Papst Franziskus

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Papst mit politischer Osterbotschaft
04/20/2014

Papst mit politischer Osterbotschaft

Der Stadt und dem Erdkreis: Papst Franziskus spendete in Rom vor Zehntausenden den Ostersegen.

Zehntausende waren gekommen, um gemeinsam mit Papst Franziskus die Ostermesse zu feiern. Bei Sonnenschein erreichte der Pontifex im offenen Papamobil den Petersplatz, auf dem sich schon seit dem frühen Morgen eine riesige Menschenmenge versammelt hatte. Höhepunkt der Messe war zu Mittag der Segen "Urbi et Orbi". Der Papst hatte auch ausdrücklich politische Botschaften an die Gläubigen:

"Fürchtet Euch nicht", rezitierte er. "Tröste alle, die das Osterfest heute nicht mit ihren Lieben feiern können", erinnerte er an alle Menschen, die Elend erfahren. Er betete für das Ende der Kriege auf der Welt und erwähnte besonders den Konflikt im "geliebten Syrien"; er bat für den Mut, dort für den Frieden aufzutreten. Auch die Ukraine sprach das Kirchenoberhaupt an: Alle Beteiligten müssten "jede Anstrengung unternehmen, um Gewalt zu verhindern" Die Zukunft des Landes könne nur im "Geist der Einheit und des Dialogs" gestaltet werden. Ebenso müsse im Irak, im Südsudan und in der Zentralafrikanischen Republik die Gewalt aufhören. Für Nigeria forderte Franziskus ein Ende der "grausamen terroristischen Attentate" der islamistischen Sekte Boko Haram. Franziskus würdigte auch die Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern. Die "aufkeimenden Hoffnungen" müssten gefördert werden, so Franziskus, der Ende Mai das Heilige Land besuchen will.

Mit den Worten "Liebe Brüder und Schwestern, ein frohes Osterfest!", schloss der Papst nach etwa zehn Minuten seine Rede, bevor er den österlichen Segen erteilte. Unter den früheren Päpsten wurde traditionell die Grußbotschaft immer in mehr als 60 Sprachen gesprochen - Franziskus verzichtete am Sonntag - ebenso wie vergangenes Jahr - darauf.

Die Bilder vom Petersplatz:

Pope Francis waves as he leads the Easter Mass in

Pope Francis walks with his pastoral cross as he l

Faithful attend the Easter mass led by Pope Franci

Pope Francis waves as he leads the Easter mass in

Pope Francis, center, arrives to celebrate an East…

Pope Francis

Pope Francis

Pope Francis

Faithful attend the Easter mass led by Pope Franci

Pope Francis

Pope Francis lifts up the chalice as he leads a vi

Vatican Swiss Guards parade in St. Peter's Square …

Der apostolische Segen gehört zu den bekanntesten Riten der römisch-katholischen Kirche. Die imperiale Formel "der Stadt und dem Erdkreis" geht auf die alten Römer zurück. Das antike Reichsbewusstsein setzte die Stadt Rom (urbs) mit dem Erdkreis (orbis) gleich. Die Kirche fügte sie erstmals im 13. Jahrhundert in das offizielle Ritual ein. Heute wird der Segen zu feierlichen Anlässen am Ostersonntag, am ersten Weihnachtstag, oder nach einer Papstwahl erteilt. Papst Franziskus hat die Segensworte nach seiner Wahl zum Pontifex im vergangenen Jahr schon mehrmals gesprochen. Die Zeremonie auf dem Petersplatz ist für alle Gläubigen mit einem Sündenablass verbunden.

Wieder Kritik an der Wirtschaft

In der Nacht zum Sonntag hatte Franziskus bereits im Dom die Osterwache gefeiert. Dabei wurde in der Vorhalle der Kirche das Osterlicht entzündet und in den Petersdom gebracht. Der Papst taufte zehn Menschen aus Weißrussland, Italien, Frankreich, Vietnam, dem Senegal und Libanon. In seiner Predigt forderte der 77-Jährige die Menschen auf, ihren Glauben wiederzuentdecken und sich an seinen Ursprung zu erinnern. Am Freitagabend hatte der Papst mit Zehntausenden den traditionellen Kreuzweg am Kolosseum geleitet. Er verurteilte unter anderem das "schwere Kreuz der Arbeitswelt" und "das Gewicht aller Ungerechtigkeiten, die durch die Wirtschaftskrise mit ihren sozialen Folgen verursacht wurden".

