Chronik | Welt
03.05.2017

Passagier-Rauswurf: United-Airlines-Chef musste Rede und Antwort stehen

"Der Kongress wird nicht zögern zu handeln." Munoz versprach erneut Besserung. Seine erste Reaktion nach dem Rausschmiss sei "unangemessen" gewesen.

United-Airlines-Chef Oscar Munoz hat sich nach dem gewaltsamen Rauswurf eines Fluggasts heftige Kritik im US-Kongress anhören müssen. Die Abgeordneten drohten den US-Fluggesellschaften mit Konsequenzen, sollten diese ihren Service nicht verbessern.

"Der Kongress wird nicht zögern zu handeln", kündigte Bill Shuster, der Vorsitzende des Verkehrs- und Infrastrukturausschusses im Repräsentantenhaus am Dienstag (Ortszeit) in Washington an.

Angestellte von United Airlines hatten im vergangenen Monat einen Passagier von der Flughafenpolizei in Chicago aus einer überbuchten Maschine zerren lassen, weil er seinen Platz nicht hatte räumen wollen. Das brutale Vorgehen gegen den 69-Jährigen, der sich laut seinem Anwalt die Nase brach, zwei Zähne verlor und eine Gehirnerschütterung erlitt, hatte weltweit Empörung hervorgerufen.

"Wendepunkt für United"

Munoz versprach erneut Besserung und bezeichnete die Affäre als "Wendepunkt für United". Der Konzernchef räumte ein, dass seine erste Reaktion nach dem Rausschmiss unangemessen gewesen sei.

Munoz hatte den Ärger zunächst noch verstärkt, indem er den Vorfall zwar bedauert, das Verhalten seiner Mitarbeiter aber verteidigt hatte. Erst nachdem die Welle der Entrüstung immer größer wurde, gab er - Tage später - eine richtige Entschuldigung ab.

"Etwas ist kaputt, und die offensichtliche Kluft zwischen Passagieren und den Fluglinien muss angegangen werden"

Die Kongressabgeordneten hatten auch die anderen großen US-Airlines zu der Anhörung geladen. Während Manager von American, Alaska und Southwest Airlines erschienen, schickte Delta keinen Vertreter. Die US-Fluggesellschaften stehen schon länger wegen Service-Problemen und Überbuchungen in der Kritik. "Etwas ist kaputt, und die offensichtliche Kluft zwischen Passagieren und den Fluglinien muss angegangen werden", sagte der Ausschussvorsitzende Shuster.

Keine Details über Höhe der Entschädigung

United hatte sich in der Vorwoche mit dem Passagier auf einen Vergleich geeinigt, über die Details der Entschädigung wurde Stillschweigen vereinbart.

Das teilte der Anwalt des Fluggasts am Donnerstag in Chicago mit. Im Rahmen des außergerichtlichen Kompromisses sei vereinbart worden, dass die Details der Entschädigung vertraulich bleiben. United bestätigte eine "gütliche Einigung" mit dem Kunden.

Konzernchef Munoz beteuerte, dass sich United die Kritik zu Herzen nehme und "Taten sprechen lassen" werde. Das Unternehmen hat seine Richtlinien bereits geändert. So will die Airline etwa Passagieren, die auf überbuchten Flügen freiwillig auf ihren Sitz verzichten, künftig eine Entschädigung von bis zu 10.000 Dollar (gut 9.150 Euro) zahlen. Außerdem soll die Zahl an Überbuchungen gesenkt werden.
Konkrete neue Regeln wurden bei der Anhörung nicht diskutiert. Seit dem United-Airlines Vorfall gibt aber mehrere Gesetzesinitiativen aus dem Kongress, die Fluggastrechte stärken sollen, wie die Chicago Tribuneberichtete. An diesem Donnerstag soll United auch dem Senatsausschuss für Luftfahrt und Flugsicherheit Rede und Antwort stehen.
Die EU-Fluggastrechte-Regelung sieht vor, dass die Fluggesellschaft den Flugpreis erstatten oder einen Ersatzflug finden muss, wenn Fluggäste bei einem überbuchten Flug unfreiwillig am Boden bleiben.

