US-Soldat in Deutschland auf der Flucht vor der Army

André Shepherd, 37, arbeitet für eine IT-Firma in Deutschland. © Bild: APA/EPA/NICOLAS BOUVY

Europäischer Gerichtshof sieht keinen Grund für Asyl. Strafe wäre nicht unverhältnismäßig.

Hätte er sich gestellt, wäre er wohl längst wieder bei seiner Familie. Denn US-Soldaten, die desertieren, werden zwar häufig zu Gefängnisstrafen verurteilt, sind aber in der Regel nach 18 Monaten Haft wieder frei.

André Shepherd, 37, wählte einen mühsameren Weg. Der Mechaniker von Apache-Helikoptern, der in Deutschland stationiert war, hätte 2007 zum zweiten Mal in den Irak gehen sollen. Daraufhin desertierte er und suchte in Deutschland um Asyl an. Als erster Soldat überhaupt.

Am Donnerstag entschied der Europäische Gerichtshof, dass ihm Deutschland wohl kein Asyl gewähren muss. Shepherd habe vor seiner Desertation nicht versucht, den Kriegsdienst zu verweigern, hieß es in dem Urteil. Auch die in den USA drohende Strafe sei nicht als unverhältnismäßig oder diskriminierend zu bewerten.

Freiwillig verlängert

Die Richter wiesen darauf hin, dass Shepherd sich nicht nur 2003 freiwillig bei der Armee verpflichtete, als der Irak-Krieg bereits lief, sondern dass er seine Dienstzeit nach dem ersten Einsatz im Irak sogar noch verlängerte. Ein Asyl Shepherds in Deutschland hätte das durch die NSA-Affäre belastete Verhältnis zu den Vereinigten Staaten weiter strapaziert.

Shepherd wird von Organisationen aus dem Umfeld der Friedensbewegung unterstützt. Der ehemalige Informatikstudent stand 2003 buchstäblich vor dem Nichts, als er sich zur Army meldete. Er schlief in seinem Auto. Heute arbeitet er in Deutschland für eine IT-Firma und spricht fließend Deutsch.

Doch seine Argumente sind für den EuGH nicht nachvollziehbar.

"Würde ich meine Befehle befolgen, würde ich zum Verbrecher werden", sagte Shepherd nach seiner Flucht. Neunzehn Monate war er untergetaucht. Ein junges deutsches Paar hatte ihm in einem Dorf in Oberbayern Unterschlupf gewährt. Im Sommer 2008 stellte Shepherd den Asylantrag, der ihn in die Schlagzeilen befördern sollte.

Vor und nach Shepherd sind Dutzende GIs in Deutschland untergetaucht. Die meisten der zeitweise weit über 100.000 im Irak stationierten US-Soldaten zogen via Stützpunkte in Deutschland in den Krieg.

Apache-Kampfhelikopter sind hocheffizient, bestückt mit Raketen und einer Kanone, die pro Minute 625 Schüsse abfeuert. Shepherd findet, dass die US-Armee im Irak nichts verloren hätte, das ist seine Privatmeinung. Kriegsverbrechen in seiner Einheit sind nicht bekannt.

Erstellt am 26.02.2015