Transport: Klimafahrplan für 2050

Wie sich der heimische Transportbereich für künftige ökologische und ökonomische Herausforderungen rüstet.

Der Transportbereich zählt mit mehr als 330.000 Beschäftigten in Österreich zu den wichtigsten Arbeitgebern und beweist eine überdurchschnittliche Dynamik (siehe Zusatzartikel). Auch beim CO2-Ausstoß. Dieser hat bei uns zwischen 1990 und 2010 laut Umweltbundesamt beim Verkehr um 60 Prozent zugelegt, erst zuletzt, auch bedingt durch die Wirtschaftskrise, gab es einen leichten Rückgang. In anderen Sparten war man deutlich erfolgreicher.

 

Klimafahrplan

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Wie der Klimafahrplan Verkehr für Österreich bis 2050 aussehen wird, war auf einer Tagung der Wirtschaftskammer Österreich zu hören.

Derzeit fahren 13.000 Fahrzeuge in Österreich mit alternativem Antrieb oder Biosprit, drei Viertel davon werden betrieblich genutzt. Bei Stadtbussen hat jeder fünfte einen alternativen Antrieb, insgesamt 655, dazu kommen 1666 "alternative" Lkw. Von den derzeit 1089 angemeldeten E-Fahrzeugen fahren 80 Prozent dienstlich, so Alexander Klacska, Obmann der Sparte Transport und Verkehr in der Wirtschaftskammer.

Anreizsubventionen für den Umstieg auf "saubere" Antriebe und Energien hält Klacska für sinnvoll, nachhaltig gelingen werde der Umstieg aber nur, wenn "er sich selbst rechnet."

EU-Vorgaben

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Die ökologischen Vorgaben der EU sehen laut Jürgen Schneider vom Umweltbundesamt eine Senkung des CO2-Ausstoßes von 25 bis 40 Prozent bis 2020 und von 80 bis 95 Prozent im Schnitt über alle Bereiche bis 2050 vor. Dennoch könne die EU weltweit damit nur "Vorreiter beim Klimaschutz sein. Retten kann sie das Weltklima nicht." Grund: "In ein paar Jahren wird der Treibhausgas-Ausstoß der EU maximal 10 % am weltweiten Ausstoß betragen."

Für die EU, aber auch Österreich im Besonderen, rechnet sich ein CO2-ärmerer Verkehr dennoch: Nicht nur weil agieren,so Schneider, billiger kommt als reagieren, sondern auch durch eine Halbierung der Öl- und Gasimportabhängigkeit (siehe Zusatzartikel).

Bei den EU-Vorgaben zur CO2-Einsparung fällt auf, dass das Zwischenziel für 2030 in allen anderen Bereichen mehr als drei Mal so streng ist wie beim Verkehr. Schneider: "Bis 2030 rechnet die EU mit keinen großen Verbesserungen in diesem Bereich. Man setzt hier auf die letzte Viertelstunde, um das Klimaziel zu erreichen."

Umsetzung

Tatsächlich gibt es bei uns die "Verstromung des Verkehrs" praktisch nur bei der Bahn und ansatzweise bei Öffis. Doch "der Flächenrückgang der Staatsbahnen führt zur Verlagerung von Transporten von der Schiene auf die Straße und bringt damit Nachteile im Klimaschutz", so Klacska. Die ÖBB, so Andreas Matthä, halten 1345 von 5700 km Bahnstrecke für "nicht systemadäquat".

Beim Schiffverkehr auf der Donau sollte das Transportvolumen bis 2015 verdoppelt werden. Aber "das wird nicht gelingen", so Hans-Peter Hasenbichler. Die Ausbaupläne scheitern teilweise am Nein betroffener Staaten, Österreich hat keinen Reeder mehr.

Im Flugverkehr wird mit großen Steigerungen (bis zu +8 Prozent in der EU bis 2030) gerechnet, was auch den CO2-Ausstoß erhöht. Erst ab 2020 rechne die Flugbehörde IATA mit einem -neutralem Wachstum, so Walter Reimann, AUA. Biosprit der zweiten Generation wird derzeit als Beimischung (50 %) getestet, sei aber viel teurer als Kerosin.

Mit einer noch längeren Abhängigkeit von fossiler Energie rechnen Experten beim Lkw-Fernverkehr. "Beim Straßengüterverkehr wird es erst in 20, 30 Jahren eine Entkoppelung von Verkehrswachstum und CO2-Anstieg geben", so Schneider. Laut Klacska nimmt zudem der Straßengüterverkehr auch zu, wenn die Wirtschaft nicht wächst. Grund: Der Trend zu dezentraler Erzeugung, nicht adäquate Raumplanung.

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( Kurier ) Erstellt am 23.03.2012