Außerdem haben Reisende wegen der Nichtbeförderung einen Anspruch auf Entschädigung. Die liegt je nach Flugdistanz zwischen 250 und 600 Euro. Bei einem Flug am nächsten Tag werden auch Hotel und Verpflegung gezahlt. Nach EU-Recht sollen Fluggesellschaften aber Passagiere erstmal durch eine Gegenleistung zum freiwilligen Verzicht bewegen.

Eine Situation wie bei United Airlines, wo der Passagier bereits im Flugzeug saß, ist Reiserechtlern zufolge in Europa absolut unüblich.

Zu den Konsequenzen, die United nun ziehen will, gehört auch, dass die Mitarbeiter besser geschult werden. Crews sollen künftig mindestens 60 Minuten vor der Abreise auf den Flug gebucht werden.

United Airlines gehört zu den großen US-Fluggesellschaften und das Unternehmen ist Mitglied der Luftfahrtallianz Star Alliance, zu der unter anderem auch die Lufthansa gehört.

Die Serie der schlechten Nachrichten bei United Airlines riss zuletzt nicht ab. Eine britische Hasenzüchterin erhebt schwere Vorwürfe - ihr Riesenhase "Simon" ist bei einem Flug mit der Airline verendet. Medienberichten zufolge sollte das 90 Zentimeter lange Tier zu einem "Promi" gebracht werden. Bei der Ankunft in Chicago bemerkte die United-Crew, dass Simon im Frachtraum verendet ist. Mehr dazu lesen Sie hier.

Vor zwei Wochen wurden zudem erneut unliebsame Passagiere aus einer United-Maschine abgeführt und einem Paar somit der Flug zur eigenen Hochzeit verwehrt. Mehr dazu lesen Sie hier.

Kürzlich ereignete sich ein neuer Zwischenfall an Bord einer Passagiermaschine in den USA, der ebenfalls für Empörung sorgte. Das bei Facebook ins Netz gestellte Video zeigt eine weinende Frau mit zwei Babys auf einem American-Air. Als ein männlicher Passagier sich einschaltet und der Frau zu Hilfe kommt, eskaliert ein Streit mit einem Flugbegleiter, wie das nachfolgende Video zeigt, das von einem weiteren Passagier aufgenommen wurde. Der Vorfall spielte sich beim Besteigen eines Flugzeugs von American Airlines ab, das von San Francisco nach Dallas fliegen sollte.Mehr dazu lesen Sie hier.

Die Rechte von Passagieren bei überbuchten Flügen

Bei überbuchten Flügen sind in Österreich die Rechte von Flugreisenden durch eine EU-Verordnung geregelt. Diese greift, wenn Reisende von einem Flughafen innerhalb der EU abfliegen oder mit einer europäischen Airline in ein EU-Land reisen. Wenn eine Fluggesellschaft absehen kann, dass sie nicht alle Kunden befördern kann, muss sie zunächst nach Freiwilligen suchen, die vom Flug zurücktreten.
Airlines bieten dafür in der Regel attraktive Gegenleistungen, Fluggäste können aber auch selbst über diese verhandeln. Findet die Fluggesellschaft dennoch nicht genügend Freiwillige, kann sie sich entscheiden, bestimmte Reisende nicht zu befördern. Diese haben dann nicht nur Anspruch auf eine Erstattung des Ticketpreises oder einen Ersatzflug, sondern auch auf eine Schadenersatzpauschale, je nach Flugdistanz zwischen 250 und 600 Euro.

Außerdem müssen die Fluggesellschaften den Reisenden bei langen Wartezeiten Erfrischungen, Mahlzeiten und Kommunikationsmöglichkeiten bieten sowie gegebenenfalls für Übernachtungen aufkommen. Diese Rechte gelten aber nur für Kunden, die rechtzeitig und mit gültigem Ticket am Schalter sind.