Chronik | Welt
03.06.2017

Tausende demonstrieren bei Warschauer "Gleichheitsparade"

Der österreichische Botschafter in Polen verlas Unterstützungserklärung von 45 ausländischen Botschafterinnen und Botschaftern aus allen Erdteilen.

Tausende Polen haben am Samstag bei der Warschauer "Gleichheitsparade" (Parada Rownosci) für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender demonstriert. Der Marsch durch die Hauptstadt des katholisch geprägten Landes richtete sich auch gegen die Diskriminierung ethnischer und religiöser Minderheiten. Die Veranstalter schätzten die Zahl der Teilnehmer auf 50.000.

Laut Polizei nahmen etwa 13.000 Menschen teil. "Liebe ist keine Sünde", hieß es unter anderem auf den Plakaten der überwiegend jungen Demonstranten. Polen gehört zu den wenigen verbleibenden EU-Ländern, in denen die Situation gleichgeschlechtlicher Paare nicht gesetzlich geregelt ist, wie Aktivisten kritisieren.

Die polnische Organisation "Kampagne gegen Homophobie" (KPH) fordert die nationalkonservative Regierung von Ministerpräsidentin Beata Szydlo (Recht und Gerechtigkeit/PiS) außerdem auf, LGBT-Menschen mit Gesetzen vor aus Hass und Homophobie motivierten Verbrechen zu schützen. Die englische Abkürzung LGBT steht für "Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender", also lesbische, schwule, bi-und transsexuelle Menschen.

Polen landete im diesjährigen, sogenannten Regenbogen-Report der Organisation ILGA Europe EU-weit auf dem drittletzten Platz. Die rechtliche Situation war innerhalb der EU demnach nur in Litauen und Lettland schlechter.

Österreichische Beteiligung

Die Österreichische Vertretung in Warschau koordinierte anlässlich der "Equality Parade" ein öffentliches Unterstützungsschreiben von 45 ausländischen Botschafterinnen und Botschaftern aus allen Erdteilen, darunter mehr als zwei Drittel der EU-Mitgliedsstaaten und Vertreter internationaler Institutionen, wie Botschafter Thomas Buchsbaum der APA mitteilte.

Unterstützt wurden darin die "Bemühungen, um ein öffentliches Bewusstsein für Themen zu schaffen, welche die lesbische, gay, bisexuelle, Transgender- und Intersex-Gemeinschaft und andere Gemeinschaften in Polen betrifft, welche vor ähnlichen Herausforderungen stehen."

Das Schreiben wurde von Buchsbaum namens aller Unterzeichner der polnischen Regierung und dem Parlament übermittelt. Der Text wurde von dem österreichischen Diplomaten zu Beginn der Parade auch öffentlich verlesen. An dieser nahm laut Angaben der Botschaft auch die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments und Spitzenkandidatin der Grünen für die vorgezogene Nationalratswahl, Ulrike Lunacek, teil.