Szenen aus Columbia.

© REUTERS/CHRIS KEANE

USA
07/23/2015

Der dumpfe Klang des Ku Klux Klan

Gar nicht furchteinflößend: Mit seiner Tuba begleitete Matt Buck Rassisten auf Schritt und Tritt und vermasselte ihnen damit den Auftritt.

Der Aufmarsch des Ku Klux Klan in South Carolina hat ein unerwartetes Nachspiel. Vor dem Parlament in Columbia, der Hauptstadt des US-Bundesstaates, hatten am Wochenende mehrere Dutzend Demonstranten für die umstrittene Konföderiertenflagge demonstriert - begleitet von mehreren Hundert Gegendemonstranten, einem Großaufgebot der Polizei und den dumpfen Klängen einer Tuba.

Döp, döp, dödödidöp, döp...

Gespielt wurde die Tuba, genauer gesagt handelt es sich bei dem Instrument um ein Sousafon - einer Art der Tuba - von einem Mann namens Matt Buck, studierter Tubist und nunmehr gefragter Mann in US-Talkshows. Denn seine Aktion, die den Aufmarsch auf so einfache Weise der Lächerlichkeit preisgibt, sorgte in den USA für landesweites Aufsehen. Ein rund eineinhalb-minütiger Clip, der Bucks musikalische Begleitung einer Gruppe von Rassisten dokumentiert, wurde innerhalb weniger Stunden viral. Auf YouTube hält der Clip aktuell bei vier Millionen Klicks.

Für seinen "Sinfonie für die Dummen", wie die einfache Marschmelodie inzwischen genannt wird, bediente sich Matt Buck bei einer Szene aus "Family Guy" (siehe Video unten) und versetzte sie mit ein paar Takten aus Richard Wagners "Walkürenritt".

Von der großen Resonanz auf seine spontane Aktion ist Buck selbst überrascht, wobei er nichts dagegen hätte, wenn Sousafon-Spielen sich als Protestform etabliert. "Wenn das ein Ding wird, sobald jemand etwas Dummes in der Öffentlichkeit tut, bin ich dafür", sagte er der Webseite thedailybeast.com. "Viel zu oft kommen Leute damit davon, Idioten zu sein." Buck überlegt jetzt sogar, eine Anti-Hass-Kampagne zu starten, mit Tubas, natürlich. Möglicher Titel: "'Tuba Libre' vielleicht auch 'Tuba Gooding Jr.'"

Mitte Juni war es zu einem rassistischen Angriff auf eine afroamerikanische Kirche in Charleston in South Carolina gekommen. Bei dem Angriff wurden neun Afroamerikaner getötet, die zu einer Bibelstunde zusammengekommen waren. Der mutmaßliche Attentäter Dylann Roof hatte auf einem Foto mit der Südstaatenfahne posiert. In einem im Internet verbreiteten Manifest äußerte der 21-jährige Mann rassistisches Gedankengut. Als Konsequenz wurde die Konföderiertenflagge vor dem Parlament in Columbia eingeholt, wogegen Anhänger mehrerer rassistischer und gewaltbereiter Organisationen wie unter anderem der Ku KluxKlan am Wochenende protestierten.

Die Flagge der Konföderierten - ein mit weißen Sternen besetztes blaues Andreaskreuz auf rotem Grund - ist auch heute noch an vielen Orten im Süden der USA gegenwärtig. Das Banner gilt einigen Bewohnern der Südstaaten als Symbol ihrer Geschichte und als Erinnerung an ihre Vorfahren. Allerdings vereinnahmten auch Organisationen wie der Ku Klux Klan die Flagge, die vor allem bei Afroamerikanern schmerzhafte Erinnerungen an ihre Diskriminierung weckt.

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