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Offene Fragen
02/13/2013

Wie viel Pension erhält ein Papst a.D.?

Benedikts künftiger Name, sein Unterhalt, Wohnung und Aufgaben sind geklärt.

Warum dankt der Papst am 28.2. um 20 Uhr ab?

Wenn er sofort abgetreten wäre, hätte dies für noch mehr Irritation geführt, glauben Kirchenmänner. So könne sich die Welt an den Gedanken gewöhnen. Zudem sollte sich dadurch die Papstwahl bis Ostern ausgehen. Die sehr anstrengenden Osterfeierlichkeiten wollte sich der Pontifex wohl nicht mehr auflasten. Warum 20 Uhr? Da endet üblicherweise sein Arbeitstag. Übrigens: Im alten Kalender begann im März das neue Jahr.

Wie heißt er ab März?

Er kann seinen Papstnamen Benedikt XVI. weiter tragen. Das hat Cölestin V. , der einzige Papst, der vor ihm freiwillig zurückgetreten ist, ebenfalls gemacht.

Wie wird er künftig angesprochen?

Darauf weiß Vatikansprecher Lombardi noch keine Antwort: „Man kann sich schwer vorstellen, dass wir ihn Kardinal nennen werden. Vielleicht emeritierter Bischof von Rom.“

Darf Benedikt auch weiterhin im Vatikan bleiben?

Er wird sich vorerst in die päpstliche Sommerresidenz in Castel Gandolfo zurückziehen. Wenn der Umbau eines ehemaligen Schwesternklosters im Vatikan abgeschlossen ist, wird er dort wohnen.

Erhält er eine Pension?

Nein. Ihm wird alles bereit gestellt, was er braucht. Auch ein Pontifex arbeitet „für Gottes Lohn“.

Behält er den Papstring?

Nein. Benedikts Ring wird vermutlich am 28. Februar zerbrochen. Normalerweise wird der Ring nach dem Tod des Papstes mit einem Hammer zerschlagen.

Warum bleibt er nicht bis zu seinem Tod wie Papst Johannes Paul II.?

Jedem Papst steht es zu, frei zu entscheiden, ob er aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig zurücktreten oder im Amt bleiben will.

Arbeitet er weiter?

Ja, bis Ende Februar. Am heutigen Aschermittwoch feiert er auf dem römischen Hügel Aventin die Aschermittwochsliturgie. Seine traditionellen Angelus-Gebete am Sonntag sowie die Generalaudienzen am Mittwoch werden beibehalten.

Darf Benedikt an der Wahl seines Nachfolgers teilnehmen?

Nein. Der Papst zählt nicht zu den Kardinälen, denen das Recht der Papstwahl zusteht. Er ist auch zu alt.

Was passiert, wenn es bis Ostern keinen neuen Papst gibt?

Der Heilige Stuhl geht davon aus, dass sich die Kardinäle vor Ostern auf einen Pontifex einigen werden. Im Ernstfall könnte aber Kardinalsdekan Sodano oder Kardinalstaatssekretär Bertone das Osterfest – das wichtigste Fest der Katholiken– mit den Gläubigen feiern.

Die nächste große Reise wäre zu viel gewesen

Die Medien waren diesmal schneller als der päpstliche Kurierdienst. Die Interview-Anfrage eines Radiosenders lieferte Peter Zurbriggen quasi die erste Information über den Rücktritt des Papstes. „Ich wusste von nichts“, erklärt der päpstliche Nuntius in Österreich, gegenüber dem KURIER: „Meine erste Reaktion war daher: ,Das würde mich aber überraschen.‘“ Die Übersetzung der Rücktrittsrede des Papstes aus dem Lateinischen, so war von Diplomaten zu erfahren, hatte den Vatikan gegenüber den Medien in Rückstand gebracht. Die päpstlichen Botschafter seien daher erst nach der Rede über den Abgang informiert worden.

Dienstagmittag also besuchte der Botschafter des Vatikan Bundespräsident Fischer, um ihm die offizielle Mitteilung vom Rücktritt des Kirchenoberhauptes zu machen. Hinweise auf mögliche Rücktrittspläne, so gesteht der Schweizer Zurbriggen ein, habe es ja schon länger gegeben. Wohl nicht ganz umsonst habe Benedikt schon 2009 das Grab des Heiligen Cölestin besucht, des einzigen Papstes, der vor ihm freiwillig auf sein Amt verzichtet habe. Cölestin wollte wieder Mönch werden. Für den deutschen Papst, der sich ja selbst immer als Mönch betrachtet hatte, ein wichtiger Bezugspunkt. In einer symbolträchtigen Geste, so erzählte Zurbriggen, habe der Papst damals seine Stola am Grab zurückgelassen.