Für den Vatikan ist Ostern auch eine logistische Herausforderung, der Ansturm der Gläubigen ist enorm. Nächste Woche werden zudem die Päpste Johannes Paul II. und Johannes XXIII. heilig gesprochen - ein Großereignis, das seinesgleichen suchen wird.

Die sieben letzten Worte Jesu

"Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun" (Lk 22, 39–23, 34)

Eigentlich weiß niemand, was er tut. Die Henker wussten es nicht, die ihn ans Kreuz geschlagen haben. Und auch ihre Hintermänner wussten es nicht.Die Leute, die wieder die Todesstrafe fordern, wissen es auch nicht.Die Regierungen, die Kriege entfesseln, wissen es nicht.Wir alle, die wir mit der Natur uns selber zerstören, wissen es nicht.Auch, dass wir einander gegenseitig töten mit dummen Vorurteilen und bösen Worten, wir wissen es nicht.Was wissen wir überhaupt?Eines Tages werden wir die Erde in einen toten Planeten verwandelt haben, auf dem sich kein Leben, keine Liebe mehr regt.Kein einziger Mensch wird mehr sein, der beten könnte: Vater, vergib ihnen, denn sie wussten nicht, was sie taten.Werden wir so zugrunde gehen: ohne Gebet und Vergebung? Oder werden wir vorher erwachen?Werden wir’s doch noch lernen, zu wissen, was wir tun?Oder ist er am Kreuz umsonst für die Welt gestorben?Vater, gib, dass wir wissen, was wir tun.

"Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein" (Lk 23, 35–43)

Nein, das hat er zu keinem Pfarrer oder Bischof, zu keinem Direktor oder Minister, das hat er zu einem Kriminellen gesagt, der selber zugeben musste: "Ich bekomme, was meine Taten wert sind."Vielleicht ist er auch ein Rebell gewesen gegen den römischen Imperialismus.Man weiß das nicht so genau. Man weiß allein, was einer der Gekreuzigten zum andern gesagt hat: "Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradiese sein.""Paradise Now", das Paradies jetzt für einen Gehängten!Und Jesus in schlechter Gesellschaft sogar im Reiche der göttlichen Schönheit!Und falls er wiederkäme, wie manche sagen, dann ist ihm zuzutrauen, dass er begleitet wird von Galgenvögeln von der Art jenes Kollegen am Kreuz.Mit Typen, die man kennt aus dem Polizeiregister oder dem "Aktenzeichen XY".Nein danke. Bei "Paradies" denke ich lieber an meine Villa am Mittelmeer, die nicht umsonst "il paradiso" heißt, ein sonniger Schlaraffenwinkel mit automatischer Alarmanlage. Die ist nötig, jetzt wo die Kriminalität so zunimmt.Kriminelle gehören ins Kittchen, nicht ins Paradies.Sie sehen schon jetzt, die weiche Welle macht alles nur schlimmer, Jesus hin oder her. So denken wir, die wir nicht gekreuzigt werden. Er, der Gekreuzigte, dachte da offenbar anders.

"Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" (Mk 15, 33–35)

Da betet einer am Galgen ein Gebet, das er auswendig kennt, das Gebet des 22. Psalms. Ein Psalm, der sehr zuversichtlich aufhört, mit Gottes Hilfe und Gottes Sieg. Doch der Atem, die Kraft des Gehängten reichen nur knapp für den ersten Satz, den er keuchend ausstößt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?Schrei des Menschen, der im Stich gelassen ist.Schrei der Gefolterten vorher, nachher.Schrei derer, die von Christen gequält, getötet worden sind.Schrei der Ketzer und Hexen, die man verbrannt hat.Schrei der Juden, die vergast worden sind.Schrei der Gefolterten in aller Welt.Schrei der Angst, dass alles sinnlos war, sinnlos wird.O gewiss, auch andernorts werden Menschen gequält, gehängt, getötet!Es sind nicht nur Christen, die das tun. Aber dass Christen es tun, ist doppelt heillos, weil Christus selbst ein Hingerichteter war. Nein, Gott hat den Mann von Golgata nicht verlassen. An Ostern hat er ihm Recht und neues Leben gegeben.Vielleicht aber hat Gott uns Christen verlassen? Vielleicht hat er genug von all der Gewalt, von Tod und Vernichtung, die vom Christentum ausgegangen sind – von einem Christentum, das vergessen hat, dass Christus ein Opfer der Gewalt war?Mein Gott, mein Gott, warum hast du uns verlassen?

