© APA/Stephan Jansen

Skandinavien
12/02/2013

Schweden braucht weniger Häfn

Das nördliche Land schließt vier Haftanstalten und setzt vermehrt auf Rehabilitation.

Schweden macht es anders: Das skandinavische Vorzeigeland will vier Haftanstalten schließen. Laut Informationen des Guardian ist die Zahl der Häftlinge in den vergangenen Jahre dermaßen zurückgegangen, dass die Schließung Sinn macht. Die Häftlingszahlen sind demnach zwischen 2011 und 2012 um sechs Prozent gefallen und die Prognose schaut gut aus. Nils Öberg, Leiter der schwedischen Gefängnisse und Bewährungshilfe, hofft, dass der Rückgang mit dem liberalen Zugang im schwedischen Strafvollzug zusammenhängt und mit dem Fokus auf Rehabilitation. Er bleibt dabei aber auch realistisch.

Öberg zumGuardian: „Wir hoffen, dass unsere Investitionen in Rehabilitation und Verbrechensprävention dafür mitverantwortlich sind, aber wir glauben nicht, dass das die gesamten sechs Prozent erklären kann.“

Ein Grund für den Rückgang an Häftlingen könnte sein, dass die Gerichte für diverse Drogendelikte milder strafen als noch vor ein paar Jahren - Grund ist eine Höchstgerichtsentscheid. Die Folge sind mehr Bewährungs- und weniger Haftstrafen.

Die Option, zwei Haftanstalten im Bedarfsfall wiederzuöffnen, wollen sich die Schweden aber offen halten, so der Guardian. Öberg: „Wir sind noch nicht an dem Punkt, dass wir einen langfristigen Trend ausmachen.“

10,2 Millionen Häftlinge weltweit

10,2 Millionen Menschen sitzen weltweit im Gefängnis. Dies zeigt eine Ende November veröffentlichte Studie des Londoner Internationalen Zentrums für Gefängnisstudien (ICPS). Mehr als ein Fünftel aller Häftlinge sitzt in US-Gefängnissen, die damit ihren Spitzenplatz in der Statistik klar behaupten.

In absoluten Zahlen liegen die USA mit 2,22 Millionen Häftlingen vor China (1,64 Millionen) und Russland 680.000. Auf 100.000 Einwohner kommen in den USA 716 Häftlinge, während es in China nur 121 sind. Allerdings sind in dieser Zahl rund 650.000 Personen, die in chinesischer "Verwaltungshaft" sitzen, nicht berücksichtigt.

Betrachtet man die Häftlingszahlen pro Kopf, liegen mehrere kleine Inselstaaten wie St. Kitts & Nevis (714 Häftlinge pro 100.000 Einwohner) oder die Seychellen (709) im vordersten Feld. Vergleichsweise hoch ist die Häftlingspopulation auch in Kuba (510) und Russland (475). Der weltweite Durchschnitt liegt bei 144 Häftlingen pro 100.000 Einwohner.

Österreich und EU

Der Wert für Österreich ist 98 Häftlinge pro 100.000 Einwohner (insgesamt 8.273 Häftlinge). Damit liegt Österreich genau im Durchschnitt der westeuropäischen Staaten.

Spitzenreiter innerhalb der EU sind die baltischen Staaten Litauen (329 Häftlinge pro 100.000 Einwohner), Lettland (304) und Estland (238). Den niedrigsten Wert aller 28 EU-Staaten verbucht Slowenien (66).

Ergebnis "Besorgnis erregend"

ICPS-Direktor Peter Bennett bezeichnete das Ergebnis der bereits zum zehnten Mal durchgeführten Studie in einer Aussendung als "Besorgnis erregend". Die Häftlingspopulation nehme nämlich weltweit zu, obwohl es erwiesen sei, dass Haft nicht nur "äußerst kostspielig", sondern "auch unangemessen und ineffektiv für die meisten Häftlinge" sei. Das ICPS rufe die Regierungen daher auf, nach Alternativen für die Haft zu suchen.

Die Zahlen in der Studie wurden in Zusammenarbeit mit den nationalen Gefängnisverwaltungen und internationalen Organisationen erhoben. Die meisten Daten beziehen sich auf den Zeitraum zwischen September 2011 und September 2013, erläuterte das ICPS

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