Als Zeichen des Protests kehren Polizisten Bürgermeister Bill de Blasio bei einer Trauerrede den Rücken zu.

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Polizisten streiken
01/06/2015

New York ist das neue Paradies für Parksünder

Sie fühlen sich im Stich gelassen und legen aus Protest gegen den Bürgermeister die Arbeit nieder.

von Susanne Bobek

Verkehrsdelikte werden derzeit in New York nicht mehr verfolgt. Falsch parken ist momentan relativ ungefährlich. Laut New York Post ist die Zahl der Strafmandate im Vergleich zu 2013 seit Dezember um 92 Prozent zurückgegangen. Verhaftungen wegen Drogendelikten sind um 84 Prozent gefallen, Verhaftungen wegen öffentlichen Trinkens von Alkohol oder Urinierens um 94 Prozent.

Die Polizeigewerkschaft, hat dazu aufgerufen, Leute nur noch dann festzunehmen, wenn "dies absolut notwendig" sei. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio, gegen den sich der Protest richtet, goss am Sonntag weiter Öl ins Feuer. Polizisten, die ihm ostentativ während einer Trauerrede für einen ermordeten Polizisten den Rücken zuwandten, nannte er "respektlos".

Ausgelöst wurde der Bummelstreik bei der Polizei durch einen Todesfall, ähnlich wie in Ferguson. Am Nachmittag des 17. Juli wurde der 43-jährige asthmakranke Afroamerikaner Eric Garner beim gewaltsamen Anlegen von Handschellen durch mehrere Polizisten getötet. Auf zwei Videos war zu sehen, wie ihn ein Uniformierter in den Schwitzkasten nahm, was verboten ist, und ihn anschließend mehrere Beamte zu Boden rangen. Garner rief "ich kann nicht atmen", ohne dass die Polizisten darauf reagierten.

Als am 3. Dezember eine Grand Jury entschied, dass gegen den Officer, der Garner offensichtlich gewürgt hatte, keine Anklage erhoben würde, kam es wie in Ferguson zu heftigen Protesten wegen Rassismus und Missachtung der Bürgerrechte. Bürgermeister De Blasio sprach – unter Berufung auf Martin Luther King – von einem Moment der nationalen Schande, von Rassismus und Ungerechtigkeit.

Unnötige Verhaftung

Seitdem hat die New Yorker Polizei ihre Arbeit mehr oder weniger eingestellt. Die Diskussion darüber ist spannend. Denn Linksliberale wie Matt Ford in The Atlantic stellen erstmals die von De Blasios Vorvorgänger Rudy Giuliani eingeführte Null-Toleranz-Politik bei Kleinstvergehen infrage und wundern sich, wie viele unnötige Verhaftungen es wohl in der Vergangenheit gegeben habe. Denn bisher hätte die öffentliche Sicherheit nicht wirklich gelitten. Skeptiker halten dagegen, dass der Streik wohl zu kurz dauere, um daraus Schlüsse ziehen zu können. Außerdem sei die Kriminalitätsrate insgesamt gesunken.

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