Gefährlicher Job: Sherpas auf dem Mount Everest.

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Nepal
04/21/2014

Die Sherpas drohen mit Streik

Nach dem Lawinenunglück mit 16 Toten wird heftig über den Mount-Everest-Tourismus diskutiert.

von Alexandra Uccusic

Wir haben genug gelitten", sagt der 39-jährige Kaji. Er ist einer von sieben Sherpas, die das Lawinenunglück am Mount Everest überleben. Kaji liegt schwer verletzt in einem Spital. Als Bergführer arbeiten will er nie wieder.

In die Trauer der Sherpas mischt sich nach dem bisher schwersten Unglück in der Geschichte des Alpinismus auf dem Everest immer mehr Zorn. Die nepalesischen Bergführer fordern von der Regierung bessere Arbeitsbedingungen: Eine Pension für Sherpas im Ruhestand, kostenlose Schulbildung für die Kinder verunglückter Bergführer und eine Erhöhung der Versicherungssumme.

Trauerwoche

Am Berg ist nun eine Trauerwoche angesetzt, in der es keine Expeditionen gibt. Für die Zeit danach drohen die Sherpas mit Streik, sollte die Regierung ihren Forderungen nicht nachkommen. Auch über künftige Expeditionen wird heftig diskutiert – einige Touren könnten abgesagt werden.

Die Sherpas leben in Nepal am Fuß des Himalajas. Ohne sie wäre es vielen Alpin-Touristen nicht möglich, den höchsten Berg der Welt zu erklimmen. Die Sherpas begleiten Expeditionen und gehen diesen voraus, um den Aufstieg vorzubereiten – sie montieren Fixseile, richten Pfade her, bringen Proviant nach oben, kochen und tragen Gepäck. Die Bergsteiger, die aus aller Welt kommen, zahlen hohe Gebühren für den Sturm auf den Gipfel – umgerechnet 18.000 Euro, plus Müllrücklage. Vor allem die Tourismusindustrie in Nepal verdient kräftig daran.

Bei dem schweren Unglück waren die Sherpas am Freitag im so genannten Popcorn-Feld verschüttet worden, das auf der Route zum tückischen Khumbu-Eisfall liegt. Sie hatten Zelte, Seile und Lebensmittel dabei, um eine Route vorzubereiten.

Für Reinhold Messner, der 1978 zusammen mit seinem Tiroler Begleiter Peter Habeler der Erste war, der den Everest ohne Sauerstoffgerät bestieg, war ein derartiges Unglück "in gewisser Weise vorhersehbar". Der sich steigernde "Bergsteiger-Tourismus" verlange immer besser präparierte Pisten, meinte er: "Und die Sherpas gehen das Risiko ein". Die Kunden der Reiseveranstalter nehmen im Vergleich dazu ein viel geringeres Risiko auf sich.

Auch der Unglückszeitpunkt sei erwartbar gewesen, so die Bergsteigerlegende – denn im Frühjahr würden die Pisten für die "Bergsteigertouristen" vor Beginn der Klettersaison präpariert. An der Unglücksstelle würde "eine ganze Kolonne" von Sherpas aufsteigen, um ihre Arbeit zu verrichten. "Getroffen hat es vor allem junge Familienväter", sagte Messner: "Daher sollten wir uns die Frage stellen, ob der Bergsteiger-Tourismus am Mount Everest unter diesen Umständen vertretbar ist."

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