Chronik | Welt
13.03.2014

MH370: Wo ist das Flugzeug?

Am Samstag um 1.07 Uhr verschwand die Boeing 777-200ER der Malaysia Airlines. Es gibt vier Theorien.

Das mysteriöse Verschwinden der Boeing 777-200ER der Malaysia Airlines mit 239 Menschen an Bord, davon zwölf Besatzungsmitglieder, ist in der Geschichte der Luftfahrt einzigartig. Das gibt breiten Raum für Spekulationen. Denn fast eine Woche, nachdem die Maschine verschwand, sind auch Experten ratlos.

Theorie 1 Absturz

Am wahrscheinlichsten ist, dass die Maschine auf ihrem Weg von Kuala Lumpur nach Peking irgendwo im Meer abgestürzt ist. Das hieße: Das Flugzeug liegt unter Wasser und dort werden Radiowellen stark gedämpft. Wäre die Maschine irgendwo vom Kurs abgekommen und beispielsweise über Borneo im Dschungel abgestürzt, hätte man das über die Notfallsender registriert. Unter Wasser breiten sich Radiowellen aber kaum aus. Erschwerend kommt dazu, dass die Trümmer, um die es geht, maximal zwei bis drei Meter groß sind. Die muss man zwischen den Wellen erst sehen. Deshalb hofft man jetzt auf die Auswertung von Satellitenbildern. Der deutsche Luftfahrt-Experte Heinrich Großbongardt geht davon aus, dass die Suche noch einige Wochen dauern kann.

Theorie 2 Entführung

US-Luftfahrt- und Geheimdienstexperten glauben, dass die MH370 noch vier Stunden in der Luft war, nachdem der Kontakt zur Maschine abgebrochen war. Das berichtete am Donnerstag das Wall Street Journal. Die Regierung in Malaysia wies diese These zurück. Die Amerikaner sagen, dass die Triebwerke der Maschine automatisch Daten gefunkt haben, insgesamt sei die Maschine fünf Stunden in der Luft gewesen, eine Stunde nach dem Start ging der Kontakt verloren. Theoretisch hätten die Piloten den Kurs verändern können. Eine Theorie besagt, dass sie vielleicht irgendwo in Pakistan gelandet wären. Die US-Antiterrorspezialisten überprüfen die Möglichkeit, dass einer der Piloten oder ein anderer Insasse des Flugzeugs die Maschine an einen unbekannten Ort entführt haben könnten. Dazu hätten sie die Transponder zur automatischen Sendung von Flugdaten abgeschaltet, um der Radarüberwachung zu entkommen. Die Ermittler verfolgten die Theorie, dass die Maschine umgeleitet worden sei, "um sie später für einen anderen Zweck" zu nützen, schreibt das Wall Street Journal. Mit der Maschine könnte also noch ein Terroranschlag verübt werden.

Theorie 3 Terror

Neben der Entführungsthese wird auch immer wieder ein Terroranschlag vermutet. Zwei junge Iraner hatten mit falschen Pässen in Kuala Lumpur eingecheckt. Ihre EU-Pässe wurden einem Salzburger und einem Italiener in Thailand gestohlen. Doch die Behörden versichern, dass die beiden Iraner vermutlich keine Verbindungen zu Terrororganisationen haben.

Ihnen ist aber nicht mehr zu trauen. Denn die chaotische Informationslage und die vielen widersprüchlichen Aussagen haben international Kritik an den malaysischen Ermittlern ausgelöst. Der chinesische Regierungschef Li Keqiang verlangte, die Suche zu verstärken. An Bord der Boeing waren 154 chinesische Staatsbürger.

Theorie 4 Technischer Defekt

Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat im September 2013 "vor Rissen und Korrosion" bei Flugzeugen der Boeing 777-Familie gewarnt. Die Probleme könnten zu einem "plötzlichen Druckabfall" in der Kabine führen. Das würde auch die Theorie erklären, warum die Maschine noch vier Stunden weiterflog. Auf Autopilot – bis das Kerosin ausging und der Vogel abstürzte. Die Risse könnten aber laut FAA auch zu einem Auseinanderbrechen des Flugzeugs in der Luft geführt haben. Erst am 5. März, drei Tage vor dem Verschwinden der Maschine, wurde die Direktive erlassen, die Flieger darauf zu testen, offiziell in Kraft tritt sie am 9. April. Die Suche nach der verschwundenen Maschine dauert an.

Boeing

777-200ER 63,7 Meter Länge und eine Spannweite von 60,9 Metern machen die Maschine zu einem der größten Passagierflieger mit zwei Triebwerken. 14305 Kilometer beträgt die Reichweite der 777-200ER. 3 Menschen starben bisher an Bord einer Boeing 777 als Folge eines Unfalls. 18 Jahre lang transportieren "Triple Sevens" bereits Passagiere.