Chronik | Welt
07.09.2017

Secret Hitler: Brettspiel hebt seit Trump ab

Ein Brettspiel, in dem "Liberale" den Aufstieg von "Faschisten" aufhalten müssen, verkauft sich in den USA seit Donald Trumps Wahlantritt besser.

Zeitgleich mit den Verkäufen dystopischer Literatur schossen offenbar auch die Verkaufszahlen eines umstrittenen Brettspiels namens "Secret Hitler" in die Höhe. Beides fiel zeitlich mit der Kandidatur von Donald Trump zum Präsidenten der USA zusammen, berichtet die New York Times.

Secret Hitler wurde auf der Crowdfunding-Plattform kickstarter finanziert und stammt aus der Feder von Max Temkin. Temkin ist Spieldesigner, der mit dem politisch inkorrekten Kartenspiel "Cards Aagainst Humanity" bekannt geworden ist. Entworfen hatte er Secret Hitler noch vor der offiziellen Kandidatur Hillary Clintons, also zu einer Zeit, als Trump noch als chancenlose Randfigur galt.

Temkin verriet der NYT, dass er dachte: "Es ist schade, dass Trump nicht mehr relevant sein wird, wenn das Spiel erscheint. Er wäre ein großartiger Marketing-Ansatz." Es kam bekanntermaßen anders.

Das Spiel ist prinzipiell simpel. Fünf bis zehn Spieler in zwei Teams, eine Mehrheit von "Liberalen" und ein kleineres Team von "Faschisten", müssen mit sozialer Detektivarbeit bzw. skrupelloser Lügerei herausfinden und verschleiern, wer in der Runde eigentlich zu wem gehört ist. Die entsprechenden Personen müssen dadurch jede Runde an die Macht oder aus dem Spiel wählen. Wird jener Faschist in der Runde, dem die Rolle von "Hitler" zugelost wurde, zum Kanzler gewählt, ist das Spiel für die Liberalen verloren. Die Regeln sorgen dafür, dass zu Beginn jeder zu wenig weiß und das Verhalten seiner Mitspieler entschlüsseln muss.

Provokation mit Nazis gegen Faschismus

Das Spielprinzip ähnelt Gesellschaftsspielen wie Werwolf und bekommt durch die Verwendung von Hitlers Namen eine politisch inkorrekten Schlagseite, der sicher nicht jedermanns Sache ist. Nazi-Symbole werden nicht verwendet. "Hitlers" Konterfeit ist das einer verschlagen dreinblickenden Echse. Trotzdem erzeugt der Titel des Spiels und die Rolle im Spiel natürlich eine Kontroverse, die die Entwickler einerseits für ihr Marketing nutzen, andererseits aber auch für politische Kritik an der Regierung.

Auf der Webseite des Spiels weisen sie darauf hin, dass man sich bei Beschwerden über Faschismus an das Weiße Haus oder die lokalen Repräsentanten wenden sollte. Auch ein Erweiterungspaket mit unter anderem den Gesichtern Steve Bannons und Donald Trumps war erhältlich: "Was wirst du zuerst machen? Einen verfassungsfeindlichen Bann gegen Muslime? Dich von Klimapakten zurückziehen? Den FBI-Direktor entlassen? Die einzige Grenze ist die deiner Vorstellungskraft", heißt es dort. Die Profite daraus gingen an die liberale Amerikanische Bürgerrechtsunion (ACLU).

Das Spiel ist hierzulande im Handel normalerweise nicht erhältlich, lässt sich aber online erwerben und - ganz mit offizieller Erlaubnis der Entwickler - auch selbst ausdrucken und zusammenbasteln (eine Anleitung dazu finden Sie hier).