„Eine mutige Entscheidung vor der Geschichte und vor Gott“, nennt Zurbriggen den Rücktritt. Benedikt habe einfach erkannt, dass es nicht mehr gehe: „Die nächste große Reise – nach Brasilien – das wäre zu viel, eine zu große Belastung gewesen.“ Von politischem Druck, der laut verschiedener Gerüchte auf den Papst ausgeübt worden sei, will der Nuntius nichts wissen, der Rücktritt habe ausschließlich gesundheitliche Gründe gehabt.

Bischofs-Besetzungen

Mit dem Rücktritt und dem Warten auf einen neuen Papst verzögern sich auch die Besetzungen von drei Bischöfen in Österreich. In Salzburg wartet Bischof Alois Kothgasser auf seinen Nachfolger, in Graz-Seckau Kollege Egon Kapellari. Die Diözese Feldkirch ist seit längerem provisorisch besetzt. Administrator Benno Elbs hat aber gute Chancen, der nächste Bischof zu werden.

Titel, Tweets,TV: Quotenhit Baba Papa

Die Abdankung des Papstes war nicht nur überraschend, sie war auch das größte Medienereignis des noch jungen Jahres. Schlagzeilen, Fernseh-Sender und Internetcommunity überschlugen sich mit Beiträgen. Benedikt zierte die Aufschlagseiten der Zeitungen auf der ganzen Welt – besonders die deutschen Blätter traten in den Wettbewerb um das kreativste Cover nach dem Abgang „ihres“ Heiligen Vaters. „Iam Vero Absum – Ich bin dann mal weg“, titelte die Hamburger Morgenpost. Die Bild-Zeitung, die 2005 mit ihrer Schlagzeile „Wir sind Papst“ Furore machte, schrieb „Keine Kraft mehr!“. Die Berliner Tageszeitung titelte auf einem weiß gehaltenen Umschlag, auf dem nur die roten Schuhe des Papstes zu sehen sind, gar „Gott sei Dank“; eine Hommage an jene Ausgabe, die nach der Papstwahl vor acht Jahren den Titel „Oh mein Gott!“ trug.

„Nicht abgesprochen“

Als exponierter Vatikan-Feind zeigte sich das Klamauk-Magazin Titanic enttäuscht vom Nachfolger Petri: „Der Rücktritt von Papst Benedikt XVI. war nicht mit uns abgesprochen“, so Chefredakteur Leo Fischer ironisch. Die Macher des Magazins stehen im juristischen Dauerstreit mit dem Vatikan über satirische Bilder des Papstes. Nun kündigte das Blatt neue päpstliche Schlagzeilen an. Zunächst begnügte sich Titanic aber mit einer Schlagzeile im Internet: „Aus Bibel abgeschrieben! Ratzinger verliert Papst-Titel“ – in Anlehnung auf den Rücktritt der deutschen Bildungsministerin Schavan nach einer Plagiatsaffäre.

Mediale Aufmerksamkeit erhielt auch ein kurioser Vorfall, den mancher Redakteur schon als „Zeichen Gottes“ sah: Nach Benedikts Rede war am Abend ein Gewitter über Rom aufgezogen, ein Blitz hatte in die Kuppel des Petersdoms eingeschlagen. Dem Foto eines italienischen Fotografen wollten viele noch keinen Glauben schenken. Sie beschuldigten Alessandro Di Meo der Manipulation. Doch dieser beharrte darauf: Das Bild ist echt. Zu Di Meos Glück tauchte später ein zweiter Bildbeweis auf, sowie ein Video derBBC.

Das Bild wurde freilich hundertfach im Internet verbreitet, so wie die User generell in kürzester Zeit eine Papst-Welle über die virtuelle Welt schwappen ließen. Zehntausende Erwähnungen auf Twitter innerhalb der ersten Stunde nach der Neuigkeit aus Vatikanstadt machten aus dem Papst das „trending topic“ schlechthin. Laut einer MEEDIA-Analyse trat das Wort „Papst“ in verschiedenen Sprachen über vier Millionen Mal auf. Auf Twitter verbreiteten sich auch die Internetwitze über Benedikts Abgang am schnellsten. So genannte „Memes“ (Bildwitze) beschäftigten sich schon mit potenziellen Nachfolgern am Heiligen Stuhl; eine beliebte Bildmontage war Silvio Berlusconi in der päpstlichen Soutane. Auch Bilder von Benedikt als Mitglied des Star- Wars-Ensembles wurden zum Renner.

Der Papst, selbst auf Twitter vertreten (@pontifex_de), war jedoch im Netz auffällig ruhig. Sein letzter Tweet stammt vom 10. Februar. Gar nicht schweigsam hingegen Gott: @TheTweetofGod, betrieben vom US-amerikanischen Autor und Produzenten David Javerbaum, schrieb: „Sch... drauf. Ich trete auch zurück.“