Chronik | Welt
10.03.2014

Hoeneß-Prozess: Ein sehr schweres Geständnis

Der Fußballmanager räumt 18,5 Millionen Euro hinterzogene Steuern ein.

Das öffentliche Interesse ist riesig: Die ersten Prozess-Kiebitze warteten um fünf Uhr früh vor dem Münchner Gericht, von angemeldeten 454 Pressevertretern erhielten nur 49 einen Platz im Saal. Im Internet berichteten die deutschen Medien im Live-Ticker und an der Spitze der stündlichen TV-Nachrichten noch vor der Krim-Krise.

Und schon der Anfang des für vier Tage anberaumten Gerichtsverfahrens gegen den Präsidenten des FC Bayern, Deutschlands erfolgreichsten Sportmanager, gab ihnen recht: Er begann mit einer Sensation.

Nachdem der Staatsanwalt Uli Hoeneß die Hinterziehung von 3,55 Millionen Euro Steuern zur Last legte und die Überhöhung von Verlusten aus den Börsengeschäften zur Minderung der Steuerlast, schockte der alle in seiner ersten Stellungnahme: Er habe bei den Geschäften über sein Schweizer Konto "mindestens 18,5 Millionen Euro" Steuern hinterzogen, das Fünffache des bisherig genannten Betrags.

"Ich bereue das zutiefst. Ich will ohne Wenn und Aber reinen Tisch machen und mit mir ins Reine kommen", begründete Hoeneß sein "umfassendes Geständnis". Er habe zeitweise "die Übersicht verloren" gehabt.

Vieles offen

Als Milderungsgründe führte der nebenbei auch erfolgreiche Wurstfabrikant an, dass er in diesen Jahren fünf Millionen Euro für soziale Zwecke gespendet und 50 Millionen Steuern gezahlt habe: "Ich bin kein Sozialschmarotzer."

Wie viel von dieser Steuerhinterziehung in den jetzt verhandelten Zeitraum von 2003 bis 2009 fällt, wo noch keine Verjährung greift, ist derzeit unklar. So wie die Höhe des Kapitals, das Hoeneß bei seinen Spekulationen einsetzte. Grundstock war ein 20-Millionen-D-Mark-Darlehen des inzwischen verstorbenen französischen Ex-Eigentümers von Adidas gewesen, dessen Vertrag mit dem Verein Hoeneß verlängert hatte. Was aber verjährt ist.

Die Verhandlung ergab, dass Hoeneß damit später mindestens 50.000 Geschäftsvorgänge an den großen Weltbörsen über sein Privatkonto bei der Schweizer Bank Vontobel abgewickelte. Er habe sich nie die Unterlagen zeigen lassen sondern immer nur den Kontostand abgefragt, so Hoeneß.

Offen blieb bisher auch, wie viel Gewinn Hoeneß mit seinen Spekulationen, offenbar überwiegend Devisengeschäfte, gemacht hat: Manche Medien spekulieren nun mit 100 Millionen Euro, er selbst deutete an, dass es ein Verlustgeschäft gewesen sei, weil er nun Steuern und Strafen nachzahlen müsse.

Mit der neuen hohen Summe hinterzogener Steuern dürfte sich die Position Hoeneß’ trotz des umfassenden Geständnisses kaum verbessert haben. Denn laut Rechtsexperten war seine eigentlich strafmildernde Selbstanzeige nun so zweifelsfrei unvollständig, wie das der Staatsanwalt schon bisher behauptete. Zweitens hätten sich nun die Anforderungen an strafmildernde Umstände wie einen tadellosen Lebenslauf und soziale Wohltaten noch weiter erhöht.

Und auch in der Kernfrage, ob die Selbstanzeige aus eigenen Stücken erfolgt ist oder doch erst, nachdem Hoeneß von Recherchen des Stern erfahren hatte, blieb mehr offen als bisher. Nichtentdeckung vor der Selbstanzeige ist eine weitere Bedingung für Strafmilderung – und damit die Verschonung von Hoeneß vor einer unbedingten Haftstrafe. Genau in diesem Punkt aber widersprach er im Prozess seinem erfahrenen Verteidiger, auch sein Hauptentlastungszeuge wollte plötzlich dazu nicht mehr mündlich aussagen.

Düstere Prognosen

Deshalb werden die meisten Prognosen für Hoeneß nun düsterer. Thomas Eigenthaler, Vorsitzender der Steuergewerkschaft, die 60 Prozent der in den Finanzbehörden Tätigen gewerkschaftlich vertritt, sagte am Montagnachmittag: "Das sind gigantische Zahlen. Und das wirft ein wirklich dunkles Licht auf diese Selbstanzeige. Ich sehe mittlerweile eine Gefängnisstrafe am Ende des Tunnels."

Eine schwindende Zahl von FC-Bayern-Fans vor dem Münchner Gerichtsgebäude versuchte trotzdem weiter mit Plakaten Stimmung für Hoeneß zu machen. Seine Verdienste um den Klub und den deutschen Fußball seien so hoch, dass dies im Urteil mildernd berücksichtigt werden müsse, forderten sie.

Doch der Vorsitzende Richter des fünfköpfigen Wirtschaftssenats dürfte sich von solchen Demos nicht beeindrucken lassen: Er gilt als akribisch, Deals mit der Verteidigung abhold und beim Strafmaß streng. Und Hoeneß ist schon seit der Abgabe seiner Selbstanzeige 2013 nur auf Kaution frei.

Andrang vor dem Saal

"Sulidarität": Prozessauftakt gegen Hoeneß

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Bayern Munich President Hoeness arrives for his tr

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Supporter of Bayern Munich President Hoeness await

Prozessauftakt gegen Uli Hoeneß

Uli Hoeness

Media await arrival Bayern Munich President Hoenes

Rupert Heindl

Uli am Wort: Zitate zur Steuer-Affäre

Steile Karriere als Manager der Bayern

Ulrich "Uli" Hoeneß, 62, ist ein deutscher Unternehmer, Fußballfunktionär und ehemaliger Fußballspieler. Derzeit ist er Präsident des FC Bayern München (d. h. des Fußball-Clubs Bayern, München e. V.) und Aufsichtsratsvorsitzender der mit prominenten deutschen Wirtschaftsführern (VW, Audi, Telekom) besetzten der FC Bayern München AG.

Als aktiver Fußballspieler gewann Hoeneß in den 1970er Jahren mit dem FC Bayern München nahezu alle wichtigen Titel im europäischen Vereinsfußball. Mit der deutschen Nationalmannschaft wurde er 1972 Europameister und 1974 Weltmeister.

Nach seiner aktiven Karriere übernahm Hoeneß das Management beim FC Bayern und trug dazu bei, den Verein finanziell und sportlich zu einem der erfolgreichsten Fußballvereine Europas zu machen.

Die Öffentlichkeit kannte den legendären Fußballer Uli Hoeneß, der mit "Kaiser" Franz Beckenbauer, Paul Breitner, Gerd Müller und Sepp Maier spielte, nur als Sieger. Als Vereinsmanager holte er 18 Meisterschaften, elf Pokalsiege, zwei Champions-League-Titel. Als Wurstfabrikant produzierte er in seiner Nürnberger Fabrik Millionen Würstchen auch für McDonald’s. Als öffentliche Person kannte man ihn als Vertrauten von Kanzlerin Angela Merkel, wie er sozialen Einrichtungen Schecks überreichte oder wie er in Talkshows wortgewaltig Moral predigte.