"Frau , siehe, dein Sohn" (Joh 19, 25–27)

Der Mensch ist des Menschen Arznei. Der Mensch ist des Menschen Trost.Eine Mutter verliert den Sohn und findet einen neuen, der offenbar seinerseits eine Mutter braucht.Nicht, dass ein Sohn ersetzbar wäre. Kein Mensch ist ersetzbar.Aber es gibt keinen anderen Trost als neue Liebe, neue Solidarität.Wenn man jemanden aufgeben muss, helfen nur neue Aufgaben.Wenn die Kälte einbricht, hilft nur neue Wärme.Wenn der Tod einen Sieg errungen hat, soll das erst recht unsere Zärtlichkeit für das Leben wecken.Wir Menschen sind nur so lange lebendig, wie wir uns miteinander gegen den Tod verschwören.Selbst in seinem Sterben hat Jesus das gewusst.Wie viel mehr sollten wir das erkennen.Einem Mann ist die Frau gestorben. Ziemlich hilflos steht er da.Eine andere alleinstehende Frau nimmt sich seiner an, hilft ihm im Haushalt, geht mit ihm spazieren.Die ach so moralischen Christen in unserer Siedlung sind empört, tuscheln, tadeln, verurteilen: das gehört sich nicht, so kurz nach dem Tod der Frau schon eine andere im Haus.Warum wachen so manche Christen so fleißig über die Moral der andern?Christus hat sich nicht um Moral, er hat sich um Menschen gesorgt.

"Da Jesus wusste, dass nunmehr alles vollbracht war, sagte er weiter, damit die Schrift vollständig erfüllt würde: Mich dürstet" (Joh 19, 28–29)

So können nur Theologen schreiben.Auch der Evangelist Johannes war schon ein Theologe.Mich schockiert, dass er dem Gekreuzigten unterstellt, er habe nicht eigentlich als Dürstender gesagt, "Mich dürstet", sondern "damit die Schrift vollständig erfüllt würde".Als wäre die Kreuzigung ein Passionsspiel gewesen, als wäre es nur darauf angekommen, irgendwelche Regieanweisungen genau zu befolgen!Ich finde das abgeschmackt, weil damit auch unterstellt wird, Jesus habe nicht wirklich gelitten, nicht wirklich gedürstet, er habe nur so getan, als ob.Ich halte das für verhängnisvoll, weil damit die Leiden heutiger Menschen, die gefoltert und getötet werden, ebenfalls verharmlost werden.Es ist das Elend der Theologie, dass sie um großer Zusammenhänge willen stets wieder die täglichen Kreuzigungen, die täglichen Rechtsverstöße und Gewalttaten verharmlost oder übersieht.Es ist das Elend der Christen, dass sie immer wieder für Gewalt plädieren und mit den Gewalthabern kollaborieren.Wir vergessen so leicht, dass am Kreuz ein Gequälter, Verblutender, von der Sonne Ausgebrannter gemurmelt hat "Mich dürstet".Davor verblassen theologische Konstruktionen und Schwierigkeiten, wie etwa die, ob es erlaubt sei, dass Christen verschiedener Konfessionen miteinander das Abendmahl feiern oder dass geschieden Wiederverheiratete zur Kommunion gehen dürfen. Alles ist erlaubt, was Liebe ermöglicht und Freundschaft stiftet.Alles ist erlaubt, was Gewalt abbaut und dem Töten zuvorkommt.

"Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist" (Lk 23, 44–46 a)

Wenn Menschenhände töten, bleiben Gottes Hände, die alles können, nur nicht töten.Jeder Finger ist Leben, schafft Leben. Und Gottes Hände haben mehr Finger als Sterne sind am Himmel, haben mehr Finger als Menschen sind auf der Welt.Es sind Finger, Hände, die zugreifen, arbeiten, schaffen, die zärtlich und behutsam sein können.Es sind die entdeckenden Hände des Kindes, die liebkosenden Hände von Frauen,die freundlichen Hände von Männern.Es sind die rauen Hände von Bauern, die flinken Hände der Krankenschwestern und Ärzte, die zerstochenen Hände von Näherinnen.Alles sind diese Hände, alles können diese Hände – nur nicht töten.Aus Nichts erschaffen sie, was ist, aus Tod formen sie Leben,den Hass verwandeln sie in Liebe.Diesen Händen vertraut der Sterbende sein Leben, seinen Tod an.Diese Hände möchten die Hände von uns Lebenden werden.Neue Hände, die nicht töten können.Neue Hände, die freundlich sind zu allem, was lebt.Neue Hände, die wir einander entgegenstrecken, damit Friede sei.Gottes Hände möchten auch Menschenhände werden.Hände, denen wir uns furchtlos anvertrauen können.

