Begegnungen von Wanderern mit Braunbären haben sich in letzter Zeit in Polen gehäuft. „Du gehst nie allein“, warnt eine Kampagne
Begegnungen von Wanderern mit Braunbären haben sich in letzter Zeit in Polen gehäuft. „Du gehst nie allein“, warnt eine Kampagne

© REUTERS/INTS KALNINS

Kampagne

Polen: Bären-Pädagogik für Wanderer

Angesichts der wachsenden Braunbärenpopulation wurde eine Info-Kampagne gestartet.

08/14/2015, 04:00 AM

In den polnischen Bergen gibt es an manchen Kreuzungen Warnschilder – wenn ein Bärenpfad auf einen Wanderweg trifft. Nun soll eine landesweite Kampagne den Menschen besseren Umgang mit dem kräftigen Vierbeiner vermitteln. "Du gehst nie allein" steht warnend auf den Plakaten zu lesen, auf denen ein massiger Bär aus dem Unterholz schaut.

Braunbär und Mensch: Wenn sie einander begegnen, kann es zu Problemen kommen. Dies geschah in Polen in letzter Zeit immer wieder. Dank der Schutzbestimmungen konnte sich die Population der Tiere innerhalb von 40 Jahren um das Sechsfache vermehren. In Südpolens Bergen ist der Bestand an Braunbären mittlerweile auf mehr als 200 Exemplare angestiegen. Die meisten von ihnen leben im Bieszczady-Gebirge nahe der Ukraine.

Kinospots geplant

Die Initiative, den Bergwanderern Verhaltensregeln mit auf den Weg zu geben, geht vom "Tatra-Nationalpark" aus. Auch Kinospots zum Thema Bären-Pädagogik sind geplant. "Wenn wir in das Terrain des Bären geraten, müssen wir uns dessen bewusst sein, dass wir nur Gäste in seinem Haus sind. Das ist kein Schmusetier, sondern ein grimmiger und gefährlicher Gastgeber", erklärt Szymon Ziobrowski, Direktor des Nationalparks in der Hohen Tatra, der auch von Touristen aus dem Ausland besucht wird. Auch bei Wanderern aus Österreich erfreut sich der Nationalpark zunehmender Beliebtheit.

Vor allem Essbares irritiere den "Gastgeber", sagt Szymon Ziobrowski. Die immer zahlreicher werdenden Besucher sollten Bären nicht füttern und keine Nahrungsmittel liegen lassen, erklärt der Experte. Dank ihres feinen Geruchsinns spüren Braunbären Essen auch in Autos auf. Wegen ihrer Kraft und Intelligenz können die bis 300 Kilogramm schweren Tiere dann so lange auf dem Autodach herumspringen, bis die Scheiben bersten und sie ans Futter herankommen.

Normalerweise meiden Bären den Kontakt zu Menschen. Gewöhnen sich die Tiere jedoch an die menschliche Nähe, können sie aggressiv werden, so die Verwarnung der Nationalparkleitung. Wegen einer Bärin, die diese Distanz verloren hatte, mussten einige Jahre lang in einem Tal die Wege abends gesperrt werden.

"Resozialisierung"

Die Parkleitung ist um die "Resozialisierung" der Touristen und der Bären bemüht. Die meisten Abfallbehälter wurden abgeschafft, damit Bären gar nicht erst angelockt werden. Die verbliebenen Müllkübel wurden mit einem speziellen Verschluss und einem Elektrozaun gesichert.

Braunbären können auch angreifen, wenn sie überrascht werden. Im Bieszczady-Gebirge überlebte ein Wanderer im März eine Bären-Attacke nur mit Kratzern, weil er sich richtig verhalten hatte: Er blieb ruhig, legte sich auf den Boden, hielt sich schützend die Hände über das Gesicht und schrie nicht.

Älteste Bärin starb

In Italien ist unterdessen Europas älteste Braunbärin gestorben. Die in den Wäldern des Trentino lebende "Bel" starb mit 48 Jahren. Mitarbeiter des Naturparks von Spormaggiore fanden den Kadaver. Braunbären werden im Durchschnitt 25 bis 30 Jahre alt. "Bel" soll ausgestopft und in einem Museum in Trient ausgestellt werden.

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