Die Flieger-Helikopter Ospreys bringen tonnenweise Hilfsgüter in die Provinz Leyte

© Reuters/WOLFGANG RATTAY

Nach dem Sturm
11/15/2013

Hubschrauber landen im Minutentakt

Die internationale Hilfswelle rollt - weiter Sorge um Österreicher im Katastrophengebiet. Zahl der Toten steigt auf 4460.

von Susanne Bobek, Raffaela Lindorfer

Hier landen jetzt Hubschrauber im Minutentakt, die Hilfspakete rausfliegen“, sagte Mark Rösen, ein deutscher Helfer, am Donnerstag in Tacloban. Die verwüstete Stadt ist eines der Basislager für die Verteilung der Hilfsgüter geworden. „Dass die Amerikaner jetzt da sind, hat die Stimmung gehoben,“ sagt Caritas-Katastrophenhelfer Andreas Zinggl. Er ist in Cebu und will sich jetzt nach Panay durchschlagen. Die Versorgung der Menschen im nördlichen Cebu funktioniert schon einigermaßen, hier gibt es auch keine Probleme, Benzin zu bekommen.

Anders ist die Situation auf den kleineren Inseln wie Bohul. Hier machte auch Edith Schossleitner, 55, aus Wals in Salzburg, Tauchurlaub, als der Taifun kam. Ihr Bruder Josef ist in höchster Sorge, denn seit Freitag hat er nichts mehr gehört und davor nur, dass sie und ihr Lebenspartner wegen eines Erdbebens auf schlechten Straßen Umwege zum Hotel fahren mussten. Am Donnerstag gab es zu 14 Österreichern keinen Kontakt.

Die UNO korrigierte am Donnerstag die Zahl der Toten nach oben. Bestätigt seien 4460 Tote, sagte ein Sprecher in New York. Insgesamt seien 12 Millionen Menschen von der Katastrophe betroffen.

Koordinierte Helfer

Die internationalen Helfer, viele kommen aus Korea, Australien, Japan und Deutschland, verteilen sich deshalb in alle Richtungen. Während die Amerikaner mit äußerstem Einsatz die Transporte aus der Luft organisieren und Verletzte auf ihrem riesigen Lazarettschiff Mercy behandeln, versuchen vor allem die Rot-Kreuz-Logistiker wie der Oberösterreicher Georg Ecker in Panay die langfristige Wasserversorgung in Gang zu bringen. Er bekommt in den nächsten Tagen Verstärkung von zwei Kollegen aus Oberösterreich.

Der Flugzeugträger USS Washington ankert vor der Küste von Samar. Die 5000 Mann starke Crew unterstützt US-Navys, die vom Frachtschiff Charles Drew und von kleineren Schiffen aus operieren. Die Amerikaner setzen Black Hawks ein, die am Seil 1000 Kilo transportieren können, und V-22 Ospreys (Fischadler). Das sind Kipprotor-Wandelflugzeuge mit vertikaler Start- und Landefähigkeit, die erst seit acht Jahren eingesetzt werden.

Auf dem Flughafen von Cebu standen am Donnerstag mehr als ein Dutzend Frachtmaschinen aus aller Welt, die unter anderem Zelte, Medikamente und Fertighäuser anlieferten. Den philippinischen Behörden fehlen Lastwagen, um die Güter zu verteilen. Das Infrastrukturministerium appellierte daher an Unternehmer im ganzen Land, Lastwagen zur Verfügung zu stellen.

Kritik an Chinas Geiz

Im chinesischen Fernsehen wurde die Ankunft der USS Washington übertragen und Kritik an der Führung in Peking laut, die den Philippinen zunächst nur 100.000 Dollar Hilfe zugesagt hatte. Das US-Magazin Times fand das „beleidigend gering“ und schrieb, die zweitgrößte Volkswirtschaft erscheine in der Weltöffentlichkeit als „böswillig“. Auch die chinesische Staatszeitung Global Times warnte, dass der Status eines Landes nicht alleine von seiner militärischen und ökonomischen Macht abhänge, sondern auch von seiner „Soft Power“ bei Katastrophen. China streitet seit Jahren mit dem Philippinen über mehrere Inseln im Südchinesischen Meer. Die Hilfe wurde auf 1,2 Milliarden € erhöht.

