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Schweiz
05/25/2016

Muslimische Schüler müssen Lehrerin die Hand geben

Im Kanton Basel-Landschaft darf künftig kein Schüler mehr aus religiösen Gründen seinen Lehrern den Handschlag verweigern. Bei Missachtung müssen Eltern mit Sanktionen rechnen.

Im Schweizer Kanton Basel-Landschaft darf künftig kein Schüler mehr aus religiösen Gründen seinen Lehrern den Handschlag verweigern. Die zuständige Schulbehörde reagierte damit auf die Weigerung zweier muslimischer Schüler, ihrer Lehrerin die Hand zu reichen. Bei Missachtung müssten die Eltern künftig mit Sanktionen rechnen, heißt es in einer Mitteilung vom Mittwoch. Laut der Schweizer Boulevardzeitung Blick könne das Bußgeld bis zu 5000 Franken (4500 Euro) ausmachen. Auch seien Strafen für Schüler geplant.

Demnach hat eine rechtliche Überprüfung ergeben, dass Schulen ausdrücklich einen Handschlag zur Begrüßung und Verabschiedung einfordern dürften. Anfang April hatte der Fall eines 14-Jährigen und seines 16-jährigen Bruders aus einer streng religiösen Familie über die Landesgrenzen hinweg für Aufregung gesorgt.

Die Brüder aus Syrien, die im kleinen Ort Therwil in der Nähe von Basel die Schule besuchen, hatten den Handschlag aus religiösen Gründen verweigert. Dabei ist dieser an vielen Schweizer Schulen Tradition.

"Niemand kann uns zwingen, Hände zu berühren"

Die Buben begründeten ihre Handschlag-Verweigerung damit, dass sie dem weiblichen Geschlecht Respekt zollten. "Niemand kann uns zwingen, Hände zu berühren", sagten sie im April der Sonntagszeitung. Sie wollten nicht provozieren, sondern lediglich ihren Glauben leben: "Wir haben ja auch unsere eigene Kultur. Die können wir nicht einfach löschen, so wie man das etwa mit einer Festplatte tun kann." Die Jungen fühlten sich von Medien und Politikern schlecht behandelt. Ihr Fall werde benutzt, um Stimmung gegen Muslime zu machen.

Die betroffene Schule führte daraufhin eine Sonderregelung ein: Auch männlichen Lehrern durften sie nun die Hand nicht mehr geben. Diese temporäre Regelung wurde nun ebenfalls aufgehoben. Mehr dazu finden Sie hier.

Mehrere Medien hatten darüber berichtet, dass die Brüder in einem streng religiösen Umfeld aufgewachsen sind. Der Vater arbeitet als Imam in der König-Faysal-Moschee, von der es heißt, sie sei fundamentalistisch. Auch die Jugendanwaltschaft hatte sich in den Fall eingeschaltet, weil die Brüder Propagandamaterial der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) auf ihrer Facebookseite verbreitet haben sollen.

Schulleitung erleichtert

Die Schulleitung in Therwil zeigt sich in einer Mitteilung erleichtert und froh, dass "nun Klarheit" herrscht. Sie werde die Zwischenlösung mit den Schülern nun aufheben und habe "diesen Entscheid der Familie bereits mitgeteilt".

Einbürgerung auf Eis gelegt

Der Fall hat für die betroffene Familie aus Syrien weitreichende Konsequenzen, wie die Welt berichtet. Der Vater der beiden Schüler war 2001 in die Schweiz eingewandert. Die schweizerischen Behörden gaben im vergangenen Monat bekannt, das Einbürgerungsverfahren für die Familie sei auf Eis gelegt. Am Mittwoch teilte die Schulbehörde zudem ohne nähere Einzelheiten mit, dass ein Mitglied der Familie wegen Gewaltverherrlichung in sozialen Medien verwarnt worden sei.

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