Chronik | Welt
18.04.2017

United Airlines warf Hochzeitspaar aus Flugzeug

Die US-Fluggesellschaft hat erneut unliebsame Passagiere aus einer Maschine abführen lassen und einem Paar damit den Flug zur eigenen Hochzeit verweigert.

Nach dem Skandal um den gewaltsamen Rauswurf eines Passagiers aus einer United Airlines-Maschine steht die Fluggesellschaft erneut in der Kritik.

Am Wochenende sollen wieder Fluggäste aus einer Maschine der US-amerikanischen Airline geworfen worden sein. Diesmal traf es Medienberichten zufolge ein Paar, das sich auf dem Weg zur eigenen Hochzeit befand.

Michael Hohl und Amber Maxwell gingen demnach am Samstag an Bord eines Flugzeugs, das sie von Houston (Texas) nach Costa Rica bringen sollte. Doch ein United-Mitarbeiter durchkreuzte die Reisepläne, wie mehrere US-Medien berichten.

Eine Sprecherin von United Airlines sagte, dass die Passagiere "wiederholt versucht" hätten, in einer besseren Sitzkategorie Platz zu nehmen. Den Anweisungen der Crew, wieder ihre angestammten Plätze einzunehmen, hätten sie sich widersetzt.

Das Brautpaar stellt die Situation dagegen völlig anders dar: Sie hätten sich auf zwei freie Plätze gesetzt, weil auf ihren ursprünglichen Plätzen ein anderer Passagier geschlafen habe. Als das Personal sie gebeten habe, zurück zu ihren Plätzen zu gehen, hätten sie sich dazu bereiterklärt.

"Das haben wir getan - höflich, ruhig und ohne jeden Vorfall", wird der Bräutigam Washington Post zitiert. Doch bereits kurz danach seien Sicherheitskräfte in die Maschine gekommen und hätten sie abgeführt. Sie hätten sich am Gate nach dem Grund erkundigt und dort zu hören bekommen, sie hätten auf den falschen Plätzen gesessen und seien Störenfriede gewesen.

In einer Stellungnahme äußerte sich die Fluggesellschaft so zu dem Vorfall: "Wir sind jedes Mal enttäuscht, wenn unsere Fluggäste Erfahrungen bei uns machen, die nicht ihren Erwartungen entsprechen. Diese Passagiere versuchten, auf Sitzplätzen zu sitzen, für die sie keine Tickets gekauft hatten. Sie befolgten daraufhin aber nicht die Anweisungen der Crew, zu ihren Sitzen zu gehen. Wir haben Kontakt mit ihnen aufgenommen und sie auf einen späteren Flug gebucht." Davon machte das Paar jedoch nicht Gebrauch und wählte eine andere Fluggesellschaft, um doch noch rechtzeitig zur Hochzeit zu gelangen.

Delta will bei Überbuchung bis zu 10.000 Dollar zahlen

Unterdessen hat die Konkurrenzgesellschaft Delta nach dem Skandal um den gewaltsamen Rauswurf eines Passagiers aus einer United Airlines-Maschine angekündigt, Reisenden künftig bis zu 10.000 Dollar (rund 9.400 Euro) zahlen zu wollen, wenn sie im Falle einer Überbuchung auf ihren Flug verzichten.

Wie die Fluglinie der NachrichtenagenturAFP am Montag erklärte, empfiehlt sie ihren Mitarbeitern am Flugsteig, Passagieren bis zu 2.000 Dollar zu bieten, wenn sie ihren Sitzplatz freigeben. Bisher konnten in einem solchen Fall 800 Dollar gezahlt werden. Die Vorgesetzten dürfen mit ihrem Angebot sogar bis zu 10.000 Dollar gehen - bisher lag die Grenze bei 1.350 Dollar. Mit den Zahlungen will Delta Airlines einen Vorfall wie bei United vermeiden, der weltweit für Empörung gesorgt hatte.
Die Airline hatte am vergangenen Sonntag (9.4.) den Flug 3411 von Chicago nach Louisville (Kentucky) überbucht und Passagiere gebeten, die Maschine wieder zu verlassen. Einer der Gründe war, dass eine United-Crew dringend an Bord sollte, weil sie für einen Flug am folgenden Morgen in Louisville eintreffen musste. Weil sich aber nicht ausreichend freiwillige Passagiere meldeten, hatte United schließlich einen 69-Jährigen gewaltsam aus der Kabine entfernen lassen. David Dao hatte sich vor gut einer Woche geweigert, seinen ihm zuvor angewiesenen Sitzplatz in einer Maschine wieder freizugeben. Nach Angaben seiner Anwälte wurde Dao bei dem gewaltsamen Rauswurf unter anderem das Nasenbein gebrochen. Der aus Vietnam stammende Arzt, der seit Jahren in den USA lebt, will United Airlines jetzt verklagen.
Der Image-Schaden für United Airlines ist immens. Daos Herkunft schürte Vermutungen, hinter seiner Behandlung stecktenrassistische Motive. Das Unternehmen kündigte an, allen Passagieren eine Entschädigung zu zahlen, die an Bord der Maschine gewesen waren. Die Aktie von United Airlines rutschte unterdessen ab.

