Chronik | Welt
20.04.2018

Rom sagt Ramsch-Läden und Imbissbuden den Kampf an

„Feldzug gegen Kebab“: Mit dem Verbot von Neueröffnungen soll das Stadtbild verbessert werden. Der Plan ist umstritten.

Rom ist auf dem Weg, der größte Freiluft-Souk Europas zu werden“, kritisieren die Blogger der Webseite „Roma fa schifo“ (Rom ist abscheulich).

Seit Jahren listen sie akribisch die Versäumnisse der Stadtverwaltung auf, die den Verfall des „decoro“, des Erscheinungsbildes, der Hauptstadt beschleunigten.

Dorn im Auge sind billige Souvenirläden, Minimärkte, Pommesbuden, Burger-Pizza-Kebab-Lokale und Internet Points, die in den vergangenen Jahren wie Pilze aus dem Boden schossen.

Bürgermeisterin Virginia Raggi von der Fünf Sterne-Bewegung hat nun einen Eröffnungsstopp für die nächsten drei Jahre für neue Billigshops, Kebab-Lokale und Internet-Points in der Innenstadt erlassen.

Die Entscheidung sorgt für Kontroversen, Kritiker sprechen von einem „Feldzug gegen Kebab“.

„Verschiedene Kulturen und Küchen machen ja das Flair einer Großstadt aus. Kein Couscous, Kebab, Döner und keine Peking-Ente, was soll das?“, empört sich Studentin Marcella.

„Kitschige Auslagen“

Doch nicht nur der ausländischen Gastro-Szene geht es an den Kragen.

Die Stadtverwaltung will die Zahl der großteils von asiatischen Migranten betriebenen Spielhallen, Sex Shops, Massagezentren und Lebensmittelgeschäfte einschränken, die rund um die Uhr geöffnet sind.

„Wir wollen die Altstadt nicht auf einen Souk (orientalischer Markt) reduzieren, mit kitschigen Auslagen voll Ausschussware und 24 Stunden blinkenden LED-Lichtern“, betonte der für Handel zuständige Stadtrat, Adriano Meloni.

"Made in Italy"

Grünes Licht soll es hingegen für Qualitätsprodukte „Made in Italy“ geben. Hand- und Kunstwerkstätten, Antiquitätenläden, Buchhandlungen, Ateliers, die hochwertige und einzigartige Produkte anbieten, werden laut Meloni gerne gefördert.

„Das kann ich nur begrüßen“, freut sich Robert, der täglich in die Innenstadt zur Arbeit pendelt. Die Ramschläden gehen ihm schon lange auf die Nerven.

„Ich esse gerne Ethno-Küche, aber nicht Fast Food mit billigem Fleisch und aus Produkten, wo du nicht weißt, woher sie stammen“, so der Italiener.

Ursprünglich waren es Politiker der ausländerfeindlichen Lega, die einen Feldzug gegen die „Kebabisierung“ Italiens starteten.

Die toskanische Stadt Lucca ließ als erste vor zehn Jahren mit einem Verbot von Ethno-Lokalen aufhorchen. Die Verwaltung gab an, „die gastronomische Tradition und die architektonischen Eigenschaften“ des historischen Stadtkerns bewahren und dessen Verschmutzung entgegenwirken zu wollen.

Laut Vorschrift muss jedes Restaurant nun mindestens ein typisches Gericht der Region anbieten. Kritiker und linke Politiker lehnen das als „Gastro- Rassismus“ ab.

Vorbilder

Auch die Touristen-Hochburgen Venedig und Florenz starteten vor einem Jahr eine Initiative gegen Kebab- und Fast-Food-Restaurants sowie 24 Stunden geöffnete Lebensmittelgeschäfte.

Beide Städte haben ein Verbot für die Eröffnung neuer Lokale dieser Art verhängt.