Chronik | Welt
20.07.2017

Russland prüft Fidget Spinner

Das Spielzeug soll von der Opposition zur Verbreitung ihrer Botschaften eingesetzt werden.

Fidget Spinner sind der Sommertrend bei Kindern und Jugendlichen. Ob im Bus oder im Schwimmbad, überall sieht man die bunten Scheiben, die auf den Fingern gedreht werden. Frei übersetzt bedeutet Fidget Spinner "Zappel-Kreisel". Eine andere mögliche Übersetzung von Fidget ist "Unruhe". Russische Behörden nehmen diese offenbar wörtlich. Die Verbraucherschutzbehörde Rospotrebnadzor kündigte am Dienstag an, das Spielzeug einer wissenschaftlichen Untersuchung zu unterziehen. Es sollen mögliche Gesundheitsgefahren untersucht werden.

Anstoß dafür ist ein spekulativer Bericht des TV-Sender Rossja24. Der staatliche Nachrichtensender bezeichnete das Drehen als eine "Art von Hypnose", es habe negative Effekte auf die Psyche und mache "anfällig für Manipulationen" . Der Moderator warnt: Der Spinner schalte kritisches Denken aus. Möglicherweise sei es auch kein Zufall, dass Fidget Spinner besonders bei Kundgebungen der Opposition "aggressiv" vermarket werden.

Theorien über Wirkung

Bei den Effekten der handtellergroßen Kreuzung aus Ninja-Stern und Kreisel sind die Meinungen gespalten. Wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse gibt es kaum, bloß Theorien. Eine sagt der Beschäftigung mit einem Fidget Spinner eine Steigerung der Konzentration nach. Vereinzelt wurden positive Effekte bei Kindern mit Aufmerksamkeitsdefiziten festgestellt. Außerdem sei Bewegung ein Teil des Denkprozesses – mit dem Fidget Spinner spielen sei ein Äquivalent zum Kritzeln und könnte die Kreativität steigern. Eine weitere Theorie ist, dass der Ritualcharakter des Drehens Voraussehbarkeit und Sicherheit vermittelt. Ähnlich einem Stressball könnte der Spinner so in Angstsituationen beruhigen. Manipulative Effekte, wie von russischen Behörden angedeutet, sind bisher weder thematisiert noch festgestellt worden.