Chronik | Welt
06.11.2015

Opa-Bande dealte mit Kokain: Haftstrafen

Aufsehen erregender Prozess in Marseille: Zwölf Jahre Haft für Raymond Mihiere alias "Der Chinese".

Mehrere betagte Herren sind in Frankreich wegen Drogenschmuggels zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Die beiden ältesten Angeklagten im Fall der sogenannten "Papy Connection" (Opa-Bande), der 74-jährige Laurent Fiocconi und der 78-jährige Jo Signoli, wurden am Freitag vom Marseiller Strafgericht zu jeweils sechs Jahren Haft und einer Geldstrafe von 50.000 Euro verurteilt.

15 Verurteilungen

Der 64-jährige Raymond Mihiere alias Le Chinois ("Der Chinese"), der als Anführer des Schmuggelnetzwerks galt, muss für zwölf Jahre ins Gefängnis und 100.000 Euro zahlen. Das Gericht blieb damit unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die für Mihiere 15 Jahre verlangt hatte. Insgesamt wurden 15 Angeklagte in dem Fall verurteilt, der wegen des hohen Alters der Beteiligten in Frankreich für Aufsehen gesorgt hatte.

Der Vorsitzende Richter Patrick Ardid sagte, das Gericht habe bei seinem Urteil gegen Signoli dessen hohes Alter berücksichtigt. "Es kommt ein Alter, in dem man weniger schnell läuft als die Polizei: Bevor Sie in der Unterwelt enden, versuchen Sie, noch einige schöne Dinge zu tun", riet der Richter dem 78-Jährigen.

Testsendungen wurden abgefangen

Signoli kündigte umgehend Berufung an, da seine Beteiligung an der Affäre niemals bewiesen worden sei. Der Anwalt des mutmaßlichen Bosses Mihiere zeigte sich dagegen "relativ zufrieden" mit dem Urteil. Viele der Beteiligten waren der Justiz wegen ihrer langjährigen Verwicklung in kriminelle Aktivitäten bekannt. Die Gruppe hatte zunächst versucht, Kokain aus Südamerika in Paketen mit tiefgefrorenen Meerestieren einzuführen. Doch nachdem eine erste Testsendung vom spanischen Zoll abgefangen worden war, hatte sie sich darauf verlegt, die Drogen per Boten nach Europa zu schmuggeln.