"Es ist vollbracht" (Joh 19, 30)

Es ist vollbracht.Die Qual ist durchgestanden. Die stundenlange Folter am Kreuz hat ein Ende.Er ist von seinen Leiden erlöst. Aber die Erlösung der Menschen ist damit nicht vollbracht. Noch lange nicht.Darum will Gott ihm auch im Grab nicht Ruhe lassen. Auf seinem Grabstein steht kein "Ruhe in Frieden". Nach drei Tagen schon wird die Ruhe gestört, wird er zurückgeholt in die Unruhe der Welt.Seine Jünger brauchen ihn. Die Menschen brauchen ihn.Und Er braucht die Jünger, die Menschen, damit sein Wort, sein Werk weitergehen kann. In diesem Unternehmen ist an Aufträgen keinMangel.Das Werk ist noch lange nicht vollbracht.Keine Rezession, keine Arbeitslosigkeit. Es ist noch viel zu tun, bis es vollbracht sein wird.

Diesen Text hat Georg Dinauer am Palmsonntag in der Kirche Glanzing vorgetragen. Er ist Pfarrmoderator und Psychotherapeut.

Vatikanexperte: "Papst wird die Priester-Ehe erlauben"

KURIER: Herr Englisch, Papst Franziskus spricht heute den Segen "urbi et orbi". In einer Woche spricht er seine Vorgänger Papst Johannes Paul II. und Johannes XXIII. heilig. Ein historisches Ereignis für Christen?

Andreas Englisch: Das wird ein einzigartiges Ereignis in der Geschichte, wo bis zu fünf Millionen Pilger erwartet werden. Zwei Pontifices, Papst Franziskus und auch der emeritierter Papst Benedikt, am Altar am Peters-platz werden zwei ihrer Vorgänger heiligsprechen. Das wird es in der Kirchengeschichte in den nächsten tausend Jahren nicht mehr geben.

Sie haben Papst Johannes Paul II. auf vielen Reisen begleitet und behaupten, dass er mehr als jene zwei anerkannten Wunder bewirkt habe. Welche haben Sie erlebt?

Eines davon ist das Wunder von Santa Lucia im Jahr 1986. Der Papst wollte zu Lebzeiten nicht, dass es bekannt wird. Johannes Paul II. war gerade auf der Rückreise aus Südamerika und legte einen Zwischenstopp auf dem kleinen Eiland ein. Dort lebte der kleine Kevin. Er war aufgrund eines Sauerstoffmangels bei seiner Geburt behindert und konnte weder laufen noch sitzen und auch nicht selbstständig atmen. Der behandelnde Arzt, der übrigens ein Jude war, hatte den kleinen Kevin zum Sterben nach Hause geschickt. Kevins Mutter Marie Jeremie packte am 7. Juli 1986 ihren 24 Monate alten Sohn ein, um mit ihm den Papst zu sehen. Johannes Paul II. segnete Behinderte und Kranke, darunter auch den kleinen Kevin. Tags drauf – der Papst ist längst wieder abgeflogen – konnte das Kind plötzlich seine Beine und Füße benutzen. Ich habe mit den Ärzten und der Klinik gesprochen. Keiner meiner Auskunftspersonen davon war Katholik und alle waren der Meinung: "Wir glauben nicht an die katholische Kirche, aber was hier passiert ist, ist medizinisch nicht erklärbar. Das war für alle beteiligten ein Wunder.

Papst Johannes Paul II. wird in Rekordzeit heiliggesprochen. Eine kluge Marketingstrategie der Kirche?

