Siebenjähriger kam mit Pistole in die Schule

A display of 7-round .45 caliber handguns are seen
Foto: Reuters/SHANNON STAPLETON Handfeuerwaffen in einem Geschäft in New York: Der Vorfall ereignete sich im Stadtteil Queens.

Neuer Vorfall inmitten der Debatte über ein strengeres Waffengesetz in den USA.

Ein Siebenjähriger ist am Donnerstag in der US-Metropole New York mit einer Pistole im Gepäck in die Schule gekommen. Als die Schusswaffe entdeckt wurde, schloss die Polizei die betroffene Schule im Stadtteil Queens nach eigenen Angaben für etwa eine Stunde. Weitere Angaben machte die Polizei nicht. So teilte sie etwa nicht mit, ob die Waffe geladen war. Es sei eine Untersuchung eingeleitet worden, hieß es lediglich.

Newtown

Children look out through the windows of school bu Foto: Reuters/LUCAS JACKSON Newtown in Schockstarre Bei einem Amoklauf an einer Volksschule in Newtown im US-Staat Connecticut waren Mitte Dezember 20 Kinder und sechs Erwachsene erschossen worden.

Seither tobt in den USA wieder eine Debatte über das Recht auf den privaten Besitz von Schusswaffen.

Waffenvernarrtes Land

In den USA besitzen Privatleute nach Schätzungen der Behörden mehr als 300 Millionen Waffen.  Am Dienstag kam es erneut zu Schießereien an zwei Colleges in Kentucky und Missouri. Dabei wurden zwei Menschen getötet und drei weitere schwer verletzt. Am

File photo of U.S. President Barack Obama speaking Foto: Reuters/KEVIN LAMARQUE Obama will Waffengesetz verschärfen Obamas Appell

Mittwoch rief US-Präsident Barack Obama den Kongress dazu auf, ein Verkaufsverbot für Sturmgewehre, die viele Schüsse in kurzer Zeit abgeben können, und eine umfassende Überprüfung von Waffenkäufern zu beschließen.

Im Mittelpunkt der Initiative steht die Wiedereinführung des Verkaufsverbots von Sturmgewehren an Private sowie das Verbot großer Magazine. "Waffen, die für den Kriegsschauplatz geschaffen sind, haben in einem Kino nichts zu suchen", sagte Obama mit Blick auf einen Amoklauf in einen Kino in Colorado, bei dem im Sommer zwölf Menschen starben.

Auch der Amokläufer von Newtown hatte ein halbautomatisches Gewehr dabei, mit dem sich bei einem entsprechend großem Magazin besonders viele Schüsse in kürzester Zeit ohne Nachladen abfeuern lassen. Sturmgewehre waren von 1994 bis 2004 in den USA verboten.

Bilder

Land der Schusswaffen

In den USA sind mehr Waffen in Privatbesitz als in jedem anderen Land der Welt. In rund 42 Millionen Haushalten finden sich Waffen, zumeist Gewehre. In den USA werden jährlich etwa 350.000 Verbrechen mit Schusswaffen begangen, mehr als 11.000 Menschen werden dabei getötet. Der Oberste Gerichtshof sprach im Juni 2008 den Bürgern ein Grundrecht auf Waffenbesitz zu. Die höchsten Richter erklärten ein Gesetz im Stadtbezirk Washington für verfassungswidrig, das Handfeuerwaffen im Besitz von Privatbürgern verboten hatte. Sie entschieden, dass jeder Bürger ein Recht darauf habe zu jagen und sich selbst zu verteidigen. Das Urteil wurde als Sieg für die mächtige Organisation der US-Waffenbesitzer (NRA) gewertet, die im Waffenbesitz stets ein verbürgtes Freiheitsrecht gesehen hatte. Während die Waffenlobby auf das verfassungsmäßige Recht aller Amerikaner auf den Besitz von Schusswaffen zum eigenen Schutz pocht, sehen die Gegner darin eine Gefahr und einen Zusammenhang mit der hohen Gewaltkriminalität. Rund 250 Millionen der weltweit 650 Millionen Schusswaffen in privater Hand befinden sich im Besitz von US-Bürgern, mittlerweile verfügt jeder vierte über mindestens eine Waffe. Die Befürworter bestreiten das. So sei etwa in Texas die Mordrate um ein Vielfaches höher als in Vermont, obwohl in beiden Staaten jeder dritte Bürger bewaffnet ist. Auch sei in vielen Großstädten mit hoher Kriminalität der Verkauf von Schusswaffen seit jeher verboten. Das Waffenrecht ist von Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden. Entwickelt hat sich ein Durcheinander von mehr als 20.000 nationalen, einzelstaatlichen und kommunalen Vorschriften. Das "Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen" wurde vor mehr als 200 Jahren im zweiten Zusatzartikel zur Verfassung verbrieft. Das Prinzip galt lange ohne größere Einschränkungen. Seit den 1930er Jahren wurden Regulierungen mit der Interpretation begründet, die Verfassung erlaube nur Bürgerwehren und Streitkräften, Waffen zu besitzen.
(APA / sho) Erstellt am
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