Italien nahm Abschied von Erdbeben-Opfern

. © Bild: AP/Andrew Medichini

Sporthalle wurde zu behelfsmäßiger Kapelle umgewandelt. Zahl der Todesopfer stieg auf 291 - darunter mindestens 16 Ausländer.

Mit einem nationalen Trauertag hat Italien am Samstag der bisher 290 Toten nach dem Erdbeben vom Mittwoch gedacht. Zu einem Staatsakt für die Opfer der Erdbebenkatastrophe in Italien strömten zahlreiche Trauernde und Überlebende der Katastrophe in die Sporthalle der mittelitalienischen Stadt Ascoli Piceno, die in eine behelfsmäßige Kapelle umgewandelt worden war.

Flaggen auf Halbmast

In Andenken an die Opfer wurden landesweit die Flaggen auf Halbmast gesetzt. An der Trauerzeremonie für 35 der 49 Opfer in der mittelitalienischen Region Marken beteiligten sich auch Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella, der zuvor das Katastrophengebiet besucht hatte, sowie Premier Matteo Renzi, der den Verwandten der Opfer Trost spendete. Eine lange Reihe von Särgen wurde in der Sporthalle aufgestellt. Die Namen aller Opfer wurden zu Beginn der Trauerzeremonie verlesen.

"Wir erleben eine Zeit der Kriege. Auch ein Erdbeben ist ein Krieg, denn die Natur verzeiht uns nicht. Es ist weiser, im Einklang mit der Natur zu leben, als sie zu provozieren", sagte der Bischof von Ascoli Piceno, Giovanni D ́Ercole, in seiner Predigt. Der Bischof zeigte sich überzeugt, dass die zerstörten Gemeinden zu neuem Leben erwachen werden. "Unsere Gegend besteht aus Menschen, die nicht den Mut verlieren. Zusammen werden wir unsere Häuser und Kirchen wieder aufbauen", sagte D ́Ercole.

Schwester von Giorgia aufgebahrt

Auch der weiße Sarg der neunjährigen Giulia wurde in der Sporthalle von Ascoli Piceno aufgebahrt. Sie hatte mit ihrem Körper ihre vierjährige Schwester Giorgia geschützt, die als eine der letzten Menschen lebend aus den Trümmern in Pescara del Tronto gerettet worden war. Der Bischof bezeichnete es als Wunder, dass Giorgia nach 16 Stunden lebend unter den Trümmern ihres Kinderzimmers geborgen werden konnte. "Das Leben hat mit Giorgia über den Tod gesiegt", sagte D ́Ercole.

Papst Franziskus drückte seine tiefe Anteilnahme an der Trauer der Familienangehörigen aller Opfer des Erdbebens aus. "Der Papst betet für die Opfer des Erdbebens", teilte der vatikanischen Staatssekretär, Kardinal Pietro Parolin, mit. In der Basilika des Heiligen Franz in Assisi ertönten zu Beginn der Trauerzeremonie in Ascoli Piceno die Glocken. Die Gemeinschaft der Franziskanermönche schloss sich den Gebeten für die Erdbebenopfer an.

Vor Beginn der Trauerzeremonie hatte Italiens Präsident Mattarella die besonders schwer getroffenen Ortschaft Amatrice besucht. Er sprach mit Einsatzkräften, die nach Verschütteten suchen, und dankte ihnen für ihre Arbeit. Mattarella versprach den vollen Einsatz der Institutionen für einen raschen Wiederaufbau und besuchte Verletzte in den Krankenhäusern der Gegend. Besonders wichtig sei, den Beginn des Schuljahres in den betroffenen Gemeinden zu sichern, betonte schließlich Italiens Premier Matteo Renzi.

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Relatives mourn near coffins of some of the earthquake victims prior to the start of the funeral service in Ascoli Piceno, Italy… © Bild: AP/Andrew Medichini

Zahl der Todesopfer auf 291 gestiegen

Inzwischen wuchs die Zahl der Todesopfer des Erdbebens auf 291, mindestens 16 davon sind Ausländer. Wie das Außenministerium in Bukarest mitteilte, sind darunter zehn Rumänen. Weitere 16 Landsleute würden noch vermisst. In einer weiteren bestätigten Opferliste werden drei Briten - ein 14-Jähriger und ein Paar in den 50ern - aufgeführt. Zudem wurde nach diesen Angaben eine Spanierin getötet. Zuvor war bereits offiziell der Tod eines Kanadiers und eines Albaners gemeldet worden.

388 Personen wurden verletzt, 2.444 Obdachlose werden vom italienischen Zivilschutz versorgt. Aus den Trümmern des Hotels Roma in Amatrice wurden drei weitere Tote geborgen, darunter ein Ehepaar.

Mehrere Menschen werden noch vermisst. Der am stärksten betroffene Ort Amatrice hatte vor dem Beben zwar lediglich 2.700 Einwohner, wegen der Ferienzeit und eines geplanten Pasta-Festivals sollen sich im Großraum jedoch rund 40.000 Menschen aufgehalten haben.

"Begräbnisfeier ohne Leichen"

Für den kommenden Dienstag ist eine "Begräbnisfeier ohne Leichen" für die Opfer der Ortschaften Amatrice und Accumoli vorgesehen. Dazu wird auch Italiens Regierungschef Renzi erwartet. Der Bürgermeister von Amatrice, Sergio Pirozzi, hatte zuvor geklagt, nach dem Beben stehe keine einzige Kirche mehr in Amatrice, "also findet die Zeremonie im Freien statt".

Die Staatsanwaltschaft in der italienischen Stadt Rieti ermittelt bereits, ob in der Erdbebenregion gegen Bauvorschriften verstoßen wurde. "Was da passiert ist, kann nicht nur als Unglück gesehen werden", zitierte die italienische Tageszeitung "La Repubblica" am Samstag Staatsanwalt Giuseppe Saieva. Bei einigen der zerstörten Häuser sei "mit mehr Sand als Zement" gebaut worden. Vor allem der Einsturz einer erst vor kurzem renovierten Grundschule in Amatrice hatte für Aufsehen gesorgt. Bisher seien aber keine Verdächtigen identifiziert worden.

Auch zahlreiche Tiere sind bei dem schweren Erdbeben verletzt worden. Jetzt will sich die Tierklinik der Universität Camerino in der Region Marken um die Vierbeiner kümmern, wie die italienische Nachrichtenagentur ANSA am Samstag meldete.

The coffin of Ada Bartoletti, one of the earthquak…
The coffin of Ada Bartoletti, one of the earthquake victims, is carried by Italian Firefighters outside the gymnasium at the end… © Bild: AP/Gregorio Borgia
( Agenturen , kob ) Erstellt am 27.08.2016