Wenn es überhaupt Heilige gibt, dann war Papst Johannes Paul II. heilig. Als Karol Wojtyła zum Start seines Pontifikats sagte, wir werden den Eisernen Vorhang niederreißen, dachten alle, der hat sie nicht mehr alle. Die Russen haben Atombomben, eine riesige Armee und Panzer und der kleine Pole will sich mit seiner Schweizer Garde, die wie Harlekine ausschauen, mit Leonid Breschnew anlegen? Das hätte kein Mensch für möglich gehalten. Weihnachten 1989 ist Michail Gorbatschow nach Rom gereist, um sich mit den Papst zu treffen. Als Michail Gorbatschow nach der Audienz mit den Journalisten sprach, meinte er, ohne Karol Wojtyła wäre die Berliner Mauer nie gefallen. Wieder so ein Zeichen, dass Papst Johannes Paul II. nicht nur ein von seiner schweren Krankheit gezeichneter Pole war, sondern ein Gottesmann, der es geschafft hat, die ganze Welt zu verändern. Als ich 1987 nach Rom kam, war ich nicht gläubig, aber durch Johannes Paul II. habe auch ich begonnen, an Gott zu glauben – und ich bin ihm sehr dankbar dafür.

Kann Papst Franziskus mit seinem Wirken in die Fußstapfen von Karol Wojtyła treten?

Das Thema von Johannes Paul II war: "Habt keine Angst!" Er kämpfte gegen die Unterdrückung der Menschen hinter dem Eisernen Vorhang. Franziskus ist davon geprägt, dass die Unterschiede zwischen sehr reich und sehr arm nirgendwo auf der Welt so groß sind wie in Lateinamerika.

Hat Franziskus in seinem ersten Jahr bereits die Welt für die Armen verbessern können?

Papst Franziskus ist für mich der erste Punk-Papst, weil seine Heiligkeit der erste Monarch ist, der eine Revolution von oben angezettelt hat. Es gab noch nie einen europäischen Monarchen, der gesagt hat: "Ich habe keinen Bock darauf, ein König zu sein." Franziskus wohnt nicht im apostolischen Palast, er geht in die Mensa essen, er verzichtet auf den gesamten Prunk. Das ist völlig neu. Franziskus bringt einen ganz neuen Denkansatz in den Vatikan, der die Menschen begeistert. Er fragt nicht: "Sind die Menschen gut genug für die Kirche, sondern ist diese Kirche gut genug für die Menschen?"

Wie reagieren die Monsignori und Prälaten auf die Revolution im Vatikan?

Die meisten Kurienkardinäle, die die Kirche regieren, sind schockiert. Er hat viele ihrer Privilegien gestrichen. So gibt es den zwei Monate langen Sommerurlaub nicht mehr im Vatikan und er hat die Gehälter um 25 Prozent reduziert. Mit diesen Maßnahmen macht er sich natürlich auch große Feinde innerhalb der Vatikanmauern. Wenn man einen Gottesmann enttarnen will, der Franziskus hasst, dann erkennt man das am folgenden Satz: "Ich habe alles gelesen, was Franziskus über theologischen Fragen geschrieben hat und ich war schnell fertig damit." Die Kurienkardinäle machen sich über ihn lustig, weil er kein großer Theologe ist. Es gibt viele Kardinäle, die sich fragen: Wie kann der Papst sein? Aber für Franziskus war es wichtiger, Schulen aufzubauen oder Trinkwasser in die Slums zu bringen, als tagelang in der Studierstube zu sitzen.

Welche Revolutionen wird Papst Franziskus in den nächsten Jahren noch bringen?

Ich glaube, es wird ein Nachdenken über die Ehelosigkeit der Priester geben. Die Kirche wird es den Priestern freistellen, ob sie zölibatär leben oder ob sie heiraten wollen. Franziskus hat schon mehrfach gesagt, dass das Zölibat kein Dogma, sondern nur ein Abkommen ist. Paulus sagt im Korintherbrief ganz klar: "Was die Ehelosigkeit der Priester angeht, habe ich keine Weisung vom Herrn." Der Zölibat hat die Kirche im Mittelalter nur eingeführt, um Geld zu sparen. Ein anderes Verbot wird sogar noch in diesem Jahr fallen – die Wiederverheirateten werden Zugang zu den Sakramenten bekommen.

Der Papst-Insider

An der Seite des Pontifex

Seit 1987 lebt der deutsche Journalist Andreas Englisch in Rom. Papst Johannes Paul II. begleitete Englisch auf vielen Reisen. Bekannt wurde Englisch, als er den Rücktritt von Papst Benedikt schon ein Jahr davor ankündigte.

In seinem neuen Buch "Franziskus – Zeichen der Hoffnung" (erschienen im C. Bertelsmann-Verlag um 20,50 Euro) deckt Englisch auf, wie sich im Konklave die Machtverhältnisse zugunsten des neuen Papstes verschoben haben und welche Revolutionen Franziskus auslösen wird.

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