Shell-Bohrinsel auf Grund gelaufen

Shell Arctic Drill Ship
Foto: AP/PA3 Jon Klingenberg Ölbohrinsel Kulluk der Royal Dutch Shell.

Die "Kulluk" hat mehr als eine halbe Million Liter Diesel geladen.

Vor der Küste Alaskas ist eine Bohrinsel des Ölkonzerns Shell auf Grund gelaufen. Die "Kulluk" habe sich bei stürmischer See von einem Schlepper losgerissen und sei auf der unbewohnten Insel Sitkalidak an der Südküste Alaskas gestrandet, berichteten US-Medien am Mittwoch. Alle 18 Arbeiter konnten in Sicherheit gebracht werden. Ersten Untersuchungen zufolge war die "Kulluk" nach dem Unglück in der Nacht zum Dienstag (Ortszeit) unversehrt. Es sei zunächst kein Öl ausgelaufen, sagte ein Sprecher der lokalen Umweltbehörde.

Die Bohrinsel war auf dem Weg zu Wartungsarbeiten in Seattle, als das Unglück passierte. An Bord der Plattform befanden sich rund 570.000 Liter Diesel, Öl und Treibstoff. Experten und Mitarbeiter der Küstenwache sollen nun zur "Kulluk" gebracht werden, um sie noch einmal genauer zu untersuchen und zu verhindern, dass ihre Ladung ins Meer läuft. Beides wurde aber am Mittwoch zunächst weiter von stürmischer See mit bis zu zehn Meter hohen Wellen erschwert.

Shell Artic Drill Ship Foto: AP Die Aiviq sollte die Bohrinsel abschleppen In dem Archipel, wo die "Kulluk" strandete, leben den Berichten zufolge unter anderem Bären, zahlreiche Vogel-Arten und eine vom Aussterben bedrohte Seelöwen-Art. Umweltschützer protestierten Lokalmedien zufolge in Alaskas größter Stadt Anchorage. Sie warnten vor einer Umwelt-Katastrophe und forderten, die Öl-Förderung vor Alaska zu stoppen.

In der Schusslinie

Shell hatte mit seinen Plänen im vergangenen Jahr Umweltschützer und Bewohner der sensiblen Region gegen sich aufgebracht. Sie befürchten, dass der Konzern die Risiken einer Ölförderung im Golf von Alaska unterschätzt. Seit der Explosion der "Deepwater Horizon" des Shell-Rivalen BP und der anschließenden Ölkatastrophe im Golf von Mexiko haben die Ölmultis in den USA verstärkt mit Widerstand zu kämpfen.

Die Unglücksstelle der "Kulluk" liegt zudem nur wenige hundert Kilometer westlich vom Prinz-William-Sund, wo am 24. März 1989 das Schiff "Exxon Valdez" auf ein Riff gelaufen war und rund 40000 Tonnen Rohöl verloren hatte. Küstengewässer und Küste wurden verseucht. Hunderttausende Tiere verendeten. Das Unglück gilt als eine der schlimmsten Ölkatastrophen weltweit.

Reaktion

Greenpeace: Ölbohrpläne in der Arktis aufgeben

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace fordert die Errichtung eines UN-Schutzgebietes in der Arktis, in dem Ölbohrungen und industrielle Fischerei verboten sind. Der Unfall des Shell-Bohrschiffs "Kulluk" verdeutliche nur die Bedrohung des sensiblen Ökosystems. Das riesige Gefährt hatte sich in den vergangenen Tagen zweimal von einem Schleppschiff losgerissen und ist dann auf Grund gelaufen.

 "Obwohl das Bohrschiff laut Shell für extreme Einsätze in der Arktis ausgestattet ist, hat ein Sturm ausgereicht, um es zum Kentern zu bringen. Dieser Zwischenfall zeigt deutlich, dass es die von Shell propagierte Sicherheit in Verbindung mit Ölbohrungen nicht gibt", kritisierte Greenpeace am Mittwoch.

Weltweit haben schon mehr als 2,3 Millionen Menschen die Greenpeace-Petition zum Schutz der Arktis unterschrieben.

Bilder

Die schlimmsten Ölkatastrophen

Erst 2010 hatte eine Explosion auf der Bohrinsel "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko eine der schlimmsten Ölkatastrophen der Geschichte ausgelöst. Auch hier war war Erdgas ausgeströmt, bei dem Feuer kamen elf Menschen ums Leben. Zwei Tage nach der Explosion sank die Bohrinsel, und bis zu einer Million Tonnen Rohöl strömten innerhalb der folgenden drei Monate ins Meer. Nach Einschätzungen von Experten wird die gesamte Region noch Jahrzehnte unter den Folgen leiden. Im Golf von Mexiko hatte sich schon 1979 eine der größten Ölkatastrophen der Geschichte abgespielt:  Am 3. Juni explodierte die mexikanische Plattform Ixtoc I. Fast ein Jahr brauchten die Einsatzkräfte, um das Bohrloch zu schließen. 1,4 Millionen Tonnen Rohöl flossen in dieser Zeit aus. Überhaupt war das Jahr 1979 ein schlechtes Jahr für Umweltschützer: vor der französischen Bretagne krachte der Öltanker "Amoco Cadiz" nach einem Ruderdefekt auf einen Felsen. und schlug Leck. 223.000 Tonnen Rohöl liefen aus und verseuchten weite Teile der wilden und unberührten Küste. Das Unglück gilt bis heute als schlimmste Ölpest in Europa. Im gleichen Jahr kam es zum bislang schlimmsten Öltanker-Unfall: Die beiden Tanker "Atlantic Empress" und "Agean Captain" gerieten vor der Küste Tobagos in einen tropischen Sturm, kollidierten und gerieten in Brand. Bis zu 300.000 Tonnen Öl gelangten damals ins Meer.(Im Bild: Öl-Raffinerie der PETROTRI in Tobago) Viele der auf den Weltmeeren fahrenden Öltanker sind hoffnungslos veraltet und immens anfällig für Defekte. So ist etwa die Exxon Valdez, die 1989 vor der Küste Alaskas auf ein Riff auflief, unter anderem Namen bis heute im Einsatz.Beim damaligen Unglück traten 40.000 Tonnen Öl aus und verursachten eine der schlimmsten Umweltkatastrophen der Seefahrt. Mehr als 2.000 Kilometer Küste wurden vom auslaufenden Öl verseucht, hunderttausende Vögel, Fische und andere Tiere verendeten qualvoll. Dass auch schadhafte Pipelines zu Umweltkatastrophen führen können, zeigte sich in Russland. Über viele Jahre floss Öl aus einer der Zehntausend Kilometer langen Leitungen, die Russlands Taiga durchziehen. Als man die Lecks 1994 entdeckte, sprachen offizielle Stellen von 14.000 Tonnen, die ausgeflossen seien. Die Moskauer Nachrichtenagentur Interfax dagegen sprach vom zwanzigfachen. Die schlimmste Ölpest der Geschichte wurde allerdings ganz bewusst ausgelöst:Während des Irakkrieges 1991 setzten irakische Truppen über 700 kuwaitische Ölfelder in Brand. Zudem wurden zahlreiche Lagerstätten bombardiert sowie große Tanks geöffnet, so dass sich gigantische Mengen Öl in den persischen Golf ergossen. Rund eine Million Tonnen Öl verpesteten damals einen Küstenabschnitt von 560 Kilometern Länge. Die brennenden Ölfelder waren sogar vom All aus sichtbar.
(APA / sho, dk) Erstellt am
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