Guru gibt Opfer Mitschuld an Vergewaltigung

India Gang Rape
Foto: AP/Saurabh Das Studenten protestierten gegen Bapu.

Aufregung herrscht über die Aussage des Religionsführers. Zwei Angeklagte plädieren indes auf nicht schuldig.

Ein prominenter Hindu-Guru meinte, die junger Inderin, die nach einer Vergewaltigung starb, trage Mitschuld an ihrem furchtbaren Schicksal. Die Empörung darüber ist in allen Teilen des Landes dermaßen groß, dass die Proteste neu entfacht wurden. Guru Asaram Bapu sagte in einer Predigt: „Hätte sie Gottes Namen gerufen, hätte sie sie (die Angreifer) ‚meine Brüder‘ genannt, ihre Hände und Füße umklammert und gesagt, ‚ich bin eine hilflose Frau, Ihr seid meine Glaubensbrüder‘, dann wäre das nicht passiert.“ Eine Sprecherin des Gurus lehnte eine Entschuldigung ab, die Worte, die als Videobotschaft auf der Homepage des Ashrams abrufbar sind, seien aus dem Zusammenhang gerissen, und es stimme ja, „sie hätte einen diplomatischen Weg aus der Lage finden können“.

Von den fünf Vergewaltigern, denen die Todesstrafe durch Hängen droht, wollen zwei alle Vorwürfe zurückweisen. Ihr Anwalt M.L. Sharma kündigte an, die Beweismittel der Polizei infrage stellen zu wollen. „Es ist noch nichts bewiesen.“ Bei den zwei Männern handelt es sich um den Bruder des Busfahrers und einen Tagelöhner. Ein sechster Verdächtiger, der 17 Jahre alt ist, wird vermutlich vor ein Jugendgericht gestellt.

Proteste in Indien

Die Mitte Dezember in Neu-Delhi von mehreren Männern vergewaltigte Inderin ist an den Folgen ihrer Verletzungen gestorben. Die 23-jährige Medizinstudentin starb am am 28. Dezember in einem Krankenhaus in Singapur, wohin sie Tage zuvor zu einer Behandlung durch Spezialisten gebracht worden war. In Kalkutta strömten unzählige Menschen zusammen, um der jungen Frau zu Gedenken und für bessere Frauenrechte zu protestieren. Durch den Tod der jungen Frau könnten die Proteste im Land wieder aufleben. Neue Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstranten werden befürchtet. Schon in den vergangenen Tagen war es in Indien landesweit zu teils gewaltsamen Protesten gekommen. Der Regierung wird vorgehalten, zu wenig gegen den Missbrauch von Frauen zu tun. Frauenrechtlern zufolge werden in Indien Vergewaltigungen nur selten bestraft. Ministerpräsident Manmohan Singh wird vorgeworfen, gegenüber den Protesten taub gewesen und mit zu harter Hand vorgegangen zu sein. Am Samstag reagierte Singh: Er rief die Menschen im Land dazu auf, die durch den brutalen Fall wachgerüttelten Emotionen für einen gesellschaftlichen Wandel zu nutzen. "Sie mag ihren Kampf ums Überleben verloren haben, aber es liegt an uns sicherzustellen, dass ihr Tod nicht umsonst war."

(KURIER) Erstellt am
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