Die Spendenkontos

- Österreichisches Rotes Kreuz: Erste Bank 40014400144, BLZ 20111,
Kennwort: Überflutungen Philippinen;
- Caritas: PSK 7.700.004, BLZ 60.000, Kennwort: Taifun Katastrophe;
- World Vision Österreich: Erste Bank Kto.-Nr 80080081800, BLZ 20111, Kennwort: Philippinen
- Diakonie Katastrophenhilfe: Erste Bank, Konto 28711966333, BLZ: 20111 Spendenzweck: Taifun, IBAN AT85 20111 287 119 66333, BIC GIBAATWWXXX;
- UNICEF: PSK 15 16 500, BLZ 60.000, Stichwort: Kinder Philippinen;
- Kindernothilfe Österreich: PSK 92144077, BLZ 60.000;
- Volkshilfe Solidarität: PSK 1.740.400 BLZ 60.000, Kennwort: Katastrophenhilfe, Spenden SMS an die Nummer 0676/800 70 80, Online Spenden möglich;
- Arbeiter-Samariter-Bund Österreichs: PSK: 00093 028 745, BLZ 60000, Kennwort: ASBÖ Auslandshilfe.

- Care Österreich: PSK 1236000, BLZ 60000, Kennwort: Nothilfe Philippinen.

- Hilfswerk Austria: PSK, BLZ 60.000, Kto.-Nr.: 90.001.002, IBAN AT 716 000 000 090 001 002, Kennwort: Philippinen

- Ärzte ohne Grenzen: PSK, BLZ: 60.000, Kto.-Nr.: 930 40 950, IBAN: AT62 60000 00093040950, Kennwort: Philippinen

Die Zerstörungen durch "Haiyan"

Katastrophe und Klimawandel: kein klarer Zusammenhang

Während die Menschen auf den Philippinen ums nackte Überleben kämpfen, beschäftigt Meteorologen und Klimaforscher folgende Frage: „Ist Haiyan eine Folge des von Menschen verursachten Klimawandels?“ Die Antwort lautet, nach derzeitigem Stand, nein.

Viele Forscher behaupten, dass sie eine Zunahme starker Stürme in den vergangenen Jahrzehnten beobachten. Erklärung: Die Erwärmung des Meerwassers über einen Wert von 26 Grad lässt große Mengen Wasser verdunsten, unter den Wolkenformationen bilden sich gigantische Tiefdruckgebiete, in die Luft nachströmt. Genauer untersucht wurde der Zusammenhang zwischen Klimawandel und der Intensität der Taifune in Korea. Über einen Zeitraum von 60 Jahren gesehen haben die Taifune auf der Halbinsel allerdings nur „slightly“, also ein bisschen zugenommen.

Klima ist die Summe der Wetterlagen über einen langen Zeitraum (30 Jahre) in einem großen Gebiet. Eine Katastrophen-Bilanz gepaart mit einem Risiko-Index erscheint auf Germanwatch.org und wird angesichts des Desasters, das der „Super-Taifun“ hinterlassen hat, auch auf der Klimakonferenz in Warschau diskutiert (Titel der Aufstellung: Globaler Risiko-Klima-Index 2014). Seit 1993 sind demnach 530.000 Menschen bei Dürren, Hurrikanen oder Überschwemmungen ums Leben gekommen. Die Schäden beliefen sich auf 2,5 Billionen Dollar – eine Zahl mit 12 Nullen. Besonders betroffen sind Haiti, Pakistan – und die Philippinen. Der Extremwetter-Index basiert auf Daten der Münchner Rück und berücksichtigt nur die direkten Schäden. Opfer von Ernteausfällen etwa, die auf solche Katastrophen folgen, sind nicht berücksichtigt. Die Liste zeigt zwar, dass der Klimawandel unterschätzt wird. Einen Rückschluss von Einzelereignissen auf den Klimawandel lässt er freilich nicht zu. Nicht einmal bei der verheerenden Dürre in Australien 2009 oder bei den Überschwemmungen in Pakistan 2010 sehen die Autoren einen starken Zusammenhang. Warum sind Experten so vorsichtig? Die Zahl der Naturkatastrophen ist, im Vergleich zu den langen Messreihen, die für statistische Aussagen über das Klima nötig sind, zu gering. Eine Arbeit über den Atlantik spricht von einer Zunahme um zwei Hurrikane über die vergangenen 25 Jahre – bei einer Schwankungsbreite von plus/minus vier Hurrikane.

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