Chronik | Welt
26.01.2015

USA: Notstand wegen Wintersturms

Fahrverbote und Einsatz von Nationalgarde wegen Blizzard "Juno" in einigen Bundesstaaten.

Angesichts eines Blizzards von möglicherweise historischem Ausmaß haben mehrere Bundesstaaten im Nordosten der USA den Notstand ausgerufen. In New York versetzte Gouverneur Andrew Cuomo die Nationalgarde am Montag in Einsatzbereitschaft und rief die Bevölkerung auf, ihre Häuser ab dem Abend nicht mehr zu verlassen.

"Es könnte eine Frage von Leben und Tod sein, und das ist nicht übertrieben dramatisch", sagte Cuomo auf einer Pressekonferenz. Der Gouverneur von Connecticut, Dan Malloy, erließ für seinen Bundesstaat ein Fahrverbot.

Rund ein Meter Neuschnee erwartet

Seit Montagfrüh fielen die Schneeflocken im US-Nordosten, die volle Wucht des Wintersturms "Juno" soll den Landstrich dann in der Nacht zum Dienstag treffen. Die Blizzard-Warnung des Nationalen Wetterdienstes der USA galt entlang der Ostküste von New Jersey bis hoch an die kanadische Grenze im Bundesstaat Maine. Die Ausläufer des Sturms sollen noch südlich der Hauptstadt Washington und bis nach Ohio im Mittleren Westen spürbar sein. Das Unwetter könnte Schätzungen zufolge mehr als 50 Millionen Menschen treffen.

Meteorologen rechneten damit, dass "Juno" gebietsweise rund einen Meter Neuschnee bringen werde. Der New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio erwartete sogar bis zu 90 Zentimeter Schnee und warnte vor "einem der schlimmsten Schneestürme" in der Geschichte der Ostküstenmetropole. Pendler verließen ihre Büros in der Millionenstadt am Montag frühzeitig, ab 23 Uhr (Ortszeit) gilt auch für New Yorks Straßen ein Fahrverbot für Privatfahrzeuge. Der Nahverkehr soll nur noch sehr eingeschränkt funktionieren.

Über 6000 Flüge gestrichen

Mehr als 6000 Flüge am Montag und Dienstag wurden nach Angaben der Website flightaware.com gestrichen. Der Verkehr an den Flughäfen von New York und Boston kam weitgehend zum Erliegen. Der Sitz der Vereinten Nationen in New York bleibt am Dienstag wegen des extremen Winterwetters geschlossen. Eine geplante UN-Gedenkveranstaltung zur Befreiung des einstigen NS-Konzentrations- und Vernichtungslagers vor 70 Jahren wurde abgesagt.

"Nor'Easter"-Stürme in Nordamerika

Das nordamerikanische Wetterphänomen "Nor'easter" beschreibt Stürme, die aus nordöstlicher Richtung über Kanadas Atlantikprovinzen und den Nordosten der USA ziehen. "Nor'easter" entstehen, wenn vor der Küste der US-Neuengland-Staaten warme Meeresluft vom Golf von Mexiko auf polare Kaltluft trifft. Diese Stürme können das ganze Jahr auftreten, doch fallen sie im Herbst und Winter wegen größerer Temperaturunterschiede der Luftmassen besonders stark aus. Bei Orkanstärke von bis zu 160 Stundenkilometern sorgt der "Nor'easter" dann für Überflutungen an der Atlantikküste und für heftige Schneestürme bis weit ins Landesinnere.