Der König muss gehen: Juan Carlos dankt am Donnerstag zugunsten von Thronfolger Felipe ab.

© Deleted - 1545309

Thronwechsel
06/14/2014

Die Rettung der Monarchien

Von PR-Managern beraten, müssen die Royals den Sprung ins 21. Jahrhundert schaffen.

von Georg Markus

Es ist ein ewiges Auf und Ab. Einmal erfreuen sich Europas Monarchien fast uneingeschränkter Popularität. Und dann prasseln die Beliebtheitswerte wieder in den Keller. Abhängig sind diese Schwankungen meist vom moralischen Vorzeige- oder Fehlverhalten der jeweiligen Royals. So ist’s nicht schwer zu prophezeien, dass der tiefe Fall des spanischen Throns nach der Angelobung des neuen Königs Felipe am Donnerstag gestoppt werden wird. Dafür, dass die Krone in keinem der zehn europäischen Monarchien ernsthaft wackelt, sorgen heutzutage hochprofessionelle PR-Berater, die es verstehen, die Königreiche mit modernen Marketingmethoden zu retten, wann immer Gefahr droht.

Der König muss gehen!

Und die drohte eben in Spanien, ehe Juan Carlos nach seiner einzigartigen Selbstdemontage mit sanfter Gewalt zum Rücktritt bewegt werden konnte. Es war aber auch höchste Zeit, denn mit Elefantenjagd, Seitensprüngen und Versuchen, die unlauteren Geschäftsmethoden seines Schwiegersohns zu verschleiern, stellte der König ein echtes Risiko für die einst so beliebte Monarchie dar: 62 Prozent der Spanier sind für eine Abstimmung über die künftige Staatsform. Als diese alarmierenden Umfragedaten bekannt wurden, war klar: Der König muss gehen! Knapp die Hälfte der Bevölkerung ist für eine Monarchie unter seinem Sohn Felipe, aber immerhin 36 Prozent wollen eine Republik. Dennoch stehen die Chancen nicht schlecht, dass der neue König mit seiner attraktiven Frau Letizia die Werte wieder in die Höhe schnellen lässt.

König im Rotlichtmilieu

Nicht minder dramatisch ging’s vor drei Jahren in Schweden zu, als bekannt wurde, dass Carl Gustaf im Rotlichtmilieu verkehrte. Der König ist zwar bis heute nicht bereit, auf den Thron zu verzichten, dafür wurde von Werbeprofis eine erstklassige Ablenkungsaktion inszeniert, die den Skandal in den Hintergrund drängte: Kronprinzessin Victoria heiratete ihren Fitnesstrainer Daniel Westling, bekam eine Tochter und das Volk war versöhnt. Inzwischen sind wieder 70 Prozent der Schweden für die Monarchie, allerdings wollen fast ebenso viele den Rücktritt des Königs zugunsten seiner Tochter.

Die uneinholbare Supermacht auf dem Gebiet royaler Skandale ist Großbritannien. Der Rosenkrieg des Thronfolgers Charles mit seiner Frau Diana stellte sogar die Zukunft des Königreichs infrage. Und auch das als herzlos empfundene Verhalten der Queen nach Dianas Tod im Jahr 1997 galt nicht gerade als Meisterleistung sensibler Staatenlenkung. Nur 48 Prozent waren damals der Meinung, die Königin hätte richtig gehandelt. Doch es galt auch hier, sich nicht von aktuellen Umfragen beirren zu lassen. Heute, ein Jahr nachdem der Briten liebstes Prinzenpaar Kate und William Eltern des kleinen George wurden, bewegt sich die Monarchie mit 80 Prozent Zustimmung in historischen Höhen. Selbst unter den Republikanern ist nur eine Minderheit für die Abschaffung des Throns, da man weiß, dass Queen & Co dem Tourismus mehr bringen als sie kosten. Und das, obwohl allein die Königin über ein Jahresbudget von rund 130 Millionen Euro verfügt.

Laut der britischen Monarchie-Historikerin Kate Williams (nein, das ist kein Künstlername) "ist das Ansehen der Queen heute größer denn je. Diese Werte sind nicht dem Zufall überlassen, denn die Königsfamilie hat seit Dianas Tod gelernt, wie man sein Image verbessert". Hiefür sind die besten Werbemanager des Landes im Buckingham Palace tätig.

William als König

Laut Umfrage glaubt die Mehrheit der britischen Bevölkerung, dass William der nächste König sein wird, da man Queen Elizabeth zutraut wie ihre Mutter bei guter Gesundheit mehr als 100 Jahre alt zu werden – und dann wäre Charles bereits 80. Außerdem sind William und Kate deutlich populärer (55 Prozent Zustimmung) als Charles und Camilla (19 Prozent).

Bilder: Alle Jahre wieder - Queen Elizabeth feierte Geburtstag nach

epaselect BRITAIN TROOPING THE COLOUR

BRITAIN ROYALTY TROOPING THE COLOUR

A guard of the Grenadier Guards attends the Troopi

Britain's Queen Elizabeth attends the annual Troop

Guardsmen of the Scots Guards parade during the Tr

Britain's Prince William, Duke of Cambridge, Princ

BRITAIN TROOPING THE COLOUR

BRITAIN ROYALTY TROOPING THE COLOUR

Krisen in Monaco

Auch das kleine, aber reiche Monaco hatte jede Menge Krisen zu bewältigen. Einst durch die strahlende, in Hollywood geschulte Gracia Patricia mit Glamour-Faktor gesegnet, plumpste das Fürstentum in der nächsten Generation von einem Skandal in den anderen. Vorerst waren es Gracias und Fürst Rainiers Töchter Caroline und Stéphanie, die durch ehe- und nichteheliche Tollheiten die Schlagzeilen beherrschten, zuletzt brachte es Fürst Albert zuwege, bei seiner Hochzeit mit der Schwimmerin CharlèneWoodstock im Juli 2011 ähnlich ernst dreinzuschauen wie beim Begräbnis seines Vaters. Kein Wunder, tauchte doch, während die Trauung live im TV lief, das Gerücht auf, dass die Braut Monte Carlo verlassen wollte, weil sie eben erfahren hatte, dass Albert während ihrer Beziehung ein Kind mit einer Stewardess gezeugt hatte.

Fürstliche Zwillinge

Aber auch hier fand man Mittel und Wege, die Beliebtheitswerte zu korrigieren: Die Mitteilung,dass Charlène schwanger ist, angeblich sogar mit Zwillingen, beglückte die Bewohner des Zwergstaates dermaßen, dass jeglicher Unbill verflogen war.

Nicht nur in Monaco steigern die Royals des 21. Jahrhunderts ihre Reputation durch Einheirat in bürgerliche Kreise: Die neben Charlène nicht-adeligen Prinzessinnen und Prinzen heißen Kate Middleton, Letizia Ortiz, Daniel Westling, Máxima der Niederlande,Mette-Maritvon Norwegen, Mary von Dänemark, und sie alle haben das Image der Königreiche aufpoliert. Weitere europäische Monarchien sind Belgien, Luxemburg und Liechtenstein.

Bürgerliche Trauungen

Die zeitgemäße Trauungspolitik wurde notwendig, weil es a) fast keine "ebenbürtigen" Heiratskandidaten mehr gibt und weil b) eine Braut oder ein Bräutigam "wie du und ich" Volksnähe suggerieren. Perfekter als im Haus Windsor kann der Mix aus Tradition und Moderne nicht erscheinen: Hier die 88-jährige, als Staatsoberhaupt unangefochtene Queen, dort das junge Ehepaar William und Kate mit Sohn George. Zwei Drittel der Briten meinen, die Monarchie werde es noch geben, wenn George alt genug ist, um König zu werden.

Keine Zukunft hat hingegen ein abgehobener, sich als Folge von Skandalen in seinem Palast zurückgezogen lebender König. Juan Carlos von Spanien musste das am eigenen Leib erfahren.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.