Chronik | Welt
22.11.2017

Nach Tod von Kleinkindern: Kritik an Ikea-Rückruf

Der Rückruf der betroffenen Kommoden verläuft bisher nur schleppend. Millionen der der Möbelstücke stellen noch immer eine Gefahr für Kleinkinder dar.

Mehr als ein Jahr nach dem Beginn seiner großen Rückrufaktion gab der schwedische Möbelkonzern Ikea bekannt, dass bisher eine Million der betroffenen Fälle abgehandelt wurde. Ikea war unter Druck geraten, nachdem mehrere Kleinkinder in den USA von Schränken des Herstellers erdrückt worden waren. Daraufhin startete der Möbelriese eine großangelegte Rückrufaktion und bot seinen Kunden finanzielle Rückerstattung oder spezielle Wandmontage-Sets für das Mobiliar an.

Insgesamt sind 17 Millionen Ikea-Möbelstücke von dem Rückruf betroffen, wobei es sich vor allem um Modelle der "Malm"-Serie handelt. Diese Zahl wurde von ursprünglich 29 Millionen betroffenen Stücken nach unten korrigiert, der Konzern wies jedoch darauf hin, dass man nicht genau wisse, wieviele der Modelle noch in Gebrauch seien oder bereits von ihren Besitzern in Eigenregie gesichert wurden.

"Wenig effektiv"

Überschattet wird die Rückrufaktion in den USA durch den jüngsten Todesfall des zweijährigen Jozef Dudek, welcher im Mai - fast ein Jahr nach Beginn des Rückrufes - von einem betroffenen Möbelstück erdrückt wurde. Seither wird vor allem kritisiert, dass der Rückruf nur wenig effektiv sei.

In der Washington Post meldete sich nun Alan M. Feldman, der die Angehörigen von Jozef Dudek gegen Ikea vertritt, zu Wort: "Der Rückruf ist nicht nur wenig effektiv, ich denke, dass Ikea nicht einmal das mindeste für einen effektiven Rückruf tut. Es ist zu wenig und zu spät. Ikea hat unsichere Produkte in amerikanische Haushälte gebracht." Feldman erklärte weiter, dass er nicht einmal von einem Rückruf wusste, und das, obwohl seine Mandanten Teil eines speziellen Ikea Angebots waren und regelmäßg Angebote von Ikea per Mail erhielten.

Feldman vertrat bereits die Familien von drei anderen Opfern gegen Ikea, und konnte für diese einen Vergleich von rund 50 Millionen US-Dollar vor Gericht erreichen.

Eine Sprecherin des Konzerns beteuerte, dass man den jüngsten Vorfall sehr ernst nehme und bemüht sei, den Rückruf wirksamer zu kommunizieren. Man werde deshalb nochmals zur Rückrufaktion auffordern und die bisherigen Serviceleistungen beibehalten.

Laut der Consumer Product Safety Commission (CPSC) sind in den USA bisher mindestens zwölf Kleinkinder durch umgefallene "Malm"-Kommoden ums Leben gekommen, wobei sieben Todesfälle alleine seit 2002 zu verzeichnen sind.