE ELECTED

Marc Ouellet, Jorge Mario Bergoglio

Marc Ouellet, Jorge Mario Bergoglio

Newly elected Pope Francis appears on the central

Undated handout photo of Argentine Cardinal Bergog

Undated handout photo of Argentine Cardinal Bergog

A worshiper holds up the front page of a magazine …

Pope Francis speaks from the central balcony of St…

VATICAN NEW POPE ELECTED

Der bodenständige Papst

Vor allem aber der persönliche Stil des neuen Papstes hat bereits zu einer Erneuerung geführt: Durch Bescheidenheit und Menschennähe unterscheidet sich Franziskus von seinen Vorgängern erheblich. Er bewegt die Massen und findet in seinen Ansprachen immer den richtigen Ton. Gläubige und Besucher strömen in Massen zu seinen Audienzen und Gottesdiensten auf dem Petersplatz. Der Tourismus in Rom erlebt dank des Franziskus-Effekts Hochkonjunktur. Seine häufigen Fußwege beunruhigen die Sicherheitsleute, begeistern aber seine Anhänger. Der bekennende Fußballfan hat die Herzen im Sturm erobert. Der Papst kommuniziert auf Twitter, hat eine eigene App, ein Facebook-Auftritt ist geplant.

In seinem Bestreben nach einem offenen menschlichen Dialog beeindruckt Franziskus mit seiner Einfachheit. Ein Jahr seit seinem Amtsantritt wohnt er immer noch gemeinsam mit 50 Kurienprälaten im Gästehaus Santa Marta; offenbar meidet er die Isolierung im Apostolischen Palast. Im Gegensatz zu den Befürchtungen einiger Vatikan-Experten, die "Rivalitäten" mit seinem Vorgänger Benedikt XVI. vorausgesagt hatten, hat Franziskus stets einen sehr freundschaftlichen Kontakt zum emeritierten Papst gepflegt, der zurückgezogen in einem Frauenkloster im Vatikan lebt. Herzlich und bewegend waren bisher die Begegnungen zwischen den beiden Päpsten.
Franziskus' Treffen mit Kranken und Behinderten, das gemeinsame Mittagessen mit den Armen und Obdachlosen, die fürsorgliche Ansprache vor den Priestern und Ordensleuten bezeugen seine tiefe Menschlichkeit. Der argentinische Pontifex fällt auch immer wieder durch seine besondere Volksnähe auf. Wie ein einfacher Priester greift er gern zum Telefonhörer und sorgt mit seinen spontanen Anrufen bei Gläubigen für Aufsehen. Der Argentinier ruft gelegentlich Freunde an - ob gläubig oder nicht - oder auch Journalisten und erkundigt sich nach kranken Angehörigen, Prüfungsergebnissen oder Geburtstagen. Schon öfters telefonierte er mit der Familie eines in Italien ermordeten Tankwarts und spendete Trost und ermutigende Worte. Im September rief er einen an Muskeldystrophie leidenden Teenager aus Pinerolo in der norditalienischen Region Piemont an.

Bergoglios Fürsorge und Offenheit für Kranke und leidende Menschen rührt die Gläubigen immer wieder. Für Aufregung sorgten die Bilder des Papstes, der bei einer Generalaudienz das mit Beulen und Wunden bedeckte Gesicht und die Hände eines Schwerkranken streichelte und seinen Kopf küsste. Gläubige, die die Szene beobachteten, brachen in Tränen aus.

Prinzipientreu

Strikt bleibt der Papst aber bei seinen Grundsätzen. Als Jesuit kritisierte er immer wieder die Bürokratie im Vatikan oder auch die Gier der Menschen - etwa in Anspielung auf die Wirtschaftskrise. Franziskus ist gegen eine Idealisierung seiner Person, wie er in einem Interview mit dem Corriere della Sera anlässlich des ersten Jahrestages sagte. "Sigmund Freud sagte, wenn ich mich nicht täusche, dass hinter jeder Idealisierung eine Aggression steckt. Den Papst wie eine Art von Superman, eine Art von Star darzustellen, scheint mir beleidigend. Ein Papst ist ein Mensch, der lacht, weint, ruhig schläft und wie jeder andere Freunde hat, eine normale Person", erklärte Franziskus.

Habemus Papam: Jorge Maria Bergoglio

Die erste Papstrede

Die Wahl von Jorge Mario Bergoglio zum Papst jährt sich zum ersten Mal. Mit seiner unkonventionellen Rede am Abend des 13. März 2013 von der Loggia des Petersdoms eroberte Papst Franziskus die Herzen vieler Gläubigen. Eine Dokumentation seiner ersten Ansprache als Papst:

"Brüder und Schwestern, Guten Abend. Ihr wisst, dass das Konklave die Pflicht hatte, Rom einen Bischof zu geben. Es scheint so, als ob meine Kardinalsbrüder fast bis zum Ende der Welt gehen mussten, aber wir sind nun hier. Ich danke euch für den Empfang. Die diözesane Gemeinschaft von Rom mit seinem Bischof. Danke.

Zuerst möchte ich für unseren emeritieren Bischof Benedikt XVI. beten. Beten wir alle gemeinsam für ihn, damit der Herr ihn segne und die Muttergottes ihn behüte.

Vater unser

Gegrüßt seist du Maria

Ehre sei dem Vater

Und nun beginnen wir diesen Weg, Bischof und Volk, dieser Weg der Kirche Roms, der jener ist, der in der Barmherzigkeit allen Kirchen vorsteht, ein Weg der Brüderlichkeit der Liebe, des Vertrauens zwischen uns, beten wir immer für uns, für uns gegenseitig. Beten wir für die gesamte Welt, damit es eine große Brüderlichkeit geben wird.

Ich wünsche euch, dass dieser Weg der Kirche, den wir heute beginnen und mir durch die Hilfe meines Kardinalvikars, der neben mir steht, fruchtbar sein wird für die Evangelisierung dieser so schönen Stadt.

Und nun möchte ich den Segen erteilen, doch zuerst bitte ich euch um einen Gefallen. Bevor der Bischof das Volk segnet, bitte ich darum, dass ihr den Herrn bittet, damit ich gesegnet werde. Das Gebet des Volkes, das den Segen für seinen Bischof erbittet. Führen wir dieses euer Gebet für mich Stille durch. (...) Und nun werde ich euch und der ganzen Welt den Segen erteilen, das gilt auch allen Männern und Frauen guten Willens. (...)

Brüder und Schwestern, ich verlasse euch. Danke für den Empfang. Betet für mich und bis bald. Wir werden uns bald wiedersehen. Morgen möchte ich bei der Muttergottes beten gehen, damit sie ganz Rom behüte.

Gute Nacht und gute Erholung."

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