Der Spott ließ nach dem Vorfall lange auf sich warten: US-Comedian Jimmy Kimmel griff die Story auf, unter anderem mit einem Video in der Art eines United-Werbespots. Es zeigt eine Stewardess, die lächelt und sagt: "Sie fliegen, wenn wir es sagen. Wenn nicht - Pech gehabt."

United ändert Regeln für mitfliegende Crew-Mitglieder

Eine Woche, nachdem die Fluggesellschaft United einen Mann gewaltsam aus einen Flugzeug geworfen hat, ändert die Airline nun ihre Regeln: Künftig müssen Crew-Mitglieder, die als Passagiere an einen anderen Flughafen gebracht werden sollen, bereits eine Stunde vor Abflug einchecken. Damit werde verhindert, dass Passagiere bereits eingenommene Plätze räumen müssen, sagte eine Sprecherin dem Sender CNN.

Dabei ist es nicht lange her, dass United auch in einem anderen Fall Negativschlagzeilen gemacht hatte. Ende März wurde das Unternehmen kritisiert, weil die Fluggesellschaft zwei Teenagern den Einstieg ins Flugzeug verboten hatte. Begründung damals: Sie trugen Leggings.

Der Rauswurf in Chicago aber hat eine andere Dimension. Schon seit der von Experten als verpfuscht angesehenen Fusion mit dem US-Rivalen Continental im Jahr 2010 gab es Probleme. Von Mängeln im Reservierungssystem und Computerpannen, die zu vielen Flugausfällen führten, über Imageschäden wegen fehlender Rollstühle an Bord, bis hin zu einem Korruptionsskandal, der den Vorgänger von Vorstandschef Oscar Munoz(Bild)den Job kostete. Vor diesem Hintergrund war die bei vielen US-Kunden als Inbegriff von schlechtem Service geltende Airline gerade erst auf dem Wege der Besserung. Die neue Affäre kommt für United zur Unzeit.
Munoz entschuldigte sich am Montag erneut für den Vorfall, bei dem der Fluggast aus einer überbuchten Maschine gezerrt wurde. Es sei "demütigend" gewesen, und er übernehme "die volle Verantwortung", erklärte Munoz.

Es sei offensichtlich, "dass wir beim Kundenservice einen viel besseren Job machen müssen", sagte der United-Chef. Er sprach von einem "Wendepunkt" für sein Unternehmen, das jetzt mehr denn je entschlossen sei, die Kunden in den Mittelpunkt zu stellen.

Die Rechte von Passagieren bei überbuchten Flügen

Bei überbuchten Flügen sind in Österreich die Rechte von Flugreisenden durch eine EU-Verordnung geregelt. Diese greift, wenn Reisende von einem Flughafen innerhalb der EU abfliegen oder mit einer europäischen Airline in ein EU-Land reisen. Wenn eine Fluggesellschaft absehen kann, dass sie nicht alle Kunden befördern kann, muss sie zunächst nach Freiwilligen suchen, die vom Flug zurücktreten.

Airlines bieten dafür in der Regel attraktive Gegenleistungen, Fluggäste können aber auch selbst über diese verhandeln. Findet die Fluggesellschaft dennoch nicht genügend Freiwillige, kann sie sich entscheiden, bestimmte Reisende nicht zu befördern. Diese haben dann nicht nur Anspruch auf eine Erstattung des Ticketpreises oder einen Ersatzflug, sondern auch auf eine Schadenersatzpauschale, je nach Flugdistanz zwischen 250 und 600 Euro.

Außerdem müssen die Fluggesellschaften den Reisenden bei langen Wartezeiten Erfrischungen, Mahlzeiten und Kommunikationsmöglichkeiten bieten sowie gegebenenfalls für Übernachtungen aufkommen. Diese Rechte gelten aber nur für Kunden, die rechtzeitig und mit gültigem Ticket am Schalter sind.