Oscar Pistorius stands in the dock during a break in court proceedings at the Pretoria Magistrates court, February 21, 2013. "Blade Runner" Pistorius, a double amputee who became one of the biggest names in world athletics, was applying for bail after being charged in court with shooting dead his girlfriend, 30-year-old model Reeva Steenkamp, in his Pretoria house. REUTERS/Siphiwe Sibeko (SOUTH AFRICA - Tags: CRIME LAW SPORT)

© Reuters/SIPHIWE SIBEKO

Südafrika
02/23/2013

Oscar Pistorius wieder in Freiheit

Der unter Mordverdacht stehende Sprintstar ist am Freitag gegen Kaution freigekommen.

Der südafrikanische Paralympics-Star Oscar Pistorius hat seine erste Nacht in Freiheit im Haus seines Onkels im Stadtteil Waterkloof in Pretoria verbracht. Der unter Mordverdacht stehende Sportler, der am Valentinstag seine Freundin Reeva Steenkamp erschossen hatte, war am Freitag gegen Kaution auf freien Fuß gekommen.

Pistorius darf zunächst nicht in sein Haus in Silverwood Estate zurückkehren, wo die 29-jährige Steenkamp durch die geschlossene Badezimmertür getötet worden war. Dies ist eine der Kautionsauflagen, die Richter Desmond Nair zur Bedingung für Pistorius' Freilassung gemacht hatte. Der 26-Jährige hat am Freitag eine erste Kautionsrate in Höhe von 100.000 Rand (etwa 8500 Euro) auf einer Polizeistation gezahlt und wurde anschließend entlassen. Insgesamt hatte Nair eine Million Rand als Gesamtbetrag festgesetzt.

Richter Nair hatte folgende Gründe für seine Entscheidung angeführt, eine Kaution zu akzeptieren:

- Es bestehe bei Pistorius keine Fluchtgefahr.

- Die Staatsanwaltschaft konnte nicht überzeugend darlegen, dass Pistorius einen Hang zu Gewalt habe.

- Er glaube nicht, dass die Freilassung auf Kaution einen öffentlichen Aufschrei verursachen würde.

- Der Richter glaube außerdem nicht, dass der Fall so klar sei, dass Pistorius´ erste Reaktion die Flucht sei.

Anklagebehörde und Polizei hatten sich entschieden gegen eine Freilassung von Pistorius gegen Kaution ausgesprochen. Es bestehe angesichts seiner Auslandskonten und eines Domizils in Italien Fluchtgefahr, so deren Argumentation.

Empörung und Solidarität

In Südafrika sorgt die Freilassung von Pistorius für Empörung. Manche fürchten angesichts der Behördenschlamperei einen weltweiten Imageschaden. Andere sehen Rassenjustiz am Werk: Ein Schwarzer wäre nie so behandelt worden wie dieser berühmte Weiße. "Pistorius wurde mit Samthandschuhen angegriffen, von den Behörden und den Medien, weil er ein privilegierter, reicher, weißer Südafrikaner ist", empörte sich der angesehene Kolumnist Rapule Tabane von der Wochenzeitung Mail & Guardian.

Unterdessen appellierte Reevas Vater Barry Steenkamp an das Gewissen des Sportlers. "Es ist egal, wie viel Geld er hat oder wie gut sein Anwaltsteam ist, er muss mit seinem Gewissen leben, falls er es der Verteidigung erlaubt, für ihn zu lügen", sagte er der Zeitung Beeld. "Wenn er die Wahrheit sagt, dann kann ich ihm vielleicht eines Tages vergeben. Aber wenn es nicht so war, wie er sagt, dann muss er leiden, und er wird leiden." Reevas Mutter June Steenkamp erklärte, sie habe keine Tränen mehr und sie wolle nun damit beginnen, sich an ein Leben ohne ihre Tochter zu gewöhnen.

Pistorius' Onkel Arnold hatte kurz nach der Kautions-Entscheidung betont, wie erleichtert die ganze Familie sei. "Dennoch ist dies eine sehr traurige Zeit für Reevas Familie und für uns", sagte er. "Wir sind überzeugt, dass sich Oscars Version davon, was in jener schrecklichen Nacht geschehen ist, als wahr erweisen wird."

Unterdessen schickten Tausende Fans Nachrichten an die offizielle Webseite des Sportlers, um ihre Solidarität zu zeigen. "Ganz egal, was die Welt sagt, du bist und bleibst mein Champion und mein Held", schrieb eine Verehrerin. Nach der Nachricht von der Freilassung auf Kaution hatte es auch kritische Stimmen gegeben, die eine Vorzugsbehandlung des berühmten weißen Stars sahen.

Am 4. Juni muss Pistorius erneut vor Gericht erscheinen. Wird er wegen vorsätzlichen Mordes schuldig gesprochen, droht ihm eine Haftstrafe zwischen 15 Jahren und lebenslänglich.

Neuer Chefermittler

Die Anhörung hatte sich in den vergangenen Tagen unter anderem dadurch verzögert, dass die Polizei am Donnerstag den bisherigen Chefermittler in dem Fall, Hilton Botha, wegen des Verdachts des mehrfachen Mordversuchs absetzte. Als leitender Ermittler wurde Vineshkumar Moonoo eingesetzt.

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