Chronik | Welt
18.10.2017

Prozess: Sechs Teenager starben durch Kohlenmonoxid

Ein für Innenräume nicht zugelassener Stromgenerator hatte giftiges Gas ausgestoßen, während Jugendliche in einer Laube in Arnstein Geburtstag feierten. Vater fand die 18 und 19 Jahre alten Opfer am nächsten Tag - darunter seine Tochter und seinen Sohn.

Nach dem tragischen Tod von sechs Teenagern in einer Gartenlaube im unterfränkischen Arnstein hat am Mittwoch der Prozess gegen den Vater zweier Opfer begonnen. Er muss sich wegen fahrlässiger Tötung in sechs Fällen vor dem Landgericht Würzburg verantworten.

Dem Vater gehört die Gartenlaube im Landkreis Main-Spessart, in der die jungen Leute bei einer Geburtstagsfeier Ende Jänner an Kohlenmonoxidvergiftungen starben. Ein in einem Nebenraum des Häuschens aufgestellter Stromgenerator hatte das giftige Gas ausgestoßen. Das benzinbetriebene Gerät ist allerdings nicht für Innenräume zugelassen. Der Vater habe in nicht nachvollziehbarer Nachlässigkeit die Warnhinweise missachtet, wirft die Staatsanwaltschaft dem Mann vor.

Wackelige Konstruktion fiel zu Boden

Zudem habe er äußerst unfachmännisch versucht, die zu erwartenden Abgase mit einer wackeligen Konstruktion nach außen zu leiten. Diese war jedoch - vermutlich im Laufe des Abends - zu Boden gefallen. Deshalb konnten sich die Abgase ungehindert in der Hütte verteilen. Das tückische an dem tödlichen Gas ist, dass es weder gerochen noch geschmeckt werden kann.

Der Vater selbst fand die 18 und 19 Jahre alten Opfer am nächsten Tag in der abgelegenen Laube, darunter seine Tochter und seinen Sohn. Die Tochter war zwei Tage zuvor 18 Jahre alt geworden.

Vater äußerte sich bei Prozessauftakt umfassend

Zum Prozessauftakt hat sich der Besitzer des Häuschens umfassend zu den Hintergründen geäußert. "Nach wie vor bin ich fassungslos, wie und warum das passieren konnte. Ich begreife das einfach nicht", ließ der 52-Jährige am Mittwoch vor dem Landgericht Würzburg von seinem Verteidiger verlesen.

"Ich will aber keine Schuld von mir weisen", las Strafverteidiger Hubertus Krause weiter vor. Der Mann aus Arnstein steht wegen sechsfacher fahrlässiger Tötung vor Gericht. In seiner Gartenlaube starben im Jänner sechs Teenager an einer Kohlenmonoxidvergiftung, darunter zwei seiner eigenen Kinder. Schuld war ein im Technikraum des Häuschens aufgestellter Stromgenerator, der nicht für Innenräume geeignet war. Der Angeklagte sagte in seiner persönlichen Erklärung unter anderem, dass er die Abgasleitung extra fest installiert und vor dem Betrieb mehrfach erfolgreich getestet habe. Der neu gekaufte Generator sei bereits zu Silvester einwandfrei gelaufen.

Vater nahm an, Jugendliche würden schlafen

Er selbst hatte die Toten am Tag nach der Feier in der Laube entdeckt. Er habe zunächst angenommen, die jungen Leute hätten nur zu viel getrunken und würden deshalb noch schlafen. Erst Minuten später sei ihm klar geworden, dass "etwas Schreckliches passiert ist". Das Gericht muss nun entscheiden, wie der Mann dafür zur Verantwortung gezogen werden soll. Sollten die Richter seine Schuld feststellen, können sie sowohl eine Geldstrafe als auch eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren verhängen.

Es sind bisher drei Prozesstage angesetzt. Der Strafrahmen für fahrlässige Tötung beginnt bei einer Geldstrafe und endet bei einer fünfjährigen Haftstrafe.

Warum Kohlenmonoxid so tückisch ist

Das sehr giftige Kohlenmonoxid (CO) ist ein brennbares, farb- und geruchloses Gas. Es entsteht unter anderem, wenn Materialien wie Holz, Kohle oder Gas ohne genügend Sauerstoff verbrennen, etwa in geschlossenen Räumen oder bei defekten Heizanlagen. Bei der Lagerung von Holzpellets kann sich gleichfalls CO bilden, und auch an Stromaggregaten, die meist mit Diesel oder Benzin betrieben werden. Das Gas blockiert den Transport von Sauerstoff im Blut. Bei einer Vergiftung kommt es zu Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Bewusstlosigkeit bis hin zum Erstickungstod.

In Deutschland starben im Jahr 2015 insgesamt 648 Menschen an einer Kohlenmonoxidvergiftung. Auch in Österreich gibt es immer wieder Todesfälle. Meist sind defekte oder schlecht gewartete Gasthermen schuld. So wurden im Juli 2013 zwei junge Leute tot in einer privaten Almhütte im Lungau entdeckt. Die befreundeten Jugendlichen, eine 19-jährige Niederösterreicherin und ein 18-jähriger Salzburger, waren an CO-Gasen gestorben, verursacht von einer schadhaften Therme. Im September desselben Jahres kamen bei einem CO-Unfall in einem Wiener Einfamilienhaus drei Menschen ums Leben. Bei den Opfern handelte es sich um zwei Frauen, 45 und 33 Jahre alt, und einen eineinhalbjährigen Buben. Als Verursacher wurde eine schlecht gewartete Therme ausgemacht.