Menschen warten auf eine Schale Reis in Tacloban. Die ersten Hilfslieferungen sind bereits angekommen.

© Reuters/ERIK DE CASTRO

Philippinen
11/12/2013

Taifun: Dauerregen vor nächstem Sturm

Ein junger Mann aus Krems berichtet aus Cebu. Die USA schicken Schiffe, Soldaten sorgen für Ruhe.

von Julia Schrenk, Susanne Bobek, Michaela Reibenwein

Der Dauerregen auf den Philippinen behindert die Helfer. Sie kommen nur mit Geländewagen voran. Die heftigen Regenschauer kündigen das nächste Sturmtief „Zoraida“ an, das am Mittwoch und Donnerstag südlich am Katastrophengebiet vorbeiziehen soll. Wegen der hohen Wellen bleiben kleinere Schiffe und Fähren in den Häfen. Die USA und Großbritannien schicken Kriegsschiffe zur Unterstützung der Rettungsmaßnahmen. In der Nacht zum Dienstag nahm der US-Flugzeugträger USS George Washington mit 5000 Marines und mehr als 80 Flugzeugen und Hubschraubern aus Hongkong Kurs auf Cebu. Aus Singapur kommen Briten und Kanadier. Erste internationale Helfer wurden mit Militärmaschinen aus Manila nach Tacloban gebracht. Dort müssen Soldaten für Ruhe sorgen. Rebellen vom militanten Arm der Kommunistischen Partei haben einen Hilfskonvoi angegriffen.

In all dem Chaos behauptet sich der 19-jährige Manuel Meitzenauer aus Krems. Er ist seit zweieinhalb Monaten in Cebu City und absolviert ein soziales Jahr bei den Salesianern Don Boscos. „Hier werden Dutzende Menschen vermisst. Ein dreijähriger Bub wurde von einem Blitz getroffen und ist gestorben“, schildert der 19-Jährige. Auch für ihn ist es hart, die Menschen leiden zu sehen. Zurück nach Österreich will er jetzt trotzdem nicht: „Ich wurde von Anfang an sehr gastfreundlich aufgenommen, deshalb will ich solidarisch bleiben. Die Menschen hier haben schließlich auch keine Alternative.“ Der Taifun ist die zweite Naturkatastrophe, die er überlebte, nach einem starken Erdbeben vor mehreren Wochen. Viele suchten nach der Katastrophe Zuflucht im Quartier der Salesanier.
Der Grazer Arzt Willibald Zeck leitet das UNICEF-Hilfsprogramm vor Ort. „Wir arbeiten auf Hochtouren, das Überleben der Kinder hat jetzt für uns oberste Priorität.“ Geschätzte vier Millionen Kinder sind von der Katastrophe betroffen. Kinderschutzzonen sollen eingerichtet werden.

Marianne Kapl aus Großgmain in Salzburg vermisst ihren Sohn Harald Feige, 42, auf den Philippinen. „Normalerweise hätte er angerufen“, sagte sie dem ORF.

Die Spendenkontos

- Österreichisches Rotes Kreuz: Erste Bank 40014400144, BLZ 20111,
Kennwort: Überflutungen Philippinen;
- Caritas: PSK 7.700.004, BLZ 60.000, Kennwort: Taifun Katastrophe;
- World Vision Österreich: Erste Bank Kto.-Nr 80080081800, BLZ 20111, Kennwort: Philippinen
- Diakonie Katastrophenhilfe: Erste Bank, Konto 28711966333, BLZ: 20111 Spendenzweck: Taifun, IBAN AT85 20111 287 119 66333, BIC GIBAATWWXXX;
- UNICEF: PSK 15 16 500, BLZ 60.000, Stichwort: Kinder Philippinen;
- Kindernothilfe Österreich: PSK 92144077, BLZ 60.000;
- Volkshilfe Solidarität: PSK 1.740.400 BLZ 60.000, Kennwort: Katastrophenhilfe, Spenden SMS an die Nummer 0676/800 70 80, Online Spenden möglich;
- Arbeiter-Samariter-Bund Österreichs: PSK: 00093 028 745, BLZ 60000, Kennwort: ASBÖ Auslandshilfe.

Die Zerstörungen durch "Haiyan"

Katastrophe und Klimawandel: kein klarer Zusammenhang

Während die Menschen auf den Philippinen ums nackte Überleben kämpfen, beschäftigt Meteorologen und Klimaforscher folgende Frage: „Ist Haiyan eine Folge des von Menschen verursachten Klimawandels?“ Die Antwort lautet, nach derzeitigem Stand, nein.

Viele Forscher behaupten, dass sie eine Zunahme starker Stürme in den vergangenen Jahrzehnten beobachten. Erklärung: Die Erwärmung des Meerwassers über einen Wert von 26 Grad lässt große Mengen Wasser verdunsten, unter den Wolkenformationen bilden sich gigantische Tiefdruckgebiete, in die Luft nachströmt. Genauer untersucht wurde der Zusammenhang zwischen Klimawandel und der Intensität der Taifune in Korea. Über einen Zeitraum von 60 Jahren gesehen haben die Taifune auf der Halbinsel allerdings nur „slightly“, also ein bisschen zugenommen.

Klima ist die Summe der Wetterlagen über einen langen Zeitraum (30 Jahre) in einem großen Gebiet. Eine Katastrophen-Bilanz gepaart mit einem Risiko-Index erscheint auf Germanwatch.org und wird angesichts des Desasters, das der „Super-Taifun“ hinterlassen hat, auch auf der Klimakonferenz in Warschau diskutiert (Titel der Aufstellung: Globaler Risiko-Klima-Index 2014). Seit 1993 sind demnach 530.000 Menschen bei Dürren, Hurrikanen oder Überschwemmungen ums Leben gekommen. Die Schäden beliefen sich auf 2,5 Billionen Dollar – eine Zahl mit 12 Nullen. Besonders betroffen sind Haiti, Pakistan – und die Philippinen. Der Extremwetter-Index basiert auf Daten der Münchner Rück und berücksichtigt nur die direkten Schäden. Opfer von Ernteausfällen etwa, die auf solche Katastrophen folgen, sind nicht berücksichtigt. Die Liste zeigt zwar, dass der Klimawandel unterschätzt wird. Einen Rückschluss von Einzelereignissen auf den Klimawandel lässt er freilich nicht zu. Nicht einmal bei der verheerenden Dürre in Australien 2009 oder bei den Überschwemmungen in Pakistan 2010 sehen die Autoren einen starken Zusammenhang. Warum sind Experten so vorsichtig? Die Zahl der Naturkatastrophen ist, im Vergleich zu den langen Messreihen, die für statistische Aussagen über das Klima nötig sind, zu gering. Eine Arbeit über den Atlantik spricht von einer Zunahme um zwei Hurrikane über die vergangenen 25 Jahre – bei einer Schwankungsbreite von plus/minus vier Hurrikane.

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