Chronik | Welt
17.06.2017

Geburtstagsfeier der Queen mit trüber Stimmung

Die Sonne scheint, Marschmusik erklingt. Doch so richtig froh ist am offiziellen Geburtstag der Queen niemandem zumute.

Der Himmel über dem Buckingham-Palast ist an diesem Samstag strahlend blau. Doch die Stimmung bei der offiziellen Geburtstagsfeier von Queen Elizabeth II. ist getrübt. Die Ereignisse der vergangenen Wochen - zwei Terroranschläge und eine Brandkatastrophe - machen auch der Monarchin im zartblauen Kleid noch zu schaffen.

Es sei schwierig, der "sehr trüben Stimmung im Land zu entkommen", sagt die 91-Jährige in einer Mitteilung vom Morgen. Auch während der Militärparade "Trooping the Colour" ist die Königin - wie viele Briten - noch mit ihrer Trauer beschäftigt. In diesen schweren Zeiten, ist sie für viele ihrer Untertanen ein Fels in der Brandung.
"Wenn man sich in diesem Land auf eines verlassen kann, dann die Queen", sagt der 78 Jahre alte Dan. Sie sei Tradition und gebe den Briten Halt. Sein Enkel Daniel (12) ist zum ersten Mal bei der Parade dabei. Er ist begeistert, dass er die Queen aus der Nähe sehen kann.

Die andere wichtige Frau im Staat, Premierministerin Theresa May, hat dieses Jahr keine Zeit, zu den Feiern zu kommen. Sie trifft sich gerade um die Ecke in der Downing Street Nummer 10 mit Mitgliedern ihrer Regierung. Es geht um Hilfen für die Opfer der Brandkatastrophe am Grenfell Tower. Danach wollte sie sich mit Opfern und freiwilligen Helfern treffen. Die Polizei gab derweil bekannt, dass man von inzwischen 58 Toten ausgehe.

Trooping the Colour

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May war in die Kritik geraten, weil ihre Regierung nach der Katastrophe nicht schnell genug reagiert habe. Wütende Demonstranten hatten noch am Abend vorher ihren Rücktritt gefordert. Auch hatte sie zunächst nur wenig Interesse für die Betroffenen gezeigt. Bei einem Besuch am Brandort blieb am Donnerstag keine Zeit für Gespräche mit den Opfern.
Die Queen und ihr Enkel Prinz William (34) waren da. Sie besuchten am Freitag eine Turnhalle, die den obdachlos gewordenen Einwohnern des 24 Stockwerke hohen Sozialbaus als Notunterkunft diente. Auf die Monarchin ist Verlass. Deswegen lieben sie die Briten.

Tradition

Jo Brown (51) ist am Morgen ganz früh mit ihren Freundinnen aus dem Norden Londons gekommen, um einen guten Platz am Zugweg der Prachtstraße vor dem Buckingham-Palast zu bekommen. "Wir machen das schon im zweiten Jahr, weil wir die Royals und vor allem die Queen toll finden." Das Königshaus sei Tradition - nicht nur für Brown, auch für die Generation ihrer Tochter.

"Ich glaube, es sind aber weniger Menschen hierher gekommen, als vergangenes Jahr. Ich kann mir vorstellen, dass das mit den Terroranschlägen zusammenhängt", sagt Brown. Dafür sind mehr Polizisten da. Die britischen Bobbys mit ihren runden Hüten und schweren Westen stehen mit den Zuschauern in der prallen Sonne, als die Parade vorüberzieht.

Noch heißer ist es für die Gardisten mit ihren Bärenfell-Mützen und roten Uniformen. Mindestens fünf von ihnen fallen während der Zeremonie um. Das passiert regelmäßig. Deshalb stehen die Tragen schon bereit. Auch Zuschauer müssen bei der Hitze behandelt werden.

Das Highlight - wie jedes Jahr - ist der Auftritt der Queen und von ihren Enkeln auf dem Balkon des Buckingham-Palastes am Ende der Zeremonie. Prinz George (3) und Prinzessin Charlotte (2) winken schon wie die Großen von der Balustrade. Sie sind die Zukunft der britischen Monarchie und jetzt schon die heimlichen Stars. Aber auf ihre Queen lassen die Briten nichts kommen.

Bei Attentat getöteter Polizist posthum geehrt

Der bei dem Anschlag vor dem britischen Parlament im März getötete Polizist ist posthum mit der George Medaille ausgezeichnet worden. Das teilte der Buckingham Palast am Freitag mit. Die Auszeichnung wird in Großbritannien für außerordentlichen Mut verliehen.

Der 48-jährige Polizist Keith Palmer hatte sich dem Attentäter Khalid Masood am 22. März in den Weg gestellt und wurde erstochen. "Keith hat an diesem Tag ohne einen Gedanken an seine eigene Sicherheit gehandelt", sagte die Londoner Polizeichefin Cressida Dick. "Er bezahlte den höchstmöglichen Preis für sein selbstloses Handeln."

Erinnerung an Jo Cox

Eine George Medaille erhielt auch der 78-jährige Pensionist Bernard Kenny, der versucht hatte, die im vergangenen Jahr bei einem Attentat getötete Labour-Abgeordnete Jo Cox zu retten.

Ex-Beatle Paul McCartney und "Harry Potter"-Autorin J.K. Rowling dürfen sich nun Companion of Honour nennen. Diese Auszeichnung wird für bedeutende Verdienste für die Künste, Wissenschaften, Medizin oder ein Regierungsamt vergeben. Diesen Rang bekleiden höchstens 65 Mitglieder zur selben Zeit. McCartney, der am Sonntag 75 Jahre alt wird, nannte seinen Orden "kolossal" und "eine riesige Ehre".

Hollywoodikone Olivia de Havilland wurde zur Dame Commander of the Most Excellent Order for the British Empire (DBE) ernannt. Die hundertjährige Schauspielerin, die 1939 an der Seite von Clark Gable und Vivien Leigh in "Vom Winde verweht" spielte, zeigte sich "extrem stolz". Kurz vor ihrem 101. Geburtstag sei diese Ehre das schönste Geschenk, so die doppelte Oscar-Gewinnerin.

Der Comedian Billy Conolly (74) und die Schauspielerin Julie Walters (67, "Mamma Mia!") werden Ritter und Dame. Der britische Sänger Ed Sheeran wurde zum MBE (Mitglied des Ritterordens) erklärt. Auch die Musikerin Emeli Sande (30) und der "Little Britain"-Comedian David Walliams (45) erhalten Auszeichnungen unterhalb der Ritterwürde.

Birthday Honours List

Insgesamt stehen 1109 Menschen auf der diesjährigen Birthday Honours List der Queen, rund Dreiviertel von ihnen wurden für ihren Einsatz in ihren Gemeinden geehrt. Ihren Titel dürfen die Geehrten gleich nach der Veröffentlichung der Liste tragen. Die Orden werden später an mehreren Terminen im Jahr von Mitgliedern der Königsfamilie in einer ihrer Residenzen übergeben. Die Ehrungen erfolgen anlässlich des Geburtstags der Königin, der traditionell im Juni gefeiert wird.