Wrack des Virgin Galactic's SpaceShipTwo in der Mojave-Wüste in den USA.

© REUTERS/KNBC-TV

Weltraumtourismus
11/01/2014

"SpaceShipTwo" zerschellt: Branson gibt nicht auf

Zweiter schwerer Unfall in der Raumfahrt binnen weniger Tage. Diesmal in Mojave-Wüste. Ermittlungen laufen.

Der Milliardär Richard Branson will auch nach dem Absturz des Raumflugzeugs "SpaceShipTwo" mit seinem Weltraumtourismus-Projekt weitermachen. "Das Weltall ist hart - aber es lohnt sich. Wir werden durchhalten", teilte der 64 Jahre alte Brite am Samstag auf der Webseite seines Unternehmens Virgin Galactic und über Twitter mit. Er sei schockiert über das Unglück.

"SpaceShipTwo" war am Freitag bei einem Testflug im US-Bundesstaat Kalifornien abgestürzt. TV-Sender zeigten Bilder von Wrackteilen in der Mojave-Wüste. Nach Polizeiangaben kam einer der beiden Piloten ums Leben, der andere konnte sich mit einem Fallschirm retten. Er wurde schwer verletzt.

Rettungskräfte fanden Trümmer verstreut auf dem trockenen Wüstenboden, wie Sheriff Donny Youngblood auf einer Pressekonferenz sagte. "Alle unsere Gedanken sind bei den Familien der von diesem tragischen Ereignis Betroffenen", heißt es in dem Virgin-Statement. "Wir tun alles, was uns möglich ist, um sie zu unterstützen." Das Unternehmen werde voll mit den ermittelnden Behörden kooperieren.

Ermittlungen laufen

Nach dem Absturz hatte Virgin Galactic mitgeteilt, bei dem Testflug habe es eine "ernsthafte Unregelmäßigkeit" gegeben, jedoch ohne Details zu nennen. "SpaceShipTwo" war von einem Flughafen rund 150 Kilometer nördlich von Los Angeles abgehoben. Es wurde vom Trägerflugzeug "WhiteKnightTwo" in die Höhe gebracht und dann ausgeklinkt. Dem Nachrichtensender CNN zufolge kam es kurz darauf zu einem Problem. Die US-Flugkontrollbehörde FAA teilte mit, nach der Abkoppelung den Kontakt zu dem Raumflugzeug verloren zu haben. Sie ermittelt nun ebenfalls. Das Mutterflugzeug hingegen landete sicher.

Bilder vom Absturz

Spaceship

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Das "SpaceShipTwo" hatte seinen ersten Testflug im Frühjahr 2013 absolviert und war seitdem mehr als 30 mal probeweise im Einsatz. Der Flug am Freitag war der erste Test des Raumgleiters mit Raketenzündung seit Jänner. Berichten von Experten zufolge wurde diesmal eine andere Treibstoffmischung genutzt, die zuvor aber ausgiebig getestet worden sein soll. Insgesamt war es der 55. Testflug. Die maximale Flughöhe sollte 110 Kilometer betragen, also knapp über der Grenze zum Weltraum. Diese liegt bei einer Höhe von 100 Kilometern.

Die rund 18 Meter lange Passagierraumfähre flog laut Virgin Galactic mit Geschwindigkeiten von bis zu 4.200 Kilometern pro Stunde. Sie sollte ab dem kommenden Jahr Weltraumflüge für Privatpersonen anbieten. Die Maschine bot Platz für zwei Piloten und sechs Passagiere, die bei dem Trip die Schwerelosigkeit erleben sollten. Nach Angaben von Branson hatten bereits 700 Interessierte Tickets für die kurzen Flüge ins All gekauft, darunter angeblich auch Stars wie Tom Hanks und Angelina Jolie.

"Cygnus" explodierte

Der Unfall ist der zweite schwere Rückschlag für die private Raumfahrt binnen weniger Tage. Erst am Dienstag war der unbemannte Raumtransporter "Cygnus" Sekunden nach dem Start im Bundesstaat Virginia explodiert. Er sollte rund 2,3 Tonnen Nachschub für die Internationale Raumstation ISS ins All bringen.

"Herber Rückschlag"

Nun steht die Zukunft des Weltraumtourismus infrage. Als "herben Rückschlag für die bemannte private Raumfahrt" bezeichnete der Raumfahrtexperte Gernot Grömer vom Österreichischen Weltraum Forum (ÖWF) den Absturz von "SpaceShipTwo". Die Folgen des Unglücks für die bemannte Raumfahrt seien noch schwer abzuschätzen, "aber diese Woche wird im Weltraumsektor bereits jetzt als 'Bauchschuss' in dieser noch jungen Branche bezeichnet", so ÖWF-Obmann Grömer.

"Wir werden im nächsten Jahr und wahrscheinlich in den Jahren danach keine kommerziellen Flüge für Touristen ins All sehen", sagte Raumfahrtexperte Marco Caceres von der Beratungsfirma Teal Group. Virgin Galactic sei bisher "bei Weitem" führend im Bereich des Weltraumtourismus gewesen, nun werde sich der Start der ersten Touristen wohl um Jahre verzögern.

Private Firmen erobern das All

Seit Jahren spielen private Unternehmen eine immer größere Rolle - vor allem seitdem die US-Raumfahrtbehörde NASA ihre Shuttle-Flotte 2011 eingemottet hat. Manche Projekte allerdings klingen noch wie "Zukunftsmusik".

SPACE X: Der Selfmade-Milliardär Elon Musk sandte 2012 mit seiner 3.000-Mitarbeiter-Firma die erste private Raumfähre zur Internationalen Raumstation ISS und läutete damit eine neue Ära ein. Der Raumfrachter "Dragon" versorgt die Astronauten mit Vorräten, Ersatzteilen und technischer Ausrüstung. Bis 2016 sind insgesamt zwölf Missionen geplant, der Auftrag hat einen Gesamtwert von umgerechnet mehr als einer Milliarde Euro.

ORBITAL SCIENCES: Das 1982 gegründete Unternehmen mit Sitz im US-Bundesstaat Virginia hat gerade einen unbemannten Raumfrachter vom Typ "Cygnus" verloren. Die Rakete, die den Frachter zur ISS bringen sollte, explodierte Ende Oktober nur Sekunden nach dem Start an der Ostküste der USA. Seit 2013 hatte es drei erfolgreiche Flüge gegeben. Das Unternehmen mit knapp 3.000 Angestellten setzte im vorigen Jahr umgerechnet 1,1 Milliarden Euro um.

BOEING: Der US-Flugzeuggigant entwickelt gegenwärtig das Raumschiff "CST-100". Es wird mithilfe einer Atlas-5-Rakete ins All geschickt und kann bis zu sieben Passagiere oder eine Kombination aus Passagieren und Ausrüstung transportieren. Mithilfe von Fallschirmen und Airbags soll "CST-100" auf Festland oder im Meer landen können und bis zu zehn Mal wiederverwendbar sein.

MARS ONE: Die private Stiftung mit Sitz in den Niederlanden will den Mars besiedeln, schon 2025 sollen die ersten Menschen dort landen. Ein echtes "Himmelfahrtskommando", denn eine Rückkehr zur Erde ist ausgeschlossen. Dennoch gibt es bereits mehr als 200.000 Bewerber aus 140 Ländern. Fachleute zweifeln allerdings an der technischen Umsetzbarkeit und halten das Projekt für unseriös.

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