Chronik | Welt
05.12.2011

Uncharismatische Führung schwächt die Organisation

Die Terror-Organisation ist aus Afghanistan, aber auch aus Pakistan stark zurückgedrängt worden.

Die El Kaida als Organisation ist so stark geschwächt, dass fraglich ist, ob sie das nächste Jahr noch überleben kann", sagt Terror-Experte Guido Steinberg im KURIER-Gespräch. Zudem ist Osamas Nachfolger, der ägyptische Arzt Ayman al-Zawahiri, weit weniger charismatisch als Bin Laden es war. Ausstrahlung ist bei den islamistischen Extremisten die halbe Miete. "Charisma ist ein knappes Gut bei El Kaida in diesen Monaten", meint Steinberg. Man wisse außerdem, dass Zawahiri, der Anführer, nicht bei seinen Leuten in Pakistan ist. "Da ist natürlich fraglich, wie viel Einfluss er überhaupt hat." Eines der letzten Mitglieder der El Kaida in Pakistan mit Ausstrahlung sei Abu Yahya al-Libi, der vor allem als ideologischer Sprecher des Netzwerks agiert.

Filialen

Dass die El Kaida in den vergangenen Jahren überhaupt überlebt hat, hat sie ihren Ablegern im Irak (AQI), in Nordafrika (AQIM) und im Jemen (AQAP) zu verdanken. Das sind Filialen, die unterschiedlich enge Anbindungen an Pakistan haben. Die jemenitische Filiale hat die engste Verbindung, sie wird als sehr gefährlich eingeschätzt. Durch das Chaos nach den Aufständen wurde der Jemen zu einem perfekten Operationsgebiet für die Organisation.

Ein hohes Tier bei der El Kaida im Jemen ist der US-Jemenit Anwar al-Awlaki. Als einer der wenigen mit Ausstrahlung rekrutiert er junge Muslime, wurde lange als Nachfolger von Bin Laden gehandelt und entging im Mai nur knapp einem Drohnen-Angriff der Amerikaner.

Die Filiale im Jemen ist die erste, die außerhalb ihres Gebietes versucht hat, Anschläge zu verüben: Sie wollte die USA etwa durch den Selbstmordattentäter auf dem Flug nach Detroit angreifen, sowie durch die Paketbomben vor einem Jahr. Beides ist misslungen. "Doch beide Attentate waren sehr professionell vorbereitet, mit offensichtlich guten Sprengstoffexperten dahinter", so Steinberg. Der Terror-Experte geht davon aus, dass die USA sich in den kommenden Monaten vermehrt der jemenitischen El Kaida widmen wird. Immerhin gibt es Hinweise, dass die AQAP die Herstellung von hochgefährlichem Giftgas